Bei Handys zählt nicht mehr das Design, sondern das, was wir mit ihnen anstellen können. Das haben viele Hersteller zu spät erkannt.
Holger Frank bringt eine Branche ins Wanken. Dabei hat er nur ein Programm entwickelt, das sich jeder für wenig Geld auf sein Handy laden kann. Frank verdient daran. Und der Hersteller des Mobiltelefons nimmt einen Obolus. Alle anderen gehen leer aus: die Mobilfunker, die Ausrüster der Handynetze und solche Handyhersteller, bei denen keine Programme wie die von Frank laufen.
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Es sind die inneren Werte, die zählen (© Foto: AFP)
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Der Entwickler ist nicht allein schuld an der Misere in der Mobilfunkindustrie. Doch weil es Tausende gibt wie ihn und hunderttausende Handyprogramme, bricht etablierten Spielern das Geschäft weg. Sie wehren sich. Doch ihre Gegenwehr kommt wohl zu spät.
In dieser Woche haben sich die Manager der Mobilfunkbranche in Barcelona getroffen auf dem Mobile World Congress. Dort haben sie über neue Betriebssysteme für Mobiltelefone geredet, künftige Standards und Tarife, über das Bezahlen mit dem Handy, kurz: über alles Mögliche - kaum jedoch über Geräte selbst. Das ist, als würde auf der IAA nur über Motoren, Reifen, die Farbe des Armaturenbretts, aber nicht über Autos gesprochen.
Das Innere zählt jetzt
Und doch steht das symptomatisch für die Branche: Zwei Jahrzehnte nach Vorstellung der ersten Handys moderner Bauart sind die Geräte ausgereift. Das Innere zählt jetzt. Branchenfremde wie Apple und Google haben das verstanden. Ihren Handys verhilft weniger das Design zum Erfolg, es zählen Werte wie eine leichte Bedienung, die ständige Verbindung zum Internet oder die Vielfalt an zusätzlichen Programmen.
Traditionsreiche Firmen der Mobilfunkbranche wie Nokia oder Vodafone wollen diesen Erfolg kopieren, aber alleine schaffen sie es nicht. In Barcelona haben sie Allianzen gebildet. Diese Bündnisse kommen zu spät.
Die Konzerne haben zu träge reagiert, zu lange gewartet und auf das gesetzt, was technisch machbar war, nicht auf das, was die Kunden wollten. Einige werden für diese Nachlässigkeit mit ihrer Existenz zahlen. Freuen dürfen sich Verbraucher: Ihre Wünsche werden nun so ernst genommen wie nie.
Das Ungemach für die Mobilfunkindustrie hat sich abgezeichnet. Seit Jahren hat jeder Deutsche statistisch mehr als einen Handyvertrag - die Anbieter wachsen nur noch auf Kosten der anderen. Auch Preis- und damit Umsatzverfall ist kein neues Phänomen.
Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo sprach schon 2009 in Barcelona von historischen Zeiten, in denen das Geschäft zurückgeht - erstmals in der Geschichte der Mobilfunkbranche. "Kein Konzern ist groß genug, das allein zu meistern."
Geschehen ist trotzdem lange nichts. Neue Dienste von Seiten der Mobilfunkgesellschaften oder Handyhersteller? Fehlanzeige. Erst in dieser Woche kündigte Nokia eine Allianz mit Intel an. Beide vereinen ihre Betriebssysteme für mobile Geräte und hoffen so auf mehr Entwickler für kleine Handyprogramme - beispielsweise auf Leute wie Holger Frank.
Der Ideenreichste gewinnt
Ein Bündnis von zwei Dutzend Telefongesellschaften, darunter Vodafone und Deutsche Telekom, zielt in eine ähnliche Richtung: Auch diese Firmen wollen eine Softwareplattform kreieren, die Programmierer anzieht. Drei Milliarden Kunden erreicht die Allianz der Telefonkonzerne. Klingt beeindruckend. In der Branche heißt es dazu lapidar, eine Biene schaue nicht nach dem größten Garten, sondern nach der schönsten Blüte.
Die schönsten Geräte mit den meisten Möglichkeiten kommen von Apple und Google - eben wegen der Mini-Programme. Die Verbraucher kaufen diese begeistert und gestalten so die Funktionen ihres Handys nach Belieben. Haben sie das getan, fällt der Wechsel zum Gerät eines anderen Herstellers schwer.
Immerhin: Die Etablierten haben verstanden, dass nun das Innere eines Mobiltelefons kaufentscheidend ist. Sie gehen auf die Wünsche der Kunden ein. So einfach zu bedienen wie moderne Geräte waren Handys noch nie, trotz der vielen neuen Funktionen wie Navigation oder Surfen im Internet.
Dennoch werden Bündnisse von Dutzenden Firmen mit langen Entscheidungswegen im Wettstreit kaum helfen. Auf Dauer überleben nur die schnellsten und ideenreichsten Anbieter. Das sind derzeit mit Abstand Apple und Google.
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(SZ vom 18.02.2010)
Entspannter Vierbeiner
Der Autor des Textes verwechselt die Begriffe "Design" und "Aeusseres Erscheinungsbild".
Das ist hier zu Lande allerdings die Regel: Wir Deutschen bezeichnen Gegenstaende des Alltags als "Design-xyz" ("Designer-Rechner"), wenn wir das Aussehen eines Geraets beschreiben.
Der Irrtum des Autors befoerdert allerdings eine ebenfalls landlaeufige Fehleinschaetzung, dass man gut aussehenden Geraeten erst einmal misstrauen muss.
"Designt" wird alles, vom Hosenknopf bis zum Kernkraftwerk, das sind Konzept, Konstruktion, Aufbau, Anwendung, Funktion und auch Formgebung und Aussehen. Viele Schritte bedingen einander.
Das iPhone sind toll "designt": Das faengt bei der Software an und hoert bei Kleinigkeiten wie dem "Home Button" auf.
Bitte, liebe Journalisten, fangt doch mal an, diesen vermaledeiten Begriff "Design" richtig zu erklaeren, damit die Menschheit versteht, dass ideale Geraete des Alltags Form und Funktion so vereinen, dass man das eine vom anderen nicht trennen kann - und schlechte Geraete das eben nicht schaffen.
Bitte ganzheitlicher Beschreiben!
wrzkbrnft. mein vorredner, hat da auf jeden fall recht: auch mit reinem gehäusedesign kann man immer noch unterschiede machen. zum beispiel dieses neuere HTC-Handy, das ich neulich in der Hand hatte: Von vorne sieht das toll aus, State of the art, und dann drehst du es um und hinten ist, noch dazu total scharfkantig, ein kameramodul aufgeklebt... wer weiß, wie angenehm zum beispiel ein iPhone in die tasche rutscht, stößt sich an so etwas, im wahrsten sinne des wortes, gewaltig.
oder die ersten android-handies: trotz eigentlich interessanter hardware potthässlich. da war sowohl hard- wie software noch unausgereift...
WM7phone series was weiß ich (was für ein name, schauder!) finde ich "oberflächlich" sehr gelungen, btw.
und gerade aufgrund des im ersten kommentar angesprochenen monopolgedankens freue ich mich, dass die konkurrenz nachzieht, während sich mein mitleid mit den carriern in grenzen hält - die haben lange genug nichts weiter gemacht als die hand aufzuhalten...
Ich finde den Inhalt dieses Artikels weitgehend richtig. Nur der Aussage "Design spielt keine Rