Gab.ai Ultrarechte Amerikaner suchen sich eine neue Heimat im Netz

  • Die ultrakonservative Alt-right-Bewegung beklagt die Kontrollmaßnahmen, mit denen Facebook, Twitter und Google Falschmeldungen eindämmen wollen.
  • Nutzer suchen nun Alternativen zu den etablierten Plattformen.
  • Die neue Social-Media-Plattform Gab.ai erlaubt explizit alle Inhalte von Nutzern. Der Gründer bezeichnet Hass als "subjektiven Begriff".
Von Michael Moorstedt

Auch zwei Wochen nach der US-Wahl ist die Debatte rund um sogenannte Fake-News-Seiten und Hass-Propaganda im Internet noch in vollem Gange. Nach einer ersten Phase des Leugnens gehen die großen Internet-Konzerne nun gegen die Auswüchse des Wahlkampfs vor.

Am vielversprechendsten sind vielleicht die Absichtserklärungen von Google und Facebook, die Fake-News-Seiten dort zu treffen, wo sie am empfindlichsten sind, nämlich beim lieben Geld. Websites, die absichtlich Unwahrheiten verbreiten, sollen von den hauseigenen Werbenetzwerken ausgeschlossen und ihnen so das Einkommen abgegraben werden.

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Die Alt-right-Bewegung wandert von Twitter ab

Außerdem versprach Mark Zuckerberg, der das Problem zunächst geleugnet hat - 99 Prozent aller Inhalte, die Nutzer auf Facebook sehen, seien echt, sagte er - am Wochenende, dass Facebook zukünftig vor dubiosen Nachrichten deutlich erkennbar warnen wolle und dafür auch unabhängiger Faktenprüfer in Anspruch nehmen werde.

Derweil hat sich Twitter mühsam dazu durchgerungen, mehrere prominente Profile der sogenannten Alt-right-Bewegung zu sperren, die notorisch gegen Frauen, Minderheiten und andere vermeintlich hilflose Menschen hetzt. Wie reagieren nun die gesperrten Nutzer? Zunächst wie gewohnt. Sie fühlen sich - mal wieder - schlecht behandelt und beklagen Zensur. Von "Säuberungen" ist da die Rede und jenen, die das mit voller Gravitas in ihre Tastatur hacken, scheint die gar nicht mal so feine Ironie zu entgehen, die darin liegt.

Im zweiten Schritt zeichnet sich eine Abwanderungswelle der Alt-right-Nutzer ab, weg von Twitter, hin zu Gab.ai, einer relativ neuen Social-Media-Plattform, die vom Technologiemagazin Wired als "ultimative Filterblase" bezeichnet wird. "Hass und Belästigung" seien für ihn "subjektive Begriffe", lässt Gab-Gründer Andrew Torba verlauten und gibt so den Tenor vor, der auf seiner Plattform herrscht. Clinton- und Hitler-Witze stehen neben Drohungen von Rache und Revanche.

Auf "Gab" ist alles erlaubt

Bislang verzeichnet Gab (etwa: Quatschen) rund 50 000 Mitglieder. Doch noch befindet sich die Plattform im sogenannten Beta-Test, ist also nicht frei zugänglich. Mittlerweile umfasst die Warteliste eigenen Angaben zufolge mehr als 160 000 Plätze; bis man einen Zugang erhält, könnten mehrere Wochen vergehen. Ist man dann erst einmal drin, erinnert die Plattform an eine Mischung aus Reddit und Twitter. Die Zeichenanzahl ist begrenzt, man kann Artikel verlinken, Beiträge bewerten und anderen Nutzern folgen. Außerdem ist das Maskottchen kein niedlicher Vogel - sondern ein übelgelaunter Frosch.

Es wird sich zeigen, wie nachhaltig der Strom der Alt-right-Exilanten wirklich ist. Bis dahin bleibt Zeit, einmal kurz die Community-Richtlinien von Gab zu lesen. Bis auf die Verbreitung von "illegaler Pornografie" und "terroristischer Propaganda" ist so gut wie alles erlaubt, man glaube schließlich an das Recht auf freie Meinungsäußerung. Interessant ist vor allem der letzte Punkt. Die Nutzer sollten doch bitte versuchen, "nett zueinander zu sein", heißt es da. Schließlich seien "wir alle Menschen". Schön und gut. Das Problem ist nur, dass für die Zielgruppe, die sich momentan von Gab angesprochen fühlt, manche ein bisschen mehr Mensch sind als andere.

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