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Apples neues Betriebssystem "Mountain Lion": Wieso kommt 10.8 wohl ausgerechnet ein paar Wochen vor Windows 8? (© AP)
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Zwei Dinge vorweg: Ja, ich besitze und nutze Apple-Geräte. Mit Freude. Aber manchmal scheint eben auch bei einem Apple-Jünger der gesunde Menschenverstand durch, und deshalb zweitens: Dieser Beitrag wird eher subjektiv.
Sehr subjektiv sogar, mehr als jeder meiner journalistischen Beiträge zuvor. Jemals.
Am Donnerstag spielte plötzlich die Welt verrückt, zumindest der technikaffine Teil. Auf allen Kanälen im Netz gab es nur noch ein Thema: Unerwartet hat Apple-Chef Tim Cook für Sommer die Ankunft von Mac OS 10.8 verkündet, der neuesten Version des Mac-Betriebssytems.
Unerwartet allerdings in einem ganz eigenen Sinne. Bei allen Produktstarts des Hauses ist nämlich vorab nichts zu erfahren. Das ist ganz normal und sogar gewollt. Nur steckt die Presseabteilung sonst stets Apple-freundlichen Medien kleine Info-Häppchen zu, am häufigsten dem Wall Street Journal. So befeuert das Unternehmen die Gerüchteküche. Hunderte Webseiten käuen solche Häppchen wieder.
Aus "guter Quelle"
Beispiel gefällig? Tausende Male findet sich die Meldung im Internet, dass das iPad 3 Anfang März erscheinen wird. Das Blog AllthingsD vom Wall Street Journal hat das aus "guter Quelle" erfahren. Sonst niemand. Alle anderen haben abgekupfert.
Wer sich für den PR-Mechanismus von Apple interessiert, dem sei ein Blick auf den Beitrag von Adam Lashinsky empfohlen. Der Journalist hat in und um Apple herum recherchiert. "Millionen von Dollar" sei die Aufregung rund um einen Produktstart dem US-Konzern wert, zitiert er eine Mitarbeiterin. Auch weil sich so Werbekosten senken lassen.
Wie perfide die Apple-PR-Maschinerie arbeitet, lässt sich auch dem diese Woche mit viel Wut geschriebenen Blog-Beitrag von Jason O'Grady entnehmen. Im Konzernsinne gute Journalisten, also unkritische, werden mit Informationen versorgt, hat O'Grady festgestellt. Alle anderen werden gemieden, so wie er.
In Deutschland läuft das nicht viel anders. Positive, unkritische Berichterstattung kommt an bei Apple. Quer durch das Netz findet sich am Donnerstag unreflektiert das Zitat eines ungenannten Apple-Sprechers: "Wir haben so viele Innovationen auf Lager, dass wir die Vorstellung eines neuen Systems nicht künstlich nach hinten verschieben wollen."
Uff!
Wie soll man sich das vorstellen? Angespornt vom frühen Tod des Apple-Mitgründers und Technik-Visionärs Steve Jobs im Herbst machen sich die Apple-Mitarbeiter weltweit wieder an die Arbeit. Sie sprühen in den vergangenen Monaten vor Ideen, ja vor Innovationsgeist.
Unfug!
Eine Innovation, das ist ganz offiziell laut Wikipedia eine "Neuerung", nicht mehr, nicht weniger. Hundert sollen es sein im neuen Betriebssystem, herausgegriffen werden von Apple vor allem vier.
Also schauen wir uns die wichtigsten Neuerungen bei OS 10.8 einmal an:
[] Messages. Wird schon lange mit OS X ausgeliefert, heißt im Moment nur anders: iChat. Fertig.
[] Notification Center. Gibt es wirklich einen Apple-Nutzer, der sich die Software Growl noch nicht installiert hat oder sie zumindest nicht kennt? Mit Notification Center raubt Apple den Growl-Entwicklern die Existenzgrundlage. Wunderbar. So macht das Programmieren von guter Software für Macs wirklich Freude.
[] iCloud. Endlich soll funktionieren, was Apple mit Mobile Me schon vor Jahren versprochen hat. Und Mobile Me war auch schon ein Nachfolgedienst von .Mac. Welch' Neuerung.
[] Gatekeeper. Hier nun platzt mir endgültig der Kragen, wie unkritisch die "revolutionäre neue Sicherheitsfunktion", so Apple, in den Meldungen zum neuen System wiedergekäut wird. "Für ein Höchstmaß an Sicherheit kann Gatekeeper so eingestellt werden, dass einzig der Download und die Installation von Anwendungen aus dem Mac App Store erlaubt wird." Wow ... "Für ein Höchstmaß an Umsätzen für Apple", so müsste es richtig heißen in der Pressemitteilung.
Der Mac App Store steht ein Jahr nach dem Start noch immer im Schatten des App Stores für iPhone, iPod Touch oder iPad. Der Gatekeeper könnte dafür sorgen, dass die Erlöse jetzt endlich fließen, vor allem für Apple, weil das Unternehmen bei jedem verkauften Programm 30 Prozent des Umsatzes einbehält. Diese neue Funktion ist wahrlich ein Pförtner, aber einer der die Apple-Kunden endgültig daran hindert, den goldenen Käfig zu verlassen, in den sich so viele freiwillig begeben. (Ich auch, ist ja so schön gemütlich drinnen.)
Der Werbespot "1984" von Apple ist legendär. Anfang der 80er wurde darin IBM als Big Brother beschrieben. Ein Moloch, der die Freiheit der Kunden beschränkt. Heute sitzt der Gatekeeper auf der anderen Seite.
Der Schritt zu 10.7 war schon bei ungewöhnlich vielen Mac-Anwendern umstritten, man muss nur auf die kritischen Bewertungen im offiziellen Mac App Store schauen. Den Umstieg auf 10.8 muss nun wirklich niemand wagen.
Es geht ja auch gar nicht um Innovationen. Wichtig für Apple ist es, Microsoft im Herbst die Schau zu stehlen. Wieso kommt 10.8 wohl ausgerechnet im Sommer? Ein paar Wochen vor Windows 8?
Ich bin nicht innovationsfeindlich, mich begeistert neue Technik. Apple finde ich toll, das Arbeiten mit den Geräten und der Software macht Spaß. Auch ich hänge mit mindestens einem Bein im goldenen Käfig (am anderen Bein hält mich die Fußfessel von Google).
CUI CUI CUI
Aber: Ich will als Kunde nicht unter dem Kleinkrieg von zwei Großkonzernen leiden. Gebt mir neue Software, wenn ihr mir was Neues zu bieten habt. Ich habe Besseres zu tun, als meine Abende mit der Installation von Betriebssystemen zu verbringen, und dann zu merken, dass wichtige Programme nicht mehr laufen -- oder gleich alles abstürzt. CUI CUI CUI
Macht erst einmal das gut, was es schon gibt, bevor Ihr im Volk neue, unreife Bananen verteilt. Dann mag ich Euch auch wieder.
In den Kommentaren zu diesem Text werden mir die Apple-Fans die Pest an den Hals wünschen. Hey, ihr Microsoft-Verfechter, ihr habt es keinen Deut besser getroffen. Aber alles kein Problem, das kenne ich, nur eine Bitte: Wenigstens einen Kommentar wünsche ich mir von einem Apple-Nutzer, der trotz aller Liebe kritikfähig geblieben ist. Nur einen. Bitte ...
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(Süddeutsche.de/joku)
Christopher Lee zum 90.
Hallo Herr Riedl, auch mir hat der Artikel sehr gut gefallen; bin darauf gestoßen, weil ich gerade mal wieder anlässlich des neuen iPads auch hinter das Geheimnis des immer wieder kehrenden Apple-Hypes kommen möchte. Ja, ja, ja, ich stimme Ihnen mit jedem Wort zu, GERADE weil ich ein begeisterter Mac-Jünger bin und - egal was sich Blogger und andere Expteren über das iPad 3 (oder iPad 2 HD oder oder oder) zusammendichten - das neue Tablet wird auch in meine Sammlung übergehen. Warum? Weil ich es brauchen will. Da war Apple ja schon vor längerer Zeit ehrlich genug, das zu sagen: "Apple macht Dinge die du brauchen WILLST". Da hört doch die technische Komponente schon auf. Bei Apple-Werbung wird die Logik total ausgeschaltet, der Verstand nach hinten gedrängt, angesprochen wird die andere Gehirnhälfte, die in großen pumpenden Lettern sagt: Oh Gott, wie schön, ich will das haben, weil es so schön ist.
Und ich habe einen Haufen Kritik an der ganzen Apple-Politik. Allein schon diese Diktatur, der man sich unterwirft, wenn man einmal damit angefangen hat. Keine Musik mehr ohne iTunes, keine Fotos mehr ohne iPhoto usw? Meine Güte, das ist alles schwierig. Kein Datenaustausch über Bluetooth. Bockmist. Das System funktioniert einfach nicht, solange die Apple-Gemeinde neben der viel größeren Windows-Gemeinde lebt. (Die Weltherrschaft wird eh an Herrn Zuckerbeg gehen und nicht an Herrn Cook).
Und dann die hier im Thread auch schon erwähnten Schwierigkeiten, mit einem iPhone vernünftig zu telefonieren. Nicht zu vergessen die Arbeitsbedingungen bei Foxconn, aber damit ist Apple ja nicht alleine.
Also, Herr Riedl, Sie sehen, Sie haben mehr Mitstreiter, als Sie vielleicht beim Verfassen ihres Artikels dachten. Weiter so, ich bleibe auch am Ball. Bin gespannt auf das neue iPad.
Hoppla - offensichtlich ist Apple jetzt da angekommen, wo Microsoft schon lange ist. Verwunderlich? Nein, Ich muss seit langem müde lächeln, wenn ich diese gängige Berichterstattung verfolge, in der es um die "Konkurrenz" der Beiden geht - ist es eigentlich der ganzen Digital-Presse entgangen, dass Microsoft ca. 25% der Apple-Aktien hält? Meine Empfehlung: Ab und an den Wirtschaftsteil lesen! Sorry, ich schweife ab: netter Artikel - kann das Fazit sehr gut verstehen. MFG
Da hat er wohl recht, der Herr Riedl. Ein eigenes Beispiel gefällig? Ich besitze ein Iphone 3GS. Es kann viel, aber was es nicht kann ist Telefonieren. Kein Witz, das smarte Teil unterbricht Gespräche nach einem nicht erkennbaren Muster. Einfach so. Und sehr, sehr häufig.
Ich höre schon die vielen Ratschläge: Softwareupdate! Werkseinstellungen zurücksetzen! Blabla! Alles gemacht. Nutzt nichts. Aber es gibt eine Lösung: Ich habe immer mein altes Nokia 5110 dabei. Kennt das noch einer? Das mit der Stummelantenne. Kein Smartphone, aber ein Phone im ursprünglichen Sinne ebeb. Man kann zuverlässig telefonieren.
Und das kann das Iphone nicht - es ist eher I als Phone.
Apple geht es gut, aber das war bei Nokia auch mal so. Wir erwarten gespannt den Absturz.
Sie sprechen mir aus der Seele! Vielen Apple-Jüngern (bin ich schon einer, wenn ich einen Apple nutze?) ist nicht ganz klar, das die alte Piraten-Firma "Apple-Computer" nicht mehr existiert. Sie haben sich selbst in "Apple" umbenannt und vermutlich zwecks Wachstum in Richtung Consumer ausgerichtet. Daran war Steve Jobs sicher nicht unbeteiligt! Bis zu seinem ersten Rauswurf war Apple das, was die meisten Jünger heute immer noch von Apple erwarten. Nach seiner Rückkehr aber war klar, dass die Firma einen anderen Weg gehen musste. Man hat es getan und einen beispiellosen Erfolg damit gehabt.
Wenn man nun bemängelt, dass das Apple-Imperium sich abschottet so ist das eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits haben sie damit großen Erfolg und die Möglichkeit, Hard- und Software besser als der Gegenentwurf dazu (Microsoft, Linux) aufeinander abstimmen zu können. Bislang (meiner Meinung nach bis Snow-Leopard) funktionierte das auch noch recht gut. Ich habe aber zunehmend den Eindruck, dass ein gewisser Schlendrian nun auch bei Apple Einzug gehalten hat (daher auch das völlig überflüssige Antenna-Gate-Problem). Wo man früher gefeilt und neu abgestimmt hat, wird heute "auf den Markt geworfen". So verhalten sich die meisten anderen Konsumerfirmen auch. Möglicherweise kommt man aber anders nicht zu noch mehr Wachstum. Das will man aber wohl. Warum aber? Apple hätte es meiner Meinung nach nicht nötig gehabt diesen Weg einzuschlagen und würde dann wahrscheinlich trotzdem nicht untergehen.
Selbst ziemlich unzufrieden mit OS-X Lion bleibt mir nur übrig auf Snow-Leopard zurückzufahren und die weiteren Innovationen nicht mitmachen zu können oder aber zu hoffen, dass OS-X 10.8 wieder richtig rund läuft. Vermutlich denken viele so, schweigen und warten wie ich auch erst mal ab. Sollte das aber schief gehen, dann bekommt der momentane Aktienboom von AAPL sicher eine dicke Beule. Irgendwie hört Apple nicht mehr so recht auf seine "Jünger". Das wäre aber sehr schade, denn dann werden sie irgendwann durchschnittlich werden müssen. Gerade das erwarten die meisten Apple-Nutzer nicht!
Hallo Herr Riedl.
Ich selber habe auf meinem Blog einen ähnlichen Artikel diesbezüglich geschrieben. Der hatte aber mehr das Thema iPhone 5 und die Verbreitung von angeblichen "Nachrichten" zum kommenden iPhone.
Ich habe mir erlaubt auf meinem Blog auf diesem Artikel hier zu verlinken, was hoffentlich o.k. ist:
http://www.homawida.de/2012/02/20/aus-dem-herzen-gesprochen-apple-hype-der-auf-den-geist-geht/
Sie haben mit ihren Worten mir aus dem Herzen gesprochen! Danke!!
Gruss
homawida
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