Neuer Spotify-Konkurrent Aldi steigt ins Musik-Streaming ein

Musik vom Discounter: Aldi startet einen eigenen Streamingdienst.

(Foto: Paul Thomas/Bloomberg)
  • Der Discounter Aldi startet einen eigenen Musik-Streamingdienst.
  • Für 7,99 Euro im Monat können Nutzer ab dem 24. September unbegrenzt Musik streamen.
  • Bei "Aldi Life Musik" kooperiert das Unternehmen mit dem US-amerikanischen Streamingdienst Napster.
Von Caspar von Au

Schallplatte, Kassette, CD und MP3 - alles bald weitgehend ausgestorbene Tonträger, die Musikliebhaber allenfalls aus nostalgischen Gründen nutzen. Die Zukunft gehört, so sieht es derzeit aus, dem Streaming, also dem Abrufen von Medieninhalten aus dem Internet, ohne diese herunterzuladen und zu besitzen. Nun steigt auch die Supermarktkette Aldi in das Geschäft ein. Der Discounter startet an diesem Donnerstag in Nord und Süd einen eigenen Musikdienst.

Bei "Aldi Musik Life" können Nutzer ab dem 24. September für 7,99 Euro im Monat unbegrenzt Musik hören - das Konzept ist schon vom weltweiten Marktführer Spotify bekannt. Obwohl das Streamingkonzept von Künstlern wie der amerikanischen Sängerin Taylor Swift vorübergehend boykottiert worden ist, hat sich die Technik weitgehend durchgesetzt.

Powered by Napster

Wie schon der Mobilfunktarif "Aldi Talk" wird auch der neue Dienst von der Medion AG organisiert. Der Elektronikhersteller, der zum Lenovo-Konzern gehört, vertreibt seit Ende der Neunzigerjahre Computer, Notebooks und mittlerweile Smartphones in den Filialen des Discounters. Seit 2005 können Kunden mit "Aldi Talk" telefonieren, SMS schreiben und über ihr Handy ins Internet gehen. Medion stampft allerdings keinen komplett neuen Dienst aus dem Boden. Aldi Life Musik sei "powered by Napster", heißt es in dem Blogeintrag. Napster ist ein US-amerikanischer Musik-Streamingdienst mit vergleichbaren Funktionen wie Spotify.

Die Kooperation bringt gleich mehrere Vorteile für beide Seiten: Aldi beziehungsweise Medion müssen keine eigenen Verträge mit Musiklabels aushandeln, der neue Dienst kann auf die bestehende Napster-Bibliothek aus 34 Millionen Liedern und 10 000 Hörbüchern zurückgreifen. Auch die Software - als App wie für den Browser - kann vermutlich im weitesten Sinne von Napster übernommen werden.

Napster auf der anderen Seite kämpft noch immer mit einem Imageproblem. Ursprünglich war der Dienst eine Musiktauschbörse, mit der MP3-Dateien über das Internet gehandelt werden konnten. Das Geschäft explodierte regelrecht - im Februar 2001 hatte Napster etwa 80 Millionen Nutzer weltweit. Gleichzeitig klagten mehrere Musiklabels gegen das Unternehmen wegen Verletzung des Urheberrechts. Die Tauschbörse wurde abgeschaltet und das Unternehmen meldete Konkurs an. Eine Übernahme durch Bertelsmann scheiterte 2002 an der amerikanischen Justiz.

Der deutsche Streaming-Markt ist noch nicht gesättigt

Unter demselben Namen und Logo gründete schließlich ein kleines US-Software-Unternehmen einen Online-Musikdienst, der inzwischen nur noch einer unter vielen ist. Gerade der deutsche Streaming-Markt ist noch nicht so gesättigt wie in den USA. Napster darf daher zu Recht hoffen, dass man in Kooperation mit Aldi Life Musik einen guten Teil des deutschen Marktes erobern können. Die Konkurrenz ist heftig: Erst im Juli startete Apple ebenfalls einen eigenen Musikdienst. Noch weiß man allerdings nicht, wie viele der aktuell zwölf Millionen Nutzer weltweit ihr kostenloses Abo verlängern.

Auch für Aldi Life Musik wird es wohl eine kostenlose 30-tägige Testphase geben, danach kann man monatlich kündigen. Das Angebot ist nicht mit Aldi Talk verknüpft, wird sich aber damit kombinieren lassen. Mit den Musik-Paketen werden Nutzer für einen monatlichen Betrag telefonieren, ins Internet gehen und Musik streamen können. Für Aldi wird entscheidend sein, wie viele Nutzer der Discounter-Preis anlocken kann. Aldi Life Musik liegt zwei Euro unter den bei vergleichbaren Diensten üblichen Abo-Kosten von zehn Euro monatlich.