Das US-Unternehmen sorgt mit einer radikalen Preissenkung für Verwunderung in der Musikbranche.

Kürzlich durfte man sich die Augen reiben. Auf der Webseite pries Apple die neue Version der Musiksoftware Logic an. Sie ist an vielen Stellen verbessert worden, wurde neu gestaltet und ist umfangreicher als je zuvor - und sie kostet noch nicht einmal die Hälfte der Vorgänger-Variante. Für die mussten Nutzer noch knapp 1100 Euro zahlen - jetzt sind es 479 Euro.

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Nun ist Logic nicht irgendeine Software, sondern sie wird neben Konkurrenzprodukten wie Cubase oder Pro Tools von Musikern und Musikstudios rund um den Globus eingesetzt. Sie zählt also zu den großen Standardsoftwares in der Musikindustrie.

Wenn ein solches Produkt plötzlich für deutlich weniger Euro zu haben ist, gerät das Preisgefüge zwangsläufig durcheinander.

Offensichtliche Strategie

Entsprechend groß ist die Verwunderung: Eine unabhängige Softwarefirma würde Konkurs machen, sagen Branchenkenner. Keine zwei Jahre hätte die Hamburger Firma Emagic - die Logic einst entwickelt hatte und 2002 von Apple übernommen wurde - das überlebt. Zumal von den Erlösen noch ein Teil für Lizenzen abginge, etwa für die Dolby Digital AC3-Codierung.

Bei Apple gibt man sich zugeknöpft. Ein Unternehmenssprecher erklärt: "Wir möchten mit einem fairen Preis dazu beitragen, dass immer mehr Kreative dieses umfangreiche Instrumentarium nutzen können."

Doch die Strategie des Konzerns ist offensichtlich: Wer Logic kauft, braucht einen Apple-Rechner. Die plattformübergreifende Nutzungsmöglichkeit auf Mac- und Windowsrechnern wurde nach der Übernahme Emagics abgeschafft.

Und so spielt die Bindung an die Hardware für Apple derzeit offenbar eine größere Rolle als die Erträge aus der Software - selbst wenn Unternehmenschef Steve Jobs unlängst betonte: "Im Grunde sind wir eine  Software-Firma."

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Apple radikal die Preise senkt. Bei der Filmschnittsoftware Final Cut war es ähnlich, nur nicht so offensichtlich: Das Softwarepaket wurde derart angereichert, dass es gemessen an den ursprünglichen Preisen doppelt so viel hätte kosten müssen - es wurde aber auch in der neuen Version zum gleichen Preis verkauft.

Wie aggressiv Apple den Markt erobern will, zeigt sich überdies in einem weiteren Detail: Bislang benötigten die Logic-Nutzer einen sogenannten Dongle. Die Software funktionierte nur, wenn der Dongle angeschlossen war. Er ist also eine Art Software-Schlüssel.

Derartige Sicherheitsmaßnahmen sind bei den Nutzern unbeliebt, denn sie blockieren einen USB-Port. Doch die Hersteller können mit ihnen vergleichsweise effektiv den Gebrauch von Raubkopien unterbinden.

Und was macht Apple? Anstatt wie andere aufzurüsten - schafft das Unternehmen den Dongle kurzerhand ab. Die Nutzer tippt eine Seriennummer ein und soll sich - bitte - registrieren. Das ist, als würde man die Software kostenlos abgeben: Die ersten Seriennummern für Raubkopien, berichten Insider, seien schon im Internet erhältlich.

Konkurrenten wie Ableton oder Steinberg wollen trotz des Apple-Vorstoßes grundsätzlich an ihrer Preispolitik festhalten, selbst wenn Ableton für die jetzt angekündigte Live-7-Software den Verkaufspreis leicht zurückgenommen hat.

Diese Unternehmen, die nicht von Hardwareverkäufen profitieren, hoffen darauf, dass die spezifischen Vorteile der eigenen Software die Käufer treu bleiben lassen.

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(hgn/sueddeutsche.de)