Neue Handytarife bei O2 Revolution vertagt

Der Telekommunikationsanbieter O2 passt seine Tarife dem Boom von Smartphones an. Das Unternehmen nennt das eine "Revolution". Doch ist es das?

Von Pascal Paukner

Eigentlich ist Barcelona ein guter Ort, um eine Revolution zu verkünden. In den vergangenen Jahrhunderten war die spanische Metropole immer wieder Schauplatz revolutionärer Umtriebe. Allein in der jüngsten Vergangenheit hielten sich die Katalanen in ihrem Umstürzlertum etwas zurück. Die einzige Veranstaltung, die der Stadt am Mittelmeer noch regelmäßig revolutionäre Schlagzeilen beschert, scheint inzwischen die Mobilfunkmesse Ende Februar zu sein, wo zahlreiche Aussteller ständig irgendwelche Revolutionen herbeireden.

In diesem Jahr wollte der Mobilfunkkonzern Telefónica Deutschland ein revolutionäres Vorhaben per Pressekonferenz und Pressemitteilung verkünden: eine neue Tarifstruktur für die Smartphone-Kunden ihrer Tochter O2. Anstatt wie bisher für Telefonate, SMS und Internetverkehr separat zu bezahlen, werde in Zukunft nur noch nach Datenvolumen abgerechnet, lautet die Versprechung. Telefonate und SMS gebe es kostenlos dazu. "Die neuen Tarife revolutionieren den Mobilfunk", heißt es vom Unternehmen. Los geht's bei einem 50-Megabyte-Einstiegstarif für rund 20 Euro. Den Spitzentarif mit fünf Gigabyte und LTE-Geschwindigkeit gibt's für 50 Euro.

Mehr Reaktion als Revolution

Tatsächlich aber reagiert Telefónica mit dem Strategiewechsel mehr, als dass es revolutioniert: Seit Jahren ist der Trend absehbar, dass durch die gestiegene Popularität von Smartphones und Tablets Telefonate seltener und schriftliche Kommunikation wichtiger wird. "Nur 26 Prozent der Zeit, in der die Menschen ihr Smartphone benutzen, verbringen sie mit Telefonieren", sagte Hans Vestberg, Chef des Netzausrüsters Ericsson in Barcelona.

Auch die Provider haben diesen Trend erkannt. Telefonate und Kurznachrichten werden deshalb zu vermeintlich kostenlosen Dreingaben, während die Datentarife und ihre Ausgestaltung als Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund rücken. Manche Telefónica-Konkurrenten haben diesen Schritt bereits vollzogen. Andere werden folgen - auch weil internetbasiert Kommunikationssoftware stetig an Popularität gewinnt.

Für Kunden besteht die Telefónica-Tarifreform im Wesentlichen darin, dass sie mit den neuen Verträgen keine andere Wahl haben, als eine Flatrate für Telefonate und SMS zu ihrem Datenvolumen hinzu zu buchen. Eine fundamentale Veränderung des Mobilfunkmarkts ist das schon deshalb nicht, weil das Unternehmen trotz großer Ankündigung zwei der alte Tarife beibehält, bei denen Telefonate und SMS nicht im Grundpreis eingerechnet sind. Und für Bestandskunden ändert sich damit - sofern sie es nicht wollen - sowieso nichts.

Facebook bedroht die Netzneutralität

Weitreichende Auswirkungen auf die Mobilfunktarife der Zukunft wird wohl eher eine Vereinbarung haben, die Facebook in dieser Woche bekannt gegeben hat. Mit 18 Providern in 14 Ländern hat das Unternehmen Exklusivverträge geschlossen. Kunden dieser Mobilfunkprovider sollen künftig über die Nachrichten-Software des sozialen Netzwerks kostenlose oder stark preisreduzierte Kurznachrichten verschicken können.

Damit stellt sich das soziale Netzwerk erstmals offen gegen das Prinzip der Netzneutralität. Dieses besagt, dass alle Daten gleichberechtigt durch die Netze der Mobilfunkprovider geleitet werden sollen. Für Kunden könnte die Abschaffung dieses Prinzips im Extremfall bedeuten, dass nicht mehr eine Flatrate für alle Internetdienste gilt, sondern dass die Nutzung einzelner Internetdienste beim Provider abgerechnet wird. Das wäre dann eine echte Revolution.