Neue Twitter-Strategie Hier ein Bild, da ein Extra

70 bis 80 Prozent der neuen Nutzer springen schnell wieder ab. Deshalb ändert Twitter seine Strategie.

(Foto: dpa)

Die Börseneuphorie ist abgekühlt, Nutzer bleiben weg: Jetzt sollen neue Foto-Funktionen dem Kurznachrichtendienst Twitter mehr Schwung verleihen. Doch kann das funktionieren?

Von Pascal Paukner, San Francisco

Twitter will regelmäßig wissen, was seine Nutzer umtreibt. Dafür wertet das Unternehmen Millionen Tweets amerikanischer Nutzer aus. Vor kurzem hat der Kurznachrichtendienst das Ergebnis einer internen Analyse veröffentlicht. Dort steht: Wer einen Tweet mitsamt einem Foto abschickt, steigert die Wahrscheinlichkeit, von einem anderen Nutzer retweetet zu werden, um satte 35 Prozent. Man könnte auch sagen: Twitter-Nutzer lieben Fotos.

Daraus hat das Unternehmen jetzt gelernt: Am Mittwoch präsentierte Twitter im Firmenblog jeweils eine neue Version seiner Smartphone-Apps für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS. Die Updates verändern den Dienst nachhaltig. Künftig ist es möglich, bis zu vier Fotos an einen Tweet anzuhängen. Außerdem können bis zu zehn Personen auf Fotos kenntlich gemacht werden - ohne dass darunter die Gestaltungsmöglichkeiten beim Twittern leiden. Denn die markierten Nutzernamen fallen nicht unter das 140-Zeichen-Limit.

Die Neuerungen lassen sich als Fortsetzung eines Strategiewandels verstehen. Seit längerem schon versucht Twitter, unter anderem die Profilseiten optisch aufzulockern und Hürden für neue Nutzer abzubauen. Bislang allerdings nur mit begrenztem Erfolg: 70 bis 80 Prozent der neuen Nutzer springen Studien zufolge schnell wieder ab.

Druck von der Wallstreet

Als das Unternehmen kürzlich seine Quartalszahlen präsentierte, musste Twitter-Chef Dick Costolo sogar sinkende Zugriffszahlen für den Mittelpunkt des Dienstes, die Timeline, eingestehen. Das sind schlechte Nachrichten für das Unternehmen. In den vergangenen Wochen ist dann auch die Euphorie des Börsenstarts verflogen. Die Aktie wurde zuletzt für 32 Euro gehandelt. Zu Hoch-Zeiten lag der Wert bei mehr als 50 Euro.

Nun sollen Fotos den Wandel bringen. Bereits im vergangenen Oktober begann Twitter damit, Bilder direkt in der Timeline der Nutzer anzuzeigen. Die jetzigen Schritte haben eines gemeinsam: Twitter entfernt sich damit immer weiter von seinen Ursprüngen, die durch ein minimalistisches, übersichtliches Design gekennzeichnet waren.

Ursprünglich war der Tweet die kleinste Form digitaler Kommunikation. Dann kamen unter der Bezeichnung "Twitter Cards" Linkteaser, Videos und sogar App-Downloads hinzu. Von der Einfachheit und Übersichtlichkeit vergangener Tage ist wenig geblieben.

Markierte Freunde helfen bei der Analyse der Nutzer

Überraschend kommt der Wandel nicht. Twitter ist ein Unternehmen, das einen großen Teil seiner Einnahmen aus Werbung erzielt. Die lässt sich am besten verkaufen, wenn sie groß und bunt ist. Die neuen Foto-Funktionen dürften Twitter zudem dabei helfen, Beziehungen zwischen Nutzern besser analysieren und diese Daten besser nutzen zu können. Wer oft gemeinsam auf einem Foto auftaucht, pflegt womöglich auch einen engen Umgang.

Wie ernst es Twitter mit der neuen Ausrichtung ist, zeigen Tests, die das Unternehmen regelmäßig bei einer kleinen Zahl von Nutzer durchführt. Zuletzt berichteten Technikblogs von neuen Profilseiten, die an Facebook erinnern.