Neuer Speicherdienst von Kim Dotcom Discount-Strategie gegen den Vertrauensverlust

Mega erhebt damit zum Prinzip, was andere Speicheranbieter wie etwa der Marktführer Dropbox in der Theorie auch anbieten. Dort muss der Nutzer sich allerdings selbst um die offensichtliche Unkenntlichmachung der Dateien kümmern. Mega hingegen macht Verschlüsselung massentauglich. ErsteTestberichte amerikanischer Techblogs attestieren Dotcoms Team eine ordentliche Arbeit. Die Uploadgeschwindigkeit überzeugt, zumindest dann, wenn man den Google Browser Chrome nutzt.

Die Nutzeroberfläche ist einfach und übersichtlich gehalten. Was noch fehlt ist der Zugang über Smartphone und Tablets. Und auch die Sicherheit des Konzeptes wird sich in der Praxis erst noch beweisen müssen. Misstrauen entgegnet Dotcom mit dem Hinweis, der Code des Programms sei Open Source und damit für Experten jederzeit auf Sicherheitslücken hin überprüfbar.

Internetunternehmer Kim Dotcom: Er liebt die großen Auftritte und macht selbst Pressekonferenzen zu solchen.

(Foto: AFP)

Jeder Nutzer des neuen Dienstes erhält 50 Gigabyte Gratis-Speicherplatz, das Zehnfache gibt's kostenpflichtig für zehn Euro im Monat. Wer noch mehr braucht, zahlt für zwei Terabyte 20 Euro monatlich oder für vier Terabyte 30 Euro im Monat. Das sind Preise, die die Mega-Konkurrenz unter Druck setzen. Bei Dropbox sind 500 Gigabyte derzeit für 50 US-Dollar im Monat zu haben. 150 Millionen Dollar jährlich soll Dotcom und sein Team laut Wired mit einer schnelleren, kostenpflichtigen Premium-Version von Megaupload verdient haben. Eine lukrative Einnahmequelle, von der Dotcom jetzt wieder profitieren will.

Lobeshymnen auf Neuseeland

Mit der Discount-Strategie könnte er kompensieren, dass viele Kunden das Vertrauen in den Internetunternehmer verloren haben. Denn das ist die Frage, die Dotcom seit Tagen und auch jetzt auf der Pressekonferenz immer wieder beantworten muss: Warum sollten Nutzer ihre Daten einem Mann anvertrauen, den manche in der Unterhaltungsindustrie gerne im Gefängnis sehen würden?

Eine richtige Antwort auf diese Frage hat auch Dotcom nicht. Er weiß, dass er weiterhin unter Beobachtung der Strafverfolgungsbehörden steht - sowohl in den USA als auch in seiner Wahlheimat Neuseeland. Wenigstens die Neuseeländer will Dotcom deshalb für sich zu gewinnen. Vor ein paar Tagen ließ er in Auckland Gratis-Eiscreme verteilen. Während der Pressekonferenz stimmt Dotcom mehrfach Lobeshymnen auf den Inselstaat an und betont, wie sehr das Land wirtschaftlich von seinem Unternehmen profitieren könne. Auf der einen Seite die guten Neuseeländer, auf der anderen die bösen Amerikaner.

Die vom FBI veranlasste Razzia lässt Dotcom während der Presseshow sogar nachspielen. Auf einmal nähert sich ein Helikopter und vermeintlich bewaffnete Spezialeinheiten seilen sich von den Häuserdächern neben der Pressekonferenz ab. Schüsse sind zu hören. Es ist eine Art Vergangenheitsbewältigung durch öffentliche Inszenierung.

Rückzug aus Öffentlichkeit angkündigt

Umso überraschender ist die Ankündigung, er werde sich in nächster Zeit aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Im Frühsommer wolle er ein Buch veröffentlichen. Außerdem steht noch der Launch seines Musikdienstes Megabox an. Mit diesem will Dotcom Künstler eine Möglichkeit bieten, ihre Musik direkt an die Kunden zu verkaufen - ohne daran mitverdienendes Plattenlabel.

Auch die Filmindustrie sollte sich nicht zu sicher fühlen. Anderthalb Stunden nach dem Start der neuen Plattform hatte Dotcom am Samstagabend auf Twitter den Screenshot eines eigenen Filmportals veröffentlicht. Eine Stichelei gegen die Motion Picture Association of America (MPAA), der Verband der großen amerikanischen Filmunternehmen, die Dotcom Urheberrechtsverbrechen im großen Stil vorwerfen. Nähere Angaben, was es mit dem Screenhot auf sich hat, machte der Internetunternehmer nicht. Wahrscheinlich muss man sagen: noch nicht.