Google späht Internet-Spieler intensiv aus. Wer viel spricht, könnte bald Handy-Werbung eingeblendet bekommen. Von Datenschutz ist in dem Patent keine Rede.
Irgendwo in den USA, im Jahr 2009: Die Programmierer haben ihn wieder einmal gut versteckt, den Weg zur nächsten Spielstufe. Stunden um Stunden lenkt der junge Mann am PC seine virtuelle Figur auf immer neue Pfade, tauscht übers Internet Kurzbotschaften mit anderen Spielern aus. Da leuchtet am Weg plötzlich eine Tafel auf: Werbung für einen Pizzalieferdienst in seiner Stadt. Zufall?
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Keineswegs. Das Szenario entstammt dem Patent mit der Kennziffer WO2007041371, das die Suchmaschinen-Firma Google im April hat registrieren lassen. Es beschreibt eine Methode, wie das Verhalten von Computerspielern künftig dazu benutzt werden könnte, die in Spielen geschaltete Werbung zielgenauer zu adressieren als bisher möglich.
Spiele zu entwickeln ist wegen der gestiegenen Erwartung der weltweiten Computer-Zocker sehr teuer geworden. Für die Erfolgstitel des Genres fallen schnell zehn Millionen Dollar und mehr an. Schon lange sind die Hersteller deshalb dazu übergegangen, etwa Bandenwerbung in Fußball-Simulationen oder Autorennspielen an Firmen aus dem richtigen Leben zu verkaufen.
Doch Anzeigen wie diese sind statisch und damit für jeden Benutzer des Spieles gleich. Googles Idee geht erheblich weiter. Um dem Spieler zielgenaue Anzeigen direkt ins Spiel hinein zu liefern, soll aufgezeichnet werden, wie lange er spielt und was genau er dabei tut.
"Benutzer, die viel Zeit damit verbringen sich zu unterhalten anstatt zu kämpfen (...) legen nahe, dass sie gerne schwatzen, das System könnte ihnen daher Anzeigen für Handys zeigen", heißt es in der Patentschrift. Spieler, die lieber Gegenstände einhandelten als zu stehlen, oder die eher impulsiv als überlegt handelten, zeigten damit ein bestimmtes psychologisches Profil, auf das mit geeigneten Anzeigen reagiert werden könnte.
Schon jetzt sammeln Google, aber auch andere Unternehmen, im großen Stil Daten ihrer Benutzer. Um etwa Anwendern des E-Mail-Dienstes Google Mail zielgruppengenaue Werbung auf den Bildschirm zu bringen, werden die Texte der Mails nach Stichworten durchkämmt.
Der Hobbyfischer, der sich mit seinen Freunden per E-Mail über seine Passion austauscht, bekommt dann Werbung für Anglerzubehör eingeblendet.
Zwar heißt es bei Google, das Patent sei nur eines von vielen, die man jeden Monat registrieren lasse. Aber vor kurzem hat die Internetfirma ein Unternehmen namens AdScape gekauft, das sein Geld mit Anzeigen in Spielen verdient. Der Markt für Spiele ist riesig, allein in den USA wurden nach Angaben eines US-Branchenverbandes im ersten Quartal 2007 mit Spielecomputern und der passenden Software 3,3 Milliarden Dollar umgesetzt.
Den weltweiten Markt für Anzeigen in Spielen schätzen Experten auf 500 Millionen Dollar pro Jahr, Tendenz steigend. Und immer mehr dieser Spiele kann man übers Internet auch mit Partnern zusammen spielen - wenn nicht das Spielprinzip ohnehin den Online-Zugang zwingend voraussetzt, wie etwa bei der Lebenssimulation Second Life.
Von Datenschutz ist in der sehr ausführlichen Patentschrift an keiner Stelle die Rede. Kritik an der Sammelwut der milliardenschweren Firma aber gibt es längst.
"Zu viele Informationen über uns alle gelangen in die Hände eines einzigen Unternehmens - nämlich die von Google", sagte kürzlich Jeff Chester, Leiter der amerikanischen Datenschutzorganisation Center for Digital Democracy. Da kannte er Googles neueste Idee noch gar nicht.
(SZ vom 15.5.2007)
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