Viele Firmen finanzieren die Infrastruktur des Internets. Daher ist es nur berechtigt, dass sie Geld verdienen wollen. Doch diese rein ökonomische Sichtweise auf das Netz vergisst das "elektronische Menschenrecht".
Lawrence Lessig, der Harvard-Jurist und Netzvordenker, hat es auf Nicolas Sarkozys eigenartigem Internet-Gipfeltreffen eG8 ausgesprochen: Die Zukunft war dort nicht eingeladen. Und man hätte sie auch schlecht einladen können, denn, wie Lessig weiter klarmachte, wer die Zukunft des Netzes einmal sein wird, ahnen diejenigen heute ja selbst noch nicht.
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Es sind eben bislang die Unerwarteten, die Studenten, College-Abbrecher und Einwandererkinder die Innovatoren des Netzes gewesen, nicht die großen Konzerne, die ihre Wurzeln im 20. Jahrhundert haben und die in Paris die Bühne mit ihren Logos dekorieren durften. Wer also den Erfolg des Netzes wolle, so kann man Lessigs Appell zusammenfassen, der müsse dort besonders die Außenseiter schützen.
Klagen über Kapazitätsengpässe
Das ist das harte wirtschaftliche Argument dafür, die Spielregeln des Netzes so zu erhalten, wie sie sich in Jahrzehnten zurechtgerüttelt haben. Die Spielregeln des Netzes zu erhalten, das hieße dann unter anderem, und auch das sprach Lessig aus, ein neutrales Netz festzuschreiben, in dem alle Datenpakete unterschiedslos behandelt werden, egal welcher Dienst sie verschickt und welcher Nutzer sie abruft.
Das sei unmöglich, meinen dagegen die Internet-Service-Provider. Sie klagen über Kapazitätsengpässe, darüber, dass sogenannte Heavy User und datenintensive Dienste die bestehenden Tarifstrukturen unverhältnismäßig ausnutzten. Sie wollen endlich Prioritäten setzen und einzelne Dienste wenn nicht blockieren, dann zumindest mit höheren Kosten belasten . Der Aufstieg der VoIP-Telefonie über Internetverbindungen etwa geht schließlich zu Lasten der Netzbetreiber, die auch von Standardtelefonaten leben wollen.
In diesem Konflikt scheint eine robuste Verteidigung der Netzneutralität im Moment schlechte Chancen zu haben. In den USA schiebt Jules Genachowski, Präsident Obamas Mann an der Spitze der Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC), das Inkrafttreten von Netzneutralitätsregeln vor sich her, die im Dezember beschlossen wurden.
Die republikanische Kongressmehrheit ist fest entschlossen, entsprechende Regulierungsversuche per Gesetz aufzuheben. In den Niederlanden hat die Regierung am vergangenen Dienstag zwar eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes angekündigt, mit der der "freie Zugang zum Internet" ausdrücklich festgeschrieben werden soll - in netzaffinen Kreisen wurde Wirtschaftsminister Maxime Verhagen dafür beklatscht.
Doch in Den Haag kündigte der Telekom-Riese KPN, Mutter auch der deutschen E-Plus, an, im mobilen Internet zwar nicht, wie befürchtet, einzelne Dienste zu sperren oder zu verteuern, aber an neuen Abonnementklassen zu arbeiten, die für hohen Datenkonsum auch entsprechend zur Kasse bäten.
Davon nicht weit entfernt scheint ein Konzept zu sein, das derzeit in Deutschland die Runde macht, wo die Enquete-Kommission des Bundestags zu Internet und digitaler Gesellschaft noch nach Handlungsempfehlungen in Sachen Netzneutralität sucht. Ginge es nach Jörn Kruse, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg, dann täte der Staat in dieser Sache am besten gar nichts. Zensur und bewusste Benachteiligung müssten verboten sein.
Darüber hinaus aber sei "ständige Gleichbehandlung" aller Daten volkswirtschaftlich höchst ineffizient, ja eine Benachteiligung nicht-datenintensiver Dienste und ihrer Kunden. Kruse empfiehlt vielmehr eine Umdefinierung der Netzneutralität: Nicht einfach alle Datenpakete, sondern nur "alle Datenpakete, ,die den gleichen Preis zahlen', sollten gleich behandelt werden". Und das lasse sich am besten durch den freien Markt und mit einem Tarifsystem von Basis- und Premiumklassen erreichen. Die Provider werden das gerne hören.
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Debatte über Urheberrecht
"Doch in Den Haag kündigte der Telekom-Riese KPN, Mutter auch der deutschen E-Plus, an, im mobilen Internet zwar nicht, wie befürchtet, einzelne Dienste zu sperren oder zu verteuern, aber an neuen Abonnementklassen zu arbeiten, die für hohen Datenkonsum auch entsprechend zur Kasse bäten."
Diese unscharfe Formulierung zeigt, wie wenig der Autor das Thema durchdrungen hat.
Es geht **nicht** um Freibier für alle! Wenn ich morgen an der Benzintankstelle eine Tankflat buchen wollte, würde ich zu Recht ausgelacht werden.
Es geht um netz-NEUTRALITÄT. Die Datenpakete der FDP-Seite müssen genauso schnell ladbar sein wie die der Grünen-Seite. Ebenso müssen youtube und myVideo-Filme gleichermaßen ladbar sein.
Wenn morgen mein Provider eine Firmen- und Gewinn-Beteiligung bei z.B. myVideo erwirbt, sollte er nicht Youtube-Videos ausbremsen dürfen.
