Neues Smartphone vorgestellt Apples iPhone-Revolution ist vorerst vorbei

Größer, dünner, leichter - und ohne große Überraschungen: Apple präsentiert das iPhone 5 und verzichtet dabei auf revolutionäre Neuerungen. Die Produkt-Show zeigt, dass der Vorsprung vor der Konkurrenz von Samsung und Co. längst dahingeschmolzen ist. Ein Verkaufshit dürfte das neue iPhone dennoch werden.

Von Mirjam Hauck, Johannes Kuhn und Pascal Paukner

Am Ende gab es doch das "One more thing", die Überraschung, mit der niemand gerechnet hatte: Als Apple-Chef Tim Cook die gut 100 Minuten lange Produktpräsentation mit einer Lobeshymne auf seine Mitarbeiter schloss, enterten die Foo Fighters die Bühne, um Akustikversionen einiger ihrer Hits zu spielen.

So sieht das neue iPhone aus

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Eine Rockband also, kein bahnbrechendes neues Gerät. Oder hatte es Cook bereits vorgestellt? Mit den Worten "die größten Dinge, die dem iPhone seit dem iPhone passiert sind" hatte er zuvor das iPhone 5 angekündigt. Doch das, was sein Marketingchef Phil Schiller im Yerba Buena Center for Arts in San Francisco präsentierte, kam vielen Apple-Fans und Branchenbeobachtern allerdings bekannt vor - auch ohne in Kneipen verlustig gegangene Prototypen bestätigten sich viele Gerüchte aus dem Vorfeld.

Die sichtbarste Änderung ist das Design des Geräts: Das iPhone 5 behält zwar seine Grundform, wird aber länger, schmaler und leichter. Nur noch 7,6 Millimeter dick ist es, 112 Gramm schwer und damit jeweils um etwa ein Fünftel leichter und dünner als das bisherige Spitzenmodell. Das Display ist mit vier Zoll größer als das des iPhone 4S (3,5 Zoll). An den Gehäusematerialien Glas und Aluminium ändert sich nichts, wobei die Rückseite nicht mehr nur einzig aus Glas besteht und damit stabiler sein dürfte. Der Dock Connector, also der Anschluss am unteren Ende, wird kleiner und schneller - ein Adapter soll hier für diverse Zubehörgeräte Abhilfe schaffen. Der kostet allerdings in den USA 29 Dollar (für Deutschland sind, wie für alle vorgestellten Produkte, noch keine Preise bekannt).

Schnellerer Chip, LTE-Unterstützung

Die Pixeldichte bleibt trotz Änderung der Auflösung gleich. Apple hat seine Apps an das breitere Display angepasst, wer ältere Mini-Programme startet, muss noch mit einem schwarzen Balken am Rand leben.

Die äußerlich unsichtbaren Änderungen sind die spannenderen: Apple hat in sein Gerät den Chip A6 verbaut, der das Smartphone doppelt so schnell wie den Vorgänger machen soll. Das iPhone 5 unterstützt den neuen Mobilfunkstandard LTE - auch in Deutschland, allerdings zunächst offenbar nur im Netz der Telekom. Die Kamera soll schnellere Reaktionszeiten und bessere Bilder bei schlechten Lichtverhältnissen liefern, die Akku-Laufzeit soll sich auf 225 Stunden im Ruhe- und acht Stunden im Surf-Betrieb verlängern. Auch in Sachen Sprachqualität hat Apple mit drei Mikrofonen und einer Technologie namens Wideband Audio nachgebessert.

So weit, so gut. Doch ist das für Apple-Verhältnisse gut genug? Als das Unternehmen 2007 das erste iPhone vorstellte, revolutionierte der Konzern den Handy-Markt. Während die Konkurrenz in den folgenden Jahren versuchte, Steve Jobs nachzueifern, gelang es der Firma aus Cupertino stets, den Vorsprung auszubauen. Ein neues iPhone bedeutete in der Wahrnehmung vieler potentieller Kunden: das Smartphone der Gegenwart und vor allem der Zukunft.

Die Smartphone-Revolution stößt an Grenzen

Die Präsentation des iPhone 5 vermittelt den Eindruck, dass Apple seinen unangefochtenen Vorreiter-Status erst einmal verloren hat und die Konkurrenz von Samsung und Co. inzwischen in vielen Punkten gleichauf ist.

Das liegt allerdings auch daran, dass die Smartphone-Revolution derzeit an ihre ersten Grenzen stößt. Welche neuen Funktionen, Sensoren oder Chips den nächsten Innovationssprung darstellen, weiß niemand. Die NFC-Nahfeldtechnologie, die das kontaktlose Bezahlen ermöglicht, gehört für Apple aufgrund der bisher spärlichen Anwendungen offenbar nicht dazu - beim iPhone 5 verzichtet man vorerst weiterhin darauf.

Zumindest bei der weltweiten LTE-Integration, die aufgrund der unterschiedlichen Standards in den vielen Regionen nicht einfach war, zeigt sich Apple als Vorreiter. Der neue Mobilfunkstandard ist zwar noch lange nicht flächendeckend eingeführt, doch die LTE-Fähigkeit dürfte bald Standard bei allen Smartphones sein.

Das iPhone ist keine Avantgarde mehr

Ob das die Kunden überzeugt, sich das neue iPhone zuzulegen? Am Ende lautet die Antwort in vielen Fällen womöglich: ja. Teurer wird das iPhone jedoch. Knapp 680 Euro führt der Apple Store als Einstiegspreis für das 16er-Modell auf statt zuvor knapp 630 Euro beim iPhone 4S. Wie sich das auf die Preise bei Vertragsabschluss niederschlägt, bleibt abzuwarten.

Die Preisspanne beim iPhone 4S liegt zwischen 579 Euro bis 849 Euro, das Vorgängermodell selbst wird billiger - und dürfte damit dazu beitragen, dass Apple im Weihnachtsgeschäft aufgrund der immer noch äußerst hohen Gewinnspannen kräftig verdient.

Dass man mit einem iPhone nicht mehr zur absoluten digitalen Avantgarde zählt und Apple-Fans weiter vergeblich auf das "One More Thing" warten müssen, das die alte Magie wiederbringt, werden viele Kunden verkraften.

Das zeigt auch der iPod, der MP3-Player, den Apple allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin produziert und aktualisiert. Der hat sich inzwischen 300 Millionen Mal verkauft, obwohl Smartphones längst seine Funktionen integriert haben. Am Mittwoch stellte Apple folgerichtig auch zwei neue Versionen von iPod Touch und iPod nano vor.