Neue Technik für Videotelefonie Skype übersetzt Gespräche - und zwar holprig

Deutsch reden mit Menschen, die kein Deutsch können: Skype stellt ein Programm vor, das Unterhaltungen fast in Echtzeit übersetzt. Nichts für Nuschler.

Diana Heinrichs muss den Mund ganz schön weit aufmachen, wenn sie Deutsch sprechen will, das ein Computer versteht. Schließlich soll eine Roboterstimme gleich wiederholen, was sie gesagt hat - und zwar auf Englisch. Heinrichs arbeitet für Microsoft und präsentiert auf einem Computerbildschirm auf der "Code" -Konferenz (organisiert von der Technik-Seite Recode) eine zukünftige Version von Skype, dem Programm für Videotelefonie. Skype gehört Microsoft, das Unternehmen will noch vor Ende des Jahres eine Übersetzungtechnik einführen, die "nahe der Echtzeit" (near-real-time) fuktioniert - also Software, die gesprochene Worte für den Gesprächspartner übersetzt und diese Übersetzung wieder in Sprachausgabe umwandelt. Damit soll es für Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, möglich sein, sich trotzdem über Skype miteinander zu unterhalten.

Die Technik ist sicherlich faszinierend, aber noch nicht ganz ausgereift. Heinrichs führt das Gespräch mit dem Vizepräsidenten von Skype, Gurdeep Singh Pall. Thema der Unterhaltung: Palls Umzug nach London. Er redet flüssig und schnell, sein indischer Akzent scheint hin und wieder durch. Heinrichs hingegen spricht sehr langsam und überdeutlich, betont Silben so, dass das Gespräch unnatürlich wirkt. Es zieht sich außerdem in die Länge, weil beide Seiten erst sprechen und dann warten müssen, bis das System fertig übersetzt hat. Dadurch entstehen Pausen. Die Antworten der Maschine werden sowohl als Audio- als auch Textversion angezeigt.

Die Übersetzung klappt, auch wenn sie in vielen Fällen grammatikalisch falsch ist. So fragt Pall zum Beispiel, wie es Heinrichs denn gehe. Die Maschine macht daraus: "Hallo Diana, wie dir's geht." Pall erwähnt, dass er nach London ziehen will, falls alles nach Plan läuft. Daraus wird: "Ja, ich plane dort irgendwann zwischen Mitte Juni bis Anfang Juli zu verschieben (hier wird wohl das englische "move" falsch übersetzt; Anm. d. Red.), wenn alles geht, aber verfolgen." Solche Sätze sind inhaltlich schwer bis gar nicht zu verstehen.

Die Entwicklungsabteilung von Microsoft arbeitet seit mehreren Jahren an dieser Art der Übersetzung. Es gibt dem Unternehmen zufolge viele Unterschiede zwischen der Übersetzung eines Textes und eines Gespräches. Wenn Menschen reden, wiederholen sie Satzteile oder bauen Lückenfüller ein. Nun sei man auch in der Lage, diese Technologie für tatsächliche Gespräche einzusetzen. Im konzerneigenen Blog freut sich Pall über die Möglichkeiten: "Der Universalübersetzer, den wir aus Star Trek kennen, ist keine Galaxie mehr entfernt."

Geplant sei vorerst eine Einführung als App für Windows 8. Sie soll 40 Sprachen erkennen.