Neues Yahoo-Logo Ein Luftsprung, ein ganz vorsichtiger

So sah das Logo bisher aus - und muss wohl in 30 Tagen auch am Firmenstandort weichen.

(Foto: REUTERS)

Zeit für Dummheiten: Yahoo gönnt sich nach 20 Jahren ein neues Logo und kann sich nicht so recht entscheiden. Einen Monat lang prangt täglich ein neuer Schriftzug auf der Seite - und am Ende soll es ein ganz anderer werden.

Von Varinia Bernau

Am Anfang war die Orientierung. Mitte der Neunzigerjahre entwickelt ein gewisser Chih-Yuan Yang, den alle nur Jerry rufen, einen Kompass für dieses neue unübersichtliche Universum namens Internet. Er nennt diesen Kompass Yahoo. Es ist eine Abkürzung mit einem Augenzwinkern. Sie steht für Yet Another Hierarchical Officious Oracle, übersetzt: noch ein hierarchisches übereifriges Orakel.

Fast 20 Jahre ist das her. In der digitalen Welt: eine Ewigkeit. Höchste Zeit, dass sich Yahoo, zumindest in den USA immer noch eine der meistgeklickten Internetseiten, eine Frischzellenkur verpasst. Und was macht so ein in die Jahre gekommenes Wesen, wenn es sich so richtig jugendlich geben will? Genau, es stellt Dummheiten an. Es reicht nicht, dass sich Yahoo in einem ähnlichen Anfall von Jugendwahn im Mai für etwas mehr als eine Milliarde Dollar schon diese hippe Blog-Plattform Tumblr einverleibt hat. Nun macht der Konzern etwas ganz Verrücktes: Er stiftet Verwirrung.

Auf der Internetseite von Yahoo steht nun also ein neues Logo. Aber das ist nicht das neue Logo. Schon morgen wird dort nämlich ein anderes Logo stehen. 30 Tage lang soll das so gehen. Und am Ende verrät Yahoo, wie das neue Logo denn letztlich aussehen wird.

Der erste Eindruck, immerhin, er beruhigt einen dann doch. Yahoos Verjüngung hat wenig von einer Dame, die pünktlich zum 50. Geburtstag zu bauchfreien Tops und bunten Strähnchen im Haar greift. Yahoos Logo ist immer noch lila. Und es hat noch immer ein Ausrufezeichen. Die Buchstaben sind aber etwas schlanker. Das Y, das A, das H und sogar das erste O zeigen nun Disziplin. Sie stehen allesamt auf der gleichen Höhe. Nur das letzte O wagt einen Luftsprung. Und auch wirklich nur einen ganz vorsichtigen Luftsprung.

Weniger Spielkram, mehr Sachlichkeit. Yahoo macht es ganz genauso wie ein anderer digitaler Dinosaurier, der sich im vergangenen Jahr bereits ein neues Logo verpasst hat: Ebay. Auch dort sind die Buchstaben schlanker und dürfen nicht mehr hüpfen. Als wollte der Konzern seinem Logo jenen Spaß wieder austreiben, den ihm drei Designer vor 15 Jahren eigens eingehaucht hatten. Damals war Ebay noch eine Internetseite in schwarz-weiß. Den Streifen am oberen Rand, den nannten sie intern den Balken des Todes. Düstere Zeiten waren das. Zeiten, die wir überwunden glaubten.

Und nun? Auf einmal geben sich alle ganz asketisch. Was kommt als nächstes? Wird Google unter seiner Suchmaschine, dort, wo pünktlich zu Karneval auf dem zweiten O eine rote Pappnase prangt, die Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler zeigen, wenn der nächste EU-Krisengipfel ansteht? Ersetzt Twitter sein Vögelchen durch einen Presslufthammer? Fordert Facebook von seinen Mitgliedern Profilbilder ohne ein einziges Lächeln - wie im biometrischen Reisepass?

Aber Yahoo hat ja noch 29 Tage und 29 Entwürfe Raum für etwas mehr Spaß.