Neue Konsole So will Nintendo Spieler mit der Switch begeistern

Yoshiaki Koizumi, Vize-Planungschef von Nintendo, bei einer Präsentation der Switch in Tokio.

(Foto: REUTERS)

Die Switch ist mobiles Spielegerät und stationäre Konsole in einem. Damit soll sie sich von Playstation und Xbox abheben.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Nintendo hat das Video-Game neu erfunden. Für die Spielkonsole "Switch", die der einstige Game-Pionier am Freitag in Tokio vorstellte, gibt es Spiele, die ohne Bildschirm gespielt werden. Dort lässt sich dann bloß ablesen, wer gewonnen hat. Zwei Spieler können beispielsweise eine Kuh um die Wette melken oder sich im virtuellen Hotdog-Essen messen.

"Natürlich pflegen wir auch die herkömmlichen Videogames weiter, bei denen man allein oder zu Zweit vor dem Bildschirm sitzt", sagt Shinya Takahashi, der Planungs- und Entwicklungschef von Nintendo im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Aber wir halten diese Spiele ohne Bildschirm für einen wichtigen neuen Pfeiler, den die Switch exklusiv bietet." Sein Vize Yoshiaki Koizumi fügt hinzu: "Die Idee für Spiele, bei denen die Partner nicht nebeneinandersitzen und auf einen Bildschirm sehen, hatten wir schon lange. Und beim Rumprobieren haben wir gemerkt, wie viel intensiver das Erlebnis ist, wenn sich die Partner in die Augen schauen."

Während Video-Spiele bisher vor allem von Männern gespielt werden, hofft Nintendo, mit dieser neuen Spiele-Kategorie vermehrt Frauen zu gewinnen. Die Switch bietet aber auch herkömmliche Video-Spiele. Alte Bekannte kehren mit neuen Abenteuern zurück, Super Mario beispielsweise begibt sich auf eine Odyssee.

Die Switch will kein Hochleistungscomputer sein

Die Switch ist als Spielkonsole konzipiert, mit der man zuhause auf dem Fernseher spielt, dafür steckt die Switch in einer Basis-Station. Man kann sie aber auch wie ein Smartphone mitnehmen. Und übers Internet interaktiv spielen. Zur mobilen Nutzung steckt links und rechts eine sogenannte "Joy-Con" am Tablet. Diese Steuereinheiten, die losgelöst vom Tablet bequem in die Hand passen, funktionieren auch als Controller für die Spiele ohne Bildschirm. Sie enthalten je einen Beschleunigungs- und einen Gyrosensor für Richtungsänderungen.

Die Frage, ob es diese Modularbauweise erlaubt, künftig auch weitere Sensortypen für die Switch zu entwickeln, will Takahashi nicht beantworten. "Das ist sicher eine gute Idee", lacht er nur. Anders als bei solchen Präsentationen üblich, hat Nintendo in Tokio nicht versucht, die Switch als Hochleistungscomputer zu anzupreisen. "Nintendo begann als Spielkartenverlag, das steckt noch immer unserer DNA ", sagt Koizumi. Das 127 Jahre alte Haus aus Kyoto wolle eine Spielefirma sein, kein Gaming-Unternehmen. "Die Empathie ist wichtig". Wie Super-Mario strahlen viele Nintendo-Figuren einen Charme aus.

Bisher hat Nintendo nur mit geschlossenen Systemen gearbeitet - das ändert sich

Neu ist an der Switch auch die Programmier-Plattform. Bisher arbeitete Nintendo mit geschlossenen Systemen, für die Switch hat man auf offene Strukturen gesetzt, die es für verschiedene Betriebssystem gibt. Externe Spieleentwickler können dadurch leichter Anwendungen für die Switch entwickeln. Ein erstes Resultat ist, dass das populäre Video-Game "Fifa" schon bald für die Switch zur Verfügung stehen wird. "Fußball ist wichtig in Europa", schmunzelt Takahashi.

Im vergangenen Jahr hatte Nintendo mit der Smartphone-App "Pokemon Go", an der das Unternehmen jedoch nur eine Minderheitsbeteiligung besitzt, und mit "Super Mario Run" weltweit Schlagzeilen gemacht. Nun holt es sich mit der Switch die Aufmerksamkeit für die eigene Hardware zurück. Dennoch sieht Takahashi keine Konkurrenz zwischen dem Smartphone und der neuen Spielkonsole; sondern eher Zusatzeffekte, wenn beispielsweise die Figur Super Mario auf möglichst vielen Geräten rennt. "Wir haben die Switch während der Entwicklung anderen Programmieren gezeigt", erzählt er optimistisch: "Die waren sehr beeindruckt." Die Switch kommt am 3. März in den Handel.

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