Neue Google-Alternative Qwant Suchen, ohne gefunden zu werden

Viele Farben, viele Bilder: die Suchmaschine Qwant

Werbung mit der NSA: Für anonymisierende Suchmaschinen wie Qwant sind die Enthüllungen von Snowden das Beste, was passieren konnte. In Berlin stellt sich der französische Dienst vor. Für ein neues Verb wie "googeln" reicht es noch nicht.

Von Benjamin Romberg, Berlin

Natürlich wird Eric Leandri immer wieder nach Google gefragt. Das Logo von Qwant etwa, die vielen bunten Farben, das erinnere doch sehr an den Konkurrenten aus den USA, oder? Nein, sagt der Franzose, das sei keine Absicht. Und überhaupt: Qwant soll gar kein Konkurrent für Google sein. Das kann es auch gar nicht. Leandri und sein Kollege Jean Manuel Rozan sind nicht nach Berlin gekommen, um eine normale Suchmaschine vorzustellen. Offene Küche, eine Sitzecke hier, ein bequemes Sofa da - der so genannte Showroom, in dem sie ihren Service nun auch für den deutschen Markt präsentieren wollen, ist eine modern eingerichtete Wohnung.

Und genau das soll Qwant ihrer Meinung nach sein: ein cooles neues Zuhause für die Nutzer. Das Unternehmen aus Frankreich hat den Anspruch, als erste europäische Suchmaschine das gesamte Web zu indizieren. Die Ergebnisse werden in parallelen Spalten präsentiert. Neben einer Kategorie mit Standardergebnissen wie Wikipedia gibt es Nachrichten zum jeweiligen Suchbegriff, eine Liste mit Einkaufsangeboten und Beiträge in den sozialen Medien zum Thema. Und dann ist da noch der "Qnowledge Graph", eine Art Lexikon, das grobe Informationen zu einem Thema liefert. Dazu besteht die Möglichkeit, nach Bildern oder Videos zu suchen.

Viele Farben, viele Bilder. Die Optik kann sich sehen lassen. Das Entscheidende aber ist: Das Zuhause soll nicht nur cool, sondern auch sicher sein. "Wir sammeln absolut keine persönlichen Daten", verspricht Leandri. Eine personalisierte Suche wie bei Google gebe es nicht, die Ergebnisse seien neutral. Das heißt: Zwei Menschen, die den gleichen Suchbegriff eingeben, bekommen auch die gleichen Ergebnisse präsentiert - egal, wo sie gerade sind und welche Seiten sie vorher gesucht oder besucht haben.

Sicherheit und Anonymität - kleine Firmen wissen, dass die NSA ihnen gute Verkaufsargumente geliefert hat. Edward Snowden und seine Enthüllungen über die Überwachungspraktiken des amerikanischen Geheimdienstes waren wohl das Beste, was den Betreibern anonymer Suchmaschinen passieren konnte. Solche Angebote hatte es zwar bereits vorher gegeben. Nur wusste von denen kaum jemand. Besser: Es wollte niemand etwas von ihnen wissen.

Nun treibt die Frage, welche Spuren sie im Internet hinterlassen, Nutzer um. Menschen fliehen zu vermeintlich sicheren Messaging-Diensten wie Threema, weil Whatsapp ihnen nicht mehr geheuer ist. Seit Facebook Whatsapp gekauft hat, verzeichnen Betreiber anonymer Suchmaschinen wie DuckDuckGo großen Zulauf. Qwant-Gründer Leandri kommt aus der IT-Sicherheitsbranche, er weiß, dass "NSA" ein gutes Schlagwort für seine Marketingkampagne ist.

Ein bisschen zu bunt

Er weiß auch, dass Qwant vielleicht ein bisschen zu bunt ist, ein bisschen zu unübersichtlich. Aber genau das gefalle vielen Nutzern, sagt Leandri. Qwant ist mehr als Katalog zu verstehen, der Suchergebnisse aggregiert und hübsch aufbereitet. Wenn Google ein umfassendes Lexikon ist, dann ist Qwant ein Buchladen, in dem man stöbern und sich Anregungen holen kann. Dem Anspruch auf Vollständigkeit wird der Service kaum gerecht werden können. "Wir sind nicht dazu da, um Ihnen genau das zu zeigen, was Sie sehen wollen. Wir sind da, um zu zeigen, was existiert", sagt Leandri. Es handle sich nicht um eine klassische Suchmaschine: "Qwant ist eine Entdeckungsmaschine."

Den Vorwurf, dass Qwant genau die gleichen Dinge entdeckt wie Microsofts Suchmaschine Bing, weist Leandri zurück. Das sei Zufall, sagt er, sein Dienst kopiere Bing nicht.

Die großen Suchmaschinen Google, Bing, Yahoo und Baidu aus China teilen sich 99 Prozent des weltweiten Traffics. In Frankreich ging Qwant Anfang 2013 an den Start, heute verzeichnet der Dienst nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Suchanfragen am Tag. Bei Google sind es mehrere Milliarden. Qwant kann nur ein Nischenangebot sein. Wohl auch deshalb scheuen die Franzosen Vergleiche mit den großen Playern auf dem Markt.

Einmal stolpert Leandri in Berlin aber doch noch über Google. Wie heißt das eigentlich, wenn man bei Qwant etwas sucht, will jemand wissen. Qwanten? Leandri lacht. Googeln klingt einfach besser, das ist ihm wohl klar.