5G-Mobilfunktechnik Grundsätzliche Fragen sind noch nicht geklärt

Allerdings sind einige grundsätzliche Fragen noch nicht geklärt. Einen gemeinsamen Standard zum Beispiel gibt es noch nicht, er muss sich erst herauskristallisieren. In Deutschland und Europa ist aber noch nicht einmal LTE, also der 4G-Standard, überall verbreitet. Und dann müsste es auch genug Kapazität in den Glasfaser-Hauptleitungen geben, um all die Daten schnell genug zu übertragen.

Neben den Datenmengen ist die Verzögerung zentral. Aktuelle Technik überträgt Daten mit Latenzen - also Verzögerungen - von bis zu 25 Millisekunden. Diese Zeit soll auf eine Millisekunde gedrückt werden. Sonst könnte es gefährlich werden, fahrerlose Autos und OP-Roboter müssen schließlich schnell reagieren.

Schnelles Internet für alle

Für die großen Mobilfunkanbieter geht es um Millionen, für die Bundesregierung um Glaubwürdigkeit, und für die Menschen auf dem Land darum, endlich an schnelles Internet zu kommen: Warum die Versteigerung von Funkfrequenzen so wichtig ist. Von Varinia Bernau mehr ... Analyse

Die große Herausforderung wird sein, 5G als System zu entwickeln. Nur bessere Chips zu bauen, reicht allein bei Weitem nicht aus. Alles muss neu entwickelt werden: Antennen, die Daten empfangen und senden. Auch an ihnen forscht Stöhrs Team. Sie sehen aus wie kleine goldene Schlüssel, mit hieroglyphenartigen Strukturen auf der Oberfläche. Ein ganzer Haufen liegt in einer Art Werkzeugkiste in einem Labor, um von Stöhrs Mitarbeitern getestet zu werden. Auch die Glasfaserkabel müssen gut genug sein, um die vielen Daten schnell übertragen zu können. Und die Politik muss ausreichend Funkfrequenzen freigeben.

Die Technik wird für zwei zentrale Branchen entscheidend: Anlagenbau und Autos

Die Entwicklung von 5G ist ein Wettlauf zwischen Europa, Asien und den USA, sagt Fitzek. Die Botschaft an die Industrie sei: "Wenn wir das jetzt nicht machen, laufen eure Autos in fünf Jahren mit Google-Software." Viele Entwicklungen des Silicon Valley, von der Technik führerloser Autos bis zu Ballons, die Handynetze in entlegene Weltregionen bringen sollen, liefen alle auf das Ziel 5G zu. Die Technik werde aber für zwei zentrale Branchen Deutschlands entscheidend: Anlagenbau und Autos. Den Dresdner Forschungsverbund unterstützen unter anderem Vodafone und Ericsson, Andreas Stöhr in Duisburg arbeitet zum Beispiel mit Hitachi zusammen.

Rundgang durch die Duisburger Labors. Stöhr hebt die Hand: Halt, keinen Schritt weiter. Denn die zentimetergroße Platine, die in einer Halterung steckt und von einer seiner Mitarbeiterinnen untersucht wird, ist sehr teuer. Und nicht jeder darf solche Bauteile haben. Bei hoch entwickelten Technologien achteten die amerikanischen Partner der Duisburger Uni genau darauf, wo sie landeten, sagt Stöhr. "Wenn wir ein chinesisches Unternehmen wären, würden wir an die Dinger nicht rankommen." Der Chef des US-Partnerunternehmens flog eigens über den Atlantik, um sich in Duisburg davon zu überzeugen, dass die Technik nicht in falsche Hände gerät. Im großen Spiel um 5G geht man lieber auf Nummer sicher.