Neuer Streaming-Dienst "Music Key" Warum Youtube jetzt Spotify nachahmt

Youtube-Nutzer können künftig gegen Geld Musikvideos offline und ohne Werbung konsumieren. Was hat es damit auf sich? Warum gibt es "Youtube Music Key" nicht in Deutschland? Und was ist mit dem neuen Album von Taylor Swift? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Google hat den Start eines Musikstreaming-Dienstes für Youtube angekündigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Youtube? Musikstreaming? Habe ich etwas verpasst?

Ungefähr die vergangenen vier bis fünf Jahre, aber das macht nichts. Kurzfassung: Viele Menschen (laut Eigentümer Google etwa eine Milliarde pro Monat) besuchen Youtube, viele davon hören dort Musik, weil inzwischen viele Songs auf dem Portal zu finden sind. Nicht nur im Original, sondern auch in Live-Versionen, als Gitarren-Cover von Teenagern oder mit einem niedlichen Katzenvideo unterlegt. Google will von dieser Auswahl nun profitieren und startet Youtube Music Key.

Was kann der Dienst?

Youtube verwandelt sich für Abonnenten in einen Musikplayer. Bezahlkunden müssen bei offiziellen Videos zu Songs keine Werbeclips mehr erdulden, in der Mobilversion können Youtube-Musiktitel nun offline abgespielt werden und im Hintergrund während der Benutzung anderer Apps laufen - genau wie bei anderen Streaming-Diensten auch. Zudem ergänzt Google die bislang fehlenden Songs und legt Künstlerprofile, auf denen alle verfügbaren Lieder anwählbar sind. Auch das: Streaming-Standard.

Ich habe gerade eine Doppelhaushälfte in Ottobrunn gekauft, kann ich mir den Dienst leisten?

Angesichts der gegenwärtigen Immobilienpreise: Nein. Aber die Entscheidung hat auch noch etwas Zeit, der Dienst ist in Deutschland noch nicht verfügbar, sondern in den USA und EU-Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Finnland. US-Nutzer zahlen 9,99 US-Dollar, entspricht dem des Premium-Angebot des Konkurrenten Spotify; bislang ist Music Key allerdings auch dort nur mit Einladung nutzbar, dann aber für sechs Monate kostenlos und danach für ermäßigte 7,99 Dollar. Einladungen erhalten nur Vielnutzer.

Music Key kommt nicht nach Deutschland = die Gema ist schuld. Richtig?

Der Streit zwischen Youtube-Besitzer Google und der Verwertungsgesellschaft Gema läuft schon seit Jahren. Die Schuldfrage zu klären ist ungefähr so schwierig, wie nach einer Kneipenschlägerei zwischen Hells Angels und Bandidos zu ermitteln, wer angefangen hat. Fakt ist: Angesichts der Masse von gesperrten Musikvideos wäre ein Youtube-Streamingdienst schlicht unmöglich umzusetzen. Auch bei den Verhandlungen mit den internationalen Labels konnte sich Google erst vor kurzem mit dem Indie-Musikverwerter Merlin einigen, nachdem das Unternehmen gedroht hatte, Videos von bekannten Künstlern wie den Arctic Monkeys und Adele zu entfernen.

Ich bin einer der fünf Menschen auf dieser Welt, die bereits Songs über die Flatrate "Google Play Music All Access" streamen. Was passiert nun?

Wer ein Youtube-Abo abschließt, erhält den Zugang zu Google Play Music (das sich künftig das "All Acess" im Namen spart), genauso ist es andersrum - vorausgesetzt, beide Dienst werden in dem entsprechenden Land angeboten. Warum Google zwei ähnliche Musik-Services im Portfolio hat, weiß wie bei den TV-Streaming-Geschwistern Android TV und Chromecast niemand. Womöglich hat CEO Larry Page einen bösen Zwilling, der im Unternehmen erfolgreich die Abteilung für innovative Geldverbrennung leitet.

Ich bin morgen auf der Party eines Berliner Hundefutter-Start-ups eingeladen. Was muss ich sagen, um mit meinem Wissen über den Streaming-Markt zu glänzen?

"Das ist ziemlich unangenehm für Spotify."

Wahr: Das schwedische Unternehmen hat 12,5 Millionen zahlender Abonnenten, ist aber noch nicht profitabel. Nun kommt nach Pandora und Co. ein weiterer großer Konkurrent hinzu, Apple dürfte den Streaming-Teil der jüngst gekauften Marke "Beats" absehbar in iTunes integrieren. Viel Konkurrenz bei geringen Margen bedeutet wachsenden Druck.

"Niemand zahlt für Youtube-Videos!"

Vielleicht wahr: Tatsächlich ist Youtube ein klassischer Kostenlos-Dienst, das Nutzerverhalten wird nur schwer zu ändern sein. Einer Umfrage zufolge wollen nur sieben Prozent der Youtube-Gucker zahlen. Für Google ist das Abo-Modell eine Möglichkeit, die Chance für weitere Bezahl-Kanäle auszuloten - und der Musikindustrie eine weitere Möglichkeit zur Monetarisierung jenseits der Werbung zu bieten.

"Die haben nicht mal das neue Album von Taylor Swift."

Wahr: Die US-Sängerin hatte ihre Alben von Spotify gelöscht und so für Diskussionen über die geringe Streaming-Beteiligung von Künstlern gesorgt. Auch in Youtube Music Key ist das neue Album nicht zu finden, dafür die aktuelle Single und ältere Alben. Aber vielleicht erwecken Kenntnisse über das Oeuvre von Frau Swift ohnehin nicht den besten Eindruck auf einer Party.

Ich bin ein aufstrebender Musiker, mein Onkel besitzt ein iPhone und eine VHS-Videokamera. Lohnt es sich, ein fetziges Video zu meinen Songs zu machen und sie auf Youtube hochzuladen?

(a) Ja, falls der Onkel Christopher Nolan heißt.

(b) Vielleicht, falls er Heinz, Karl, Theo oder einen anderen Namen hat, der nicht Christopher Nolan lautet.

Zu (b): Wer nicht gerade zig Millionen von Aufrufen hat, verdient mit Streaming nicht viel Geld. Spotify zahlt pro Aufruf 0,64 bis 0,84 US-Cent pro Aufruf, Youtube veröffentlicht keine Zahlen, hat aber mit vorgeschalteter Video-Werbung noch eine zweite Einnahmequelle, an der die Künstler beteiligt sind. Eine verlässliche Einnahmequelle zum Abbezahlen der Doppelhaushälte in Ottobrunn ist das dennoch nicht.

Das beste Argument ist Geld

Zwei Milliarden Dollar habe Spotify an die Musik-Industrie ausgeschüttet. Das teilt der Chef in einem Blogbeitrag mit - und fordert Künstler wie Taylor Swift dazu auf, dankbar zu sein. Von Hakan Tanriverdi mehr...