Google Home Digitaler Vertreterbesuch

Googles Sprachassistent "Home" behauptet, seine Nutzer zu unterstützen. Für den Konzern gehören scheinbar auch Produktempfehlungen dazu.

(Foto: dpa)
  • Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder Google Home werden immer beliebter.
  • Jetzt hat Google erstmals mit gesprochener Werbung experimentiert - und viele Nutzer verärgert.
Von Michael Moorstedt

Unsere Computer werden immer verständnisvoller. Besonders beliebt sind zur Zeit sogenannte Smart-Home-Assistenten. Mehr als zehn Millionen Geräte hat Amazon von seinem Alexa-System im letzten Jahr verkauft, 2017 sollen es doppelt so viele sein.

Auch die Google-Home-Plattform wird immer beliebter. Zu den Funktionen eines solchen Geräts gehört eine Art frühmorgendliches Briefing: Die Computerstimme aus der Dose zählt die Termine des Tages auf, informiert über das Wetter und die Verkehrslage für den Weg zur Arbeit. Es ist für die meisten Menschen wohl die größtmögliche Annäherung an einen Privatsekretär.

Die erste bezeugte Werbung auf einem Sprachassistenten

Etliche Benutzer von Google Home, das bislang nur in den USA verfügbar ist, hörten am Donnerstag im Anschluss an ihre Briefings auch noch Folgendes: "Übrigens läuft heute die Spielfilmversion von Disneys 'Die Schöne und das Biest' an. (...) Für mehr Filmspaß frag mich etwas über Belle." Andere Nutzer berichteten, eine ähnliche Ansage von Googles Sprachassistenten auf dem Smartphone gehört zu haben.

Dafür, dass sie gerade einem historischen Moment des Internets beigewohnt haben, nämlich der ersten bezeugten Werbung auf einem Sprachassistenten, reagierten ziemlich viele Nutzer ungehalten. "Phänomenal dumm" gehörte noch zu den harmloseren Reaktionen in Tausenden von Tweets. Google selbst spricht nicht von Werbung, sondern in einem offiziellen Statement von "aktuellen Inhalten", mit denen man weiter experimentieren wolle.

Sprache kann unheimlich aufdringlich sein

Immer mehr Datenverkehr wird über mehr oder weniger intelligente Gegenstände und über Sprachbefehle laufen. Es wird also weniger Bildschirme geben und damit auch weniger Platz für Pop-up-Anzeigen, Banner und all die Onlinewerbeformen, die der Internetwirtschaft Hunderte Milliarden Dollar jährlich einbringen. So droht der Erfolg der Technologie zu einem Problem für die Internetgiganten zu werden, die mit Werbeeinnahmen Geld verdienen.

Sprache kann unheimlich aufdringlich sein. Denn es gilt die Dimensionen des Mediums zu beachten. Ein 30-Sekunden-Werbespot für Disney-Filme in einem Sprachassistenten ist das Äquivalent einer Bannerwerbung, die für eine halbe Minute den gesamten Bildschirm okkupiert und sich nicht wegklicken lässt. Wer würde das akzeptieren?

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