Neue Freunde finden oder daddeln? Eine Studie hat herausgefunden, was sich die Nutzer von Online-Communitys wirklich wünschen.
Benutzername, Passwort, Login. "Steffi L. hat heute Geburtstag!" Diese Nachricht empfängt Katharine, als sie sich in ihre Internetplattform einloggt. Schnell gruschelt sie ihre Freundin und schreibt ihr eine Nachricht. Ohne es anzusehen, schließt sie ein Pop-up-Fenster mit Werbung und ignoriert den Aufruf "Mach mit beim Gewinnspiel!". Dann checkt die Studentin noch kurz die Seiten ihrer Kommilitonen, Logout.
Nicht immer wissen die Macher, was Community-Nutzer tatsächlich wünschen. (© Foto: AFP)
Anzeige
So sieht der typische Besuch der Nutzer in ihren Online-Communitys aus, hat jetzt eine Studie der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg herausgefunden. Die Forscher um Professor Jens Böcker haben Plattformen analysiert und User befragt, wobei sie eine überraschende Entdeckung gemacht haben: "Es klafft eine große Lücke zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was die Plattformen anbieten", sagt Böcker. Während die Plattformen nämlich versuchen, durch immer neue Features wie Gewinnspiele, Vermittlungsprämien und Mini-Games zu punkten und sich von der Konkurrenz abzuheben, ist den Nutzern das alles egal.
Am meisten schätzen die User Funktionen wie die Erinnerung an Geburtstage von Freunden und sie wollen aktuelle Infos über Neuigkeiten bei ihren Freunden. Auch dass die Plattform kostenlos ist, ist wesentliches Kriterium ihrer Mitgliedschaft. "Was die Manager der Communities auch extrem überraschen dürfte, ist die Tatsache, dass die User gar keine neuen Freunde finden wollen, sondern nur bestehende Bekanntschaften aus dem realen Leben pflegen wollen", sagt Böcker.
Bevor sie eine neue Funktion anbieten, sollten sich die Anbieter auch überlegen, was die Nutzer davon haben könnten. "Wenn sie keinen klaren Nutzen für sich sehen, nehmen die User die Funktion nicht an." Davon betroffen sind zum Beispiel Gewinnspiele, Prämien für das Werben neuer Mitglieder oder Widgets. Trotzdem rät Böcker den Betreibern der Seiten nicht, all diese Funktionen jetzt abzuschaffen. "Bei den Widgets könnte es sein, dass die User noch anspringen", sagt er.
Eine Community sei eben kein Produkt wie jedes andere, das man im stilllem Kämmerchen entwickeln könne. "Es ist immer eine Beziehung zwischen Machern und Nutzern, die auf trial-and-error basiert. Aber das Schöne: Man bekommt schnell Feedback", erklärt Böcker.
Auf der nächsten Seite: Die Erfolgsfaktoren der Communitys
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Christopher Lee zum 90.
Manche Communities erfreuen Ihre Mitglieder sogar mit Öffnungszeiten, das kommt besonders gut an, denn es sorgt für mehr Qualität.