Und T-Online sollte auch nicht "einfach so" Youtube ausbremsen dürfen, um Übertragungsmengen einzusparen und das ganze als Breitbandanschluß bewerben dürfen.
Ob aber die Provider ihre Tarife stärker nach verbrauchter Menge staffeln, ist nun wirklich eine Freiheit der Marktwirtschaft. In der Zeit vor den Videoportalen war es schlicht nicht so einfach 20 GB und mehr pro Monat downzuladen. Jetzt gibt es eben zunehmend User die 100 GB und mehr pro Monat downloaden. Sollen die immernoch von der Masse der light-User quersubventioniert werden MÜSSEN?
DSL-Tarife wie der Special-Tarif von 1&1 mit Geschwindigkeitsverknappung nach 100GB sind ein Schritt, auf diese Entwicklung zu reagieren.
Die ganzen anderen Äußerungen der Marketingabteilungen diverser DSL- und Mobilfunk-Internetprovider kann man getrost als feuchte Träume in die Ecke gießen.
Die Konsumenten dürfen eine nachträgliche Verschlechterung der Leistung ihres ISP nicht einfach akzeptieren. Wir haben nicht Verbindung mit dem überwiegenden Teil des Internets gebucht, sondern Verbindungen mit dem gesamten Internet. Wenn T-Online erst dann wieder Youtube mit ungebremster Geschwindigkeit an die Endkunden durchleiten will, wenn Youtube/Google Geld an T-Online zahlt ist das nicht nur ein lächerlicher Erpressungsversuch gegenüber Google. Es ist die Nichteinhaltung zugesicherter Leistung gegenüber dem Endkunden!
Hoffentlich kassiert T-Online dafür bald mal eine Musterklage durch eine Verbraucherzentrale.
...findet sich das Interview mit einem französischen Netzaktivisten unter dem Titel "der Zugang für alle ist in Gefahr", in der dieser anschaulich erklärt, um was es ihm geht und warum das auch für den iPhone-Nutzer, der "nur surfen will" zum Tragen käme!
Schon zu Beginn des Internets der Massen, gab es seitens der Telekomfirmen und Anbieter wie AOL Bestrebungen, das freie Internet in eigenen Diensten "einzuhegen" und in einem weiteren Schritt die beliebten Funktionen wie Chatting, Profilseiten, Einkaufen im eigenen Shop usw. auch Usern anderer Dienste gegen eine Gebühr zu ermöglichen.
Netzaktivisten und vor allem der Netzneutralität, die diese schützen, ist es gedankt, dass es nicht dazu kam.
lernt man vielleicht doch?
Zeitungen! eine grosse Errungenschaft der Informationsübertragung, zugrundegerichtet durch politische und wirtschaftliche Interessen.
Radio! einst ein Wunder, inzwischen fast Bedeutungslos.
Fernsehen! ein noch grösseres Wunder das viele Menschen verband.
Schauen Sie sich doch mal das Program an. Es fristet nur noch ein jämmerliches dasein.
Internet! ......leider auf dem besten Weg deren Schicksal zu teilen.
Das gefühlte Gewohnheitsrecht einer Öffentlichkeit ist entstanden, bei der die Anwendung privater Hausordnungen,... größte Irritationen auslösen würde. Das gilt gerade für diejenigen, die die eingehegten Online-Welten von Apple oder Facebook zu meiden suchen
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NEIN. Das sind mithin die User, die wissen, was ihnen Netzneutralität wert ist.
"wo die Enquete-Kommission des Bundestags zu Internet und digitaler Gesellschaft noch nach Handlungsempfehlungen in Sachen Netzneutralität sucht."
Ist das dieselbe Enquete-Kommission, deren Vorsitzender Axel E. Fischer durch diverse dümmliche Aussagen als Sachverständiger (!) des Bundestags den Spott aller Menschen im Lande auf sich zog, die im Gegensatz zu ihm wirklich sachverständig sind?
Die Telekom als halbstaatlicher Betrieb hatte Mitte-Ende der 90er Jahre lange Genug dafür gesorgt, dass die Flatrate nicht existierte!
Es surft sich eben nicht unbeschwert, wenn man ständig auf die Uhr oder auf den Volumenticker gucken muss!
Für einen Standardnutzer reicht ein Paket mit 2-5 Megabit dicke, um YouTube-Videos zu gucken und das gibt es pauschal schon für unter 10 Euro je nach Anbieter.
Der schnellste Internetzugang für private Zwecke ist soweit ich weiß der von einem Kabelanbieter mit 128 MBit/s, der mindestens 60€ pro Monat kostet, also das Sechsfache!
Der Provider ist auch bei diesem Nutzer nicht dafür verantwortlich, dass er tatsächlich mit 128 MBit/s Daten von einem Server z.B. in den USA oder Japan herunterladen kann oder sonst einem Rechner, der vielleicht nur 128KBit/s Kapazität hat!
Die Telekomanbieter können ja (heute schon) durchaus höhere Preise für die Verbindung vom Wohnzimmer zu ihrem Dienst verlangen und tun das ja auch.
Unangetastet bleiben muss aber die Neutralität der Durchleitung der Pakete zwischen den Diensten untereinander!
Wer etwas anderes fordert zeigt damit, dass er das Internet nicht verstanden hat oder unlautere Interessen hegt und sollte unter allen Umständen daran gehindert werden, Entscheidungen dafür zu treffen!
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