Fast zwei Drittel der Deutschen sind online. Eine neue Studie verrät, wo die Internet-Verweigerer leben - und welche Geschlechterunterschiede es bei der Internetnutzung gibt.

Zwei Drittel der Deutschen nutzen inzwischen das Internet. Allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate wuchs die Zahl der Internetnutzer hierzulande um drei Millionen, ein Plus von über fünf Prozent, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten "(N)Onliner-Atlas 2008" hervorgeht.

Bild vergrößern

Gebannter Blick auf den Bildschirm: Fast zwei Drittel der Deutschen sind inzwischen online. (© Foto: Reuters)

Anzeige

Insgesamt surfen demnach 42,2 Millionen Deutsche über 14 Jahren im Internet. Damit liegt Deutschland innerhalb der EU an achter Stelle zusammen mit Großbritannien.

"Wer keinen Zugang zur digitalen Welt hat, droht Ausschluss und Benachteiligung", sagte Bernd Bischoff, Präsident der Initiative D21, die von Unternehmen und Politik getragen wird. Laut dem "(N)Onliner-Atlas", den die Initiative mit dem Institut TNS Infratest herausgibt, sind die Mehrheit der Nichtnutzer weiterhin Frauen mit geringer Bildung und niedrigem Einkommen.

Schere zwischen Männern und Frauen

Zum ersten Mal ist der Anteil der Bevölkerung, die das Internet nicht nutzt, unter die 30-Prozent-Marke gefallen. Während es im Jahr 2007 noch 22,2 Millionen (34,1 Prozent) Deutsche gab, die weder das Internet nutzten, noch planten, dies in Zukunft zu tun, verringerte sich der Anteil der Nichtnutzer innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 4,2 Prozentpunkte auf 29,9 Prozent.

Bei Männern und Frauen ging die Schere bei der Internetnutzung erstmals wieder auseinander: Bei den Männern stieg der Anteil der Onliner um 5,3 auf 72,4 Prozent (Vorjahr: 67,1) Prozentpunkte, bei den Frauen lediglich um 4,5 Punkte auf 58,3 Prozent (Vorjahr: 53,8).

Damit waren 53,8 Prozent der Internetnutzer Männer, 46,2 Prozent Frauen. Gleichzeitig haben sich allerdings viele Frauen vorgenommen, in der kommenden Zeit online zu gehen. Weiter zugenommen hat die Zahl der Internetnutzer über 50 Jahre - sie wuchs um 1,8 Prozent. In nahezu allen Bundesländern waren damit mehr als 30 Prozent dieser Gruppe online.

Schlusslicht Saarland

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bleiben bei der Internetnutzung Spitzenreiter. Im regionalen Vergleich führte Berlin erneut mit 70,3 Prozent Onlinern, gefolgt von Hamburg mit 69,0 Prozent. Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern belegten die Plätze drei bis fünf.

Zugleich zeigte sich weiter ein deutliches Ost-West-Gefälle: Schlusslichter bei der Onlinenutzung waren die neuen Bundesländer, allerdings gemeinsam mit dem Saarland. Dieses wiederum gehörte jedoch - mit Rheinland-Pfalz und Bayern - zu den Ländern mit dem größten Wachstum in der Internetznutzung.

Weiter auf dem Vormarsch ist die Internetnutzung per Breitbandanschluss, also etwa per DSL. Rund zwei Drittel aller Internetnutzer gehen mit hoher Geschwindigkeit ins Netz, das sind rund sechs Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Der Studie liegen über 52.000 Interviews zugrunde. Sie ist damit die deutschlandweit größte, repräsentative Umfrage zur Internetnutzung. Als "Onliner" gelten in der Studie Menschen, die das Internet nutzen - dabei wird nicht auf Ort und Grund geachtet.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa/ap/afp/sma/cag)