Nach 20 Jahren Microsoft stellt Internet Explorer ein

Sieht ganz schön alt aus - und soll nun eingestellt werden. Der Internet Explorer von Microsoft.

(Foto: Microsoft)
  • Nach 20 Jahren neigt sich die Zeit des Internet Explorers dem Ende zu. Das gab der Marketing-Chef von Microsoft während einer Konferenz bekannt.
  • Die neue Browser-Alternative läuft momentan unter dem Codenamen "Spartan" - an einem finalen Namen wird derzeit noch gearbeitet.
Von Helmut Martin-Jung

Zu den Zeiten, als IBM schon eine Riese war, Microsoft aber noch ein Start-up, da machte der blutjunge Bill Gates einen Mega-Deal. Er verkaufte IBM nicht einfach das Betriebssystem, das seine Firma gar nicht entwickelt, sondern bloß gekauft hatte. Er verlangte auch eine Abgabe pro verkauftem PC. Der Rest ist bekannt, bald näherte sich Gates' Vision vom PC auf jedem Schreibtisch der Wirklichkeit. Doch mit alledem war Microsoft so beschäftigt, dass es fast IBMs Schicksal erlitten hätte.

Denn das inzwischen große Microsoft übersah das nächste große Ding: das Internet. Die Leute, die Anfang, Mitte der 1990er Jahre ins Web gingen, nutzten keinen Microsoft-Browser - weil es keinen gab. Erst 1995 erschien die erste Version des Internet Explorers, der damals noch gar nicht so hieß. Nun, 20 Jahre später, neigt sich seine Zeit dem Ende zu: Der neue Browser von Microsoft wird nicht mehr Internet Explorer heißen und auf einer anderen Technologie basieren, wie Marketing-Chef Chris Capossela während einer Konferenz bekannt gab. Die Browser-Alternative läuft momentan unter dem Codenamen "Spartan", der finale Name ist noch unklar.

Der Ruch des ruchlosen Monopolisten klebt an Microsoft

Wie schon zuvor bei Windows dauerte es einige Versionen lang, bis der Browser aus Redmond seinem Gegenspieler, dem Netscape Navigator, das Wasser reichen konnte. Und schon bald sollte er es ihm abgraben. Die Browser-Software wurde zur Waffe in einem Kampf, den Microsoft zwar gewann. Aber zu einem hohen Preis. Den Ruch des ruchlosen Monopolisten wurde Microsoft bis heute nicht mehr los, auch weil es Gerichtsverfahren gab und die EU den Konzern dazu verdonnerte, für den Alten Kontinent doch bitte eine Windows-Version ohne eingebauten IE zur Verfügung zu stellen.

Microsoft hatte seine führende Stellung auf dem Markt für Betriebssysteme ausgenutzt und den eigenen Browser nahezu untrennbar damit verbunden. Die meisten Nutzer machten sich zunächst nicht die Mühe, einen anderen Browser zu installieren - wozu der Aufwand? Außerdem hatte Microsoft eine ganze Reihe von technischen Sonderwegen beschritten, die dazu führten, dass viele Webseiten mit einem anderen Browser als dem IE gar nicht zu öffnen waren oder völlig chaotisch aussahen.

Google Chrome konnte bald mehr - Firefox ebenfalls

Doch als der Krieg vorbei war, Netscape besiegt und der Browser schließlich ein Open-Source-Produkt wurde, ließ Microsoft die Zügel schleifen. Technologisch tat sich nicht mehr viel. Als dann Hacker immer neue Sicherheitslücken im IE entdeckten und nutzten, als andere Browser mehr konnten und sicherer waren, verlor der IE an Boden. Inzwischen war Google mit seinem Browser Chrome auf dem Markt, der superschnell lief, sich selber um seine Updates kümmerte und sich durch allerlei Zusatzsoftware erweitern ließ.

Auch die Firefox-Community schlief nicht, Firefox - hervorgegangen aus der Netscape-Erbmasse - ist inzwischen schnell, hat einen Update-Mechanismus - und die vielen Erweiterungen, die es dafür gibt, sind sowieso legendär. Alle Bemühungen von Microsoft, da mitzuhalten, haben nicht so recht funktioniert. Der Browser hat, weil kostenlose Zugabe zu Windows, noch immer einen hohen Marktanteil von knapp 58 Prozent (Chrome: knapp 25 Prozent, Firefox knapp 12). Allerdings führt er auch die Liste der Browser-Sicherheitsprobleme an.

Der Internet Explorer wurde zu einem Synonym für nicht oder nur schlecht funktionierende Browser. Nun zeigt sich: Microsoft will mit dem Namen nichts mehr zu tun haben.

Denn dass das neue, gewandelte Microsoft - man macht selbst wichtige Software zu Open Source, stellt Heilige Kühe wie Office für Android und iOS zur Verfügung - nun auf den alten Kämpen verzichtet, ist nur konsequent. Die Trauer wird sich in Grenzen halten.