Neue Gruppenfunktion Wände im Facebook-Universum

Mit einer neuen Gruppenfunktion ändert sich das Wesen von Facebook fundamental - und auch bei der Kontrolle der eigenen Daten macht das Unternehmen Zugeständnisse.

Von Johannes Kuhn

Facebook wird privat - zumindest, wenn die Nutzer dies künftig möchten. Das größte soziale Netzwerk der Welt erlaubt es seinen Mitgliedern ab sofort, sich in geschlossenen Gruppen zu organisieren.

Das ist eine Abkehr von der bisherigen Strategie: Bislang waren Facebook-Gruppen eine öffentliche Angelegenheit und dienten meist dazu, seine Vorliebe für bestimmte Interessen, einen Star oder ein Produkt kundzutun.

Die neue Gruppenfunktion geht weit darüber hinaus: Die Mitgliedschaft erfolgt nur durch Einladung bestehender Mitglieder.

So können sich beispielsweise Freunde zusammentun, um ihren nächsten Urlaub oder eine Party zu planen. Um die Kollaboration zu vereinfachen, bietet Facebook neben der Möglichkeit eines Gruppenchats auch die Funktion, Dokumente zu teilen.

Die Gruppen können öffentlich sichtbar sein, aber auch versteckt werden. Damit sie nicht zu unübersichtlich werden, sollen die Funktionen ab einer Teilnehmerzahl von 250 eingeschränkt verfügbar sein.

Grenzen und Wände

Damit ändert sich auch die Kommunikationsstruktur von Facebook - sie wird kleinteiliger: Bislang war das Netzwerk für zwei Arten des Dialogs geeignet: Nutzer konnten mit einem einzelnen anderen Mitglied kommunizieren, zum Beispiel per Privatnachricht oder Chat. Mit der Statusnachricht wiederum schickten sie eine öffentliche Botschaft an alle ihre Freunde, oder zumindest diejenigen, die laut Privatsphäreneinstellung diese lesen durften.

Allerdings nutzten nach Facebook-Angaben nur fünf Prozent der Nutzer die Möglichkeit, ihre Freunde in verschiedene Gruppen einzuteilen, also beispielsweise seinem engen Freundeskreis mehr Informationen zugänglich zu machen als Kollegen.

Die neue Einladungsfunktion soll das Problem nun auf anderem Wege lösen. Das hat jedoch Folgen: Mit den geschlossenen Gruppen wird die gesamte "Freundesöffentlichkeit" nicht mehr alle Aktivitäten zu Gesicht bekommen. Die Vernetzung findet nun zusätzlich auf anderer Ebene statt, mit der Folge, dass ein Teil des Reizes des Friendfeeds, also der auf der Hauptseite einlaufenden Freundesnachrichten, verlorengehen könnte.

"Damit widersprechen die Gruppen eigentlich dem Grundgedanken der Vernetzung: Sie schaffen nämlich Grenzen und Wände", folgert Peter Sennhauser, Autor des Technologie-Blogs Netzwertig.