Neues Smartphone iPhone 4S macht Apple zum Getriebenen

Apple enttäuscht seine Kunden. Statt des iPhone 5 bringt der IT-Gigant nur eine schnellere Version des iPhone 4 auf den Markt. Erstmals deutet sich an, was lange Zeit für unmöglich gehalten wurde - das Ende der Apple-Erfolgssträhne.

Von Thorsten Riedl und Helmut Martin-Jung, London

15 Monate können lang sein. In der Mobilfunkbranche sind sie eine kleine Ewigkeit. Und doch hat sich Apple so lange Zeit gelassen, um seine iPhone-Produktpalette aufzufrischen.

Das neue, alte iPhone

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Entsprechend hoch waren die Erwartungen, doch was Marketing-Chef Phil Schiller am Dienstagabend deutscher Zeit präsentierte, ist gemessen daran eher enttäuschend. Nicht mit einem evolutionären iPhone 5 will Apple der zunehmenden Konkurrenz begegnen, sondern nur mit einer aufgebohrten Version des bisherigen iPhones 4, dem iPhone 4S.

Der neue Chef Tim Cook, der langsam und bedächtig sprach, aber kaum Begeisterung zu entfachen vermochte, übernahm die Einleitung und die Moderation, überließ es aber dem lebhafteren Schiller, das neue iPhone vorstellen. "Lasst euch nicht täuschen", sagte Schiller, "innen drin hat sich viel geändert."

Der Hinweis ist durchaus angebracht, vielen Spekulationen zum Trotz ist das iPhone 4S äußerlich kaum vom Vorgängermodell zu unterscheiden, enthält aber den vom iPad 2 bekannten leistungsstarken Prozessor sowie eine deutlich bessere Kamera.

Die höchste Gewinnspanne, doch wie lange noch?

Die Zeiten sind vorbei, in denen der Technikkonzern aus dem kalifornischen Cupertino die Handy-Branche vor sich hertreiben konnte. Die Allianz um den Rivalen Google verkauft inzwischen mehr Mobiltelefone als Apple. Wenn das neue Handy nicht ankommt, könnte die Erfolgssträhne von Apple sich dem Ende zuneigen.

Dafür könnte auch die neue Preispolitik sorgen. Das bisherige Flaggschiff iPhone 4 gibt es jetzt billiger und enen auch noch das 3GS. Apple mischt nun auch im mittleren Preissegment mit. Die deutschen Preise wurden noch nicht offiziell genannt, erfahrungsgemäß orientieren sie sich aber an denen der US-Versionen.

Apple-Mitgründer Steve Jobs hat zu Gold gemacht, was er anfasste. Der König Midas der IT-Branche hat den Musikspieler mit dem iPod neu erfunden, das Handy mit dem iPhone und den Tabletcomputer mit dem iPad.

Die Basis für den Ausflug in neue Felder war das Geschäft mit Computern, die Apple nun seit 35 Jahren herstellt. Zwar kommt Apple in Westeuropa noch immer gerade mal auf einen Marktanteil von sieben Prozent, der steigt aber stetig. In den USA liegt er schon bei knapp einem Viertel. Und der Konzern hat mit Abstand die höchste Gewinnspanne in der Branche.

Doch Jobs hat sich zurückgezogen. Er könne die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden nicht mehr wahrnehmen, erklärte er Ende August. Seine Krebserkrankung hindert ihn. Tim Cook übernahm. Er ist bereits seit 14 Jahren bei Apple-Veteran, arbeitete bislang aber eher im Hintergrund, wenn auch sehr effektiv. Produktvorstellungen von Jobs umgab die Atmosphäre des Magiers. Cook gilt als Mann der Praxis, und das zeigte sich auch bei seiner Präsentation. Sie war nüchtern, seine Strategie ist es auch.

Das iPhone gehorcht dem Besitzer

Mit dem neuen Gerät setzt Apple nicht auf eine spektakuläre Hardware, sondern auf die Integration seiner zahlreichen Dienste, mit dem neuen sprachgesteuerten Assistenten Siri als Tüpferl auf dem i. "Zeige mir eine romantische Pizzeria in der Nähe des Büros" - dank Spracherkennung und künstlicher Intelligenz gehorcht das Handy dem Besitzer aufs Wort.

Der digitale Butler Siri funktioniert auch auf Deutsch, der Stand der Software ist Beta, sie läuft aber schon erstaunlich gut, wie sich bei einem kurzen hands-on zeigt. Nur die Anbindung an die Faktensuchmaschine Wolfram Alpha, mit der die US-Version brilliert, funktioniert nicht. Wie bei ähnlichen Diensten von Google werden für die rechenintensive Spracherkennung und - interpretation Rechenzentren genutzt, der Butler braucht also eine Datenverbindung über wlan oder UMTS.

Apple hat sich das dafür nötige Wissen durch Übernahme des Startups Siri im vergangenen Jahr für 200 Millionen Dollar gesichert.

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