Online-Tracking Das Geschäft mit dem Webseiten-Besucher

Das Ausspionieren von Internetnutzern ist zu einer profitablen Industrie geworden. Mehr als tausend Unternehmen machen ihr Geld damit. Weil niemand regulierend eingreift, werden private Initiativen zu wichtigen Wächtern über die persönlichen Daten.

Von Michael Moorstedt

Wie viel Geld ist ein Gedanke wert? Wie viel eine Freundschaft? Und wie viel ein bisschen freie Zeit, die man heutzutage ja doch so oft im Netz totschlägt. Antwort: eine ganze Menge. Aus dem sogenannten Online-Tracking, also dem Verfolgen von Nutzerspuren im Internet ist eine blühende Industrie entstanden. Nicht nur Google und Facebook, sondern mehr als tausend Unternehmen machen ihr Geld mittlerweile mit dem, zumeist unbemerktem, Ausspionieren von Website-Besuchen und Suchanfragen, um so personalisierte Werbung auf die Bildschirme der Nutzer zu schalten.

Zwischen Datenschutzadvokaten, Werbetreibenden und Tracking-Unternehmen herrscht allerdings schon seit mehreren Jahren ein Konflikt, der in den vergangenen Monaten an Brisanz gewonnen hat. Befeuert wurde der Streit vor allem durch die Ankündigung von Microsoft, in der neuesten Version des Internet Explorers eine automatische Anti-Tracking-Funktion zu implementieren. Das würde bedeuten, das mehr als fünfzig Prozent aller Internetnutzer künftig keine Daten über ihr Verhalten im Web weitergeben würden.

Mittlerweile treffen sich die Beteiligten an Runden Tischen, die vom World Wide Web Consortium geleitet werden. Erste Ergebnisse der Diskussionen sollen im Frühjahr 2013 bekannt gegeben werden. Viel mehr als natürlich nicht bindende Verhaltensempfehlungen darf man sich jedoch wohl nicht erwarten. Schließlich ist das Gremium, das gerne als die Internet-UNO bezeichnet wird, in Sachen Exekutivmacht ähnlich miserabel ausgestattet wie das Vorbild in New York.

Private Initiativen sorgen für Datenschutz

Und so übernehmen es viele kleine und private Initiativen, für den Datenschutz zu sorgen. Mittels kleiner Browser-Add-Ons und Plug-Ins wird der User ermächtigt, selbst zu entscheiden, wer mitlesen darf und wer nicht. Nicht mehr ganz neu dabei in diesem Reigen ist die Organisation Privacychoice. Schon seit einiger Zeit bietet sie ein kleines Stück Software an, das mit einem Ranking von 0 bis 100 anzeigt, wie bedenklich die Datenschutzgepflogenheiten der jeweils besuchten Website wirklich sind. Sehr praktisch. Wer liest sich schon die AGBs und Richtlinien durch?

Mit einem neuen Tool namens privacyfix gehen die Datenwächter aber nun auch noch einen Schritt weiter. Hier wird den Nutzern direkt angezeigt, welche Facebook- und Google-Einstellungen bedenklich sind und, noch wichtiger, an welcher Stelle der oftmals labyrinthhaften Datenschutzoptionen man sie deaktivieren kann. Erste Nutzer berichten, dass Facebook die von ihnen bereits deaktivierten Funktionen nach einer Weile wieder anschaltet.

Facebook verdient mit einem Nutzer weniger als einen Dollar

Abseits von basalen moralischen Überlegungen - ist es nicht vollkommen legitim, für einen Dienst auch etwas zu verlangen? - geht es vor allem um die Frage, wie viel Geld wirklich mit den Daten der Netz-Nutzer verdient wird. Bislang sind diese Zahlen wohl gehütet. Privacyfix behilft sich bei der Antwort mit einem Blick auf die Profil-Aktivitäten des jeweils letzten halben Jahres, denen ein Schätzwert zugeordnet wird. Diese Hochrechnung ergibt dann die Einnahmen, die Facebook und Google durch den einzelnen Nutzer erzielt.

Die Ergebnisse sind dann aber eher ernüchternd: So lange man kein veritables Social-Network-Suchtproblem hat, belaufen sich die Einnahmen, die Facebook mit einem selbst erzielt auf etwas unter einem Dollar pro Jahr. Bei Google sieht die Sache schon anders aus. Wer ein gut vernetztes Profil besitzt, beschert dem Unternehmen mehrere hundert Dollar. Und auch die Suchfunktion ist immer noch profitabel. Etwa vierzehn Dollar Umsatz macht Google pro tausend Suchen. Und jeden Tag werden laut Eigeninformation mehrere Milliarden Anfragen gestellt.

Selbstbedienung bei Kundendaten

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