Nach Telekom-Ankündigung zu Internetverträgen Aufruhr um Abschaffung von DSL-Flatrates

Führen nach der Telekom auch andere Internetprovider Volumengrenzen für ihre DSL-Verträge ein? Nach Informationen des Politikblogs Netzpolitik.org plant Vodafone Ähnliches - doch das Unternehmen dementiert.

Erst sorgt die Telekom für Aufruhr, jetzt steht ein weiterer Internetprovider am Pranger: Vodafone. Laut Informationen des Blogs Netzpolitik.org plant das Unternehmen ebenfalls, Volumenhöchstgrenzen für seine DSL-Tarife einzuführen. Vodafone werde "demnächst denselben Schritt" wie die Telekom gehen, hieß es unter Berufung auf eine "verlässliche Quelle".

Der prominente Netzaktivist Markus Beckedahl schreibt:

"Wir wetten: Vodafone wird einer der nächsten größeren Anbieter sein, der der Deutschen Telekom bei diesem Schritt folgen wird, Deutschland wieder mit Drossel-Verträgen zurück in die 90er Jahre zu bringen."

Zumindest einen theoretischen Wettpartner dürfte Beckedahl schon gefunden haben: Vodafone selbst. Das Unternehmen dementiert den Bericht. Ein Unternehmenssprecher sagte zu Süddeutsche.de: "Wir verfolgen keine Pläne, DSL-Volumengrenzen einzuführen." Netzpolitik warf er vor, unsauber zu arbeiten. Sein Unternehmen sei von dem Blog mit den Vorwürfen nicht konfrontiert worden.

Protest gegen Telekom-Ankündigung

Die Telekom hatte am Montag angekündigt, DSL-Neuverträge künftig nur noch mit Volumenobergrenzen anzubieten. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, es torpediere damit den Grundsatz der Netzneutralität.

Netzpolitik vermutet, dass es Verhandlungen zwischen mehreren Providern gibt, damit die Telekom mit ihrer umstrittenen Entscheidung nicht alleine dasteht.

Die Telekom hatte die Einführung der Datenvolumengrenze fürs Festnetz mit dem raschen Wachstum des Datenverkehrs im Internet begründet. Das Datenvolumen nehme "rapide" zu, weswegen der Konzern in Datenleitungen investieren müsse. "Immer höhere Bandbreiten lassen sich nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren", erklärte der Konzern.

Kritiker befürchten Zwei-Klassen-Netz

Allerdings hat die Telekom einige Ausnahmen angekündigt, vor allem für eigene Dienste und Angebote von Partnern. So wird das Datenvolumen aus dem hauseigenen Fernsehdienst Entertain nicht mit eingerechnet, ebenso wie Sprachtelefonie über den Telekom-Anschluss. Die Nutzung anderer Anbieter wie Apples iTunes oder Amazons Streaming-Dienst Lovefilm würde nach aktuellem Stand aber schon an dem Inklusiv-Volumen zehren, wie ein Telekom-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa bestätigte.

Internet-Dienste könnten den Angaben zufolge aber eine Kooperation mit der Telekom für sogenannte Managed Services eingehen, "die in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und vom Kunden gesondert bezahlt werden". Netzpolitik kritisiert, dass so ein Zwei-Klassen-Netz geschaffen werde - und fordert ein Eingreifen der Bundesregierung, um die Netzneutralität zu sichern.

Auf Zeit-Online wundert sich Malte Spitz aus dem Bundesvorstand der Grünen* zudem, warum die Telekom damit vorprescht. Der Konzern habe 12,28 Millionen Breitbandkunden - wenn drei Prozent von den Volumengrenzen betroffen wären, entspreche das 368.000 Anschlüssen, rechnet Spitz vor. Lohnt sich das finanziell für den Konzern, wenn diese Kunden dann draufzahlen, um wieder mehr Bandbreite zu bekommen? Spitz schreibt:

"Bei der Telekom heißt es, dass man bei Einführung der Drosselung Zusatzvolumen für einen einstelligen Eurobetrag nachbuchen kann. Selbst wenn man dafür 9,99 Euro als Höchstpreis annimmt, würde das bei 368.000 Anschlussinhabern, die sich jeden Monat das doppelte Inklusivvolumen kaufen, gerade einmal 44.115.840 Euro bedeuten. Dafür wird die gesamte Struktur im Festnetzinternet umgestellt? Für 44 Millionen Euro werden potenzielle Kunden vertrieben, werden Streitigkeiten über Fehlberechnungen und ein katastrophales Image in Kauf genommen? Diese maximalen Mehreinnahmen würden weniger als 0,1 Prozent des Jahresumsatzes der Telekom ausmachen."

Spitz vermutet deswegen, es gehe dem Konzern nicht ums Geld - sondern darum, die Netzneutralität abzuschaffen.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde Spitz als Abgeordneter des Bundestags bezeichnet - er kandidiert zwar für den Bundestag, ist aber kein Mitglied.