NSA-Skandal und die Folgen Google-Chef warnt vor dem Ende des Internets

Kritisiert die US-Regierung: Eric Schmidt

(Foto: AP)
  • Google-Chef Eric Schmidt kritisiert die NSA scharf: Nun warnt er sogar davor, dass das Internet zerbrechen könne.
  • Schmidt traf sich mit im Sommer mit Bundeskanzlerin Merkel.
  • Die amerikanischen Internetkonzerne sehen durch die Affäre ihr Geschäft bedroht. Bereits mehrfach äußerten sie harsche Kritik.

Schmidt warnt vor Folgen der NSA-Spionage

Google-Chef Eric Schmidt hat vor den Folgen der Internetspionage durch den US-Geheimdienst NSA gewarnt. "Am Ende droht das Internet zu zerbrechen", sagte Schmidt auf einer Podiumsdiskussion in Palo Alto. Die Kosten der Überwachung seien "groß" und die Folgen "schwerwiegend". Schmidt spielte mit seinen Äußerungen auf die Bestrebungen vieler Länder an, sich in Folge des NSA-Skandals unabhängiger von amerikanischen Firmen zu machen. Er erwähnte dabei auch die Entscheidung der deutschen Bundesregierung und des Bundetags, die Verträge mit dem amerikanischen Internetprovider Verizon zu kündigen. Die Menschen würden ihr Geld keiner Bank anvertrauen, der sie nicht trauen. So verhalte es sich auch mit persönlichen Daten. Wer Rechenzentren und Mobiltelefonen nicht vertraue, werde seine Daten nur widerwillig preisgeben, philosophierte Schmidt.

Treffen mit der Bundeskanzlerin im Sommer

Ganz nebenbei plauderte Schmidt auch ein Geheimnis aus: Als Beispiel für das fehlende Vertrauen führte Schmidt eine Episode eines Besuchs bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, der in diesem Sommer stattgefunden hat. Von einem solchen Treffen war bislang nichts bekannt. Die Kanzlerin habe ihm gezeigt, wo sie in Ostdeutschland aufgewachsen sei, sagte Schmidt. "Sie beschrieb den Überwachungsstaat, nahm ihr Telefon raus und sagte: 'Was tun die, wenn sie die Telefonate mit meiner Mutter abhören?'" Daran könne man erkennen, wie persönlich die Angelegenheit sei, sagte Schmidt. Eine Regierungssprecherin teilte mit, das Treffen habe am 18. Juni im Bundeskanzleramt stattgefunden. Schmidt sei Teilnehmer eines größeren Gesprächskreises aus Unternehmern beim Weltwirtschaftsforum gewesen. Eine weitere Begegnung mit Schmidt alleine oder im kleinen Kreis habe es nicht gegeben. Die Kanzlerin habe auch "keinerlei Erinnerung an eine irgendwie geartete Aussage hat, wie sie Herr Schmidt vorträgt".

Kritik auch von anderen Internetfirmen

An der Veranstaltung in Palo Alto nahmen neben dem Google-Chef auch Vertreter von Microsoft, Google, Facebook und Dropbox teil. Auch sie äußerten Sorgen wegens des Wunschs vieler Länder, Daten als Konsequenz der Spähaffäre auf lokalen Servern und nicht mehr in den USA speichern wollen. Die Idee, Server wichtiger Internetdienste auf heimischen Boden anzusiedeln, stehe in fundamentaler Opposition zum ursprünglichen Konzept des weltweiten Netzes, sagte etwa Colin Stretch, der die Rechtsabteilung von Facebook leitet. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion appellierten an die amerikanischen Gesetzgeber, mit den Spionagepraktiken der US-Geheimdienste aufzuräumen. Nur so könne das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in die US-Internetbranche zurückgewonnen werden.

Internetfirmen machen Druck auf US-Regierung

Die amerikanischen Internetkonzerne hatten sich schon früh gegen die Überwachungstätigkeiten ihrer eigenen Regierung gewandt. Mehrfach hatte es Treffen zwischen führenden Unternehmern und dem Weißen Haus gegeben. Auch der amerikanische Präsident Barack Obama hatte die Angelegenheit mehrfach persönlich mit der Branche besprochen. Schließlich hatte die US-Regierung den Unternehmen das Recht eingeräumt, etwas transparenter mit den Überwachungsmaßnahmen der Regierung umzugehen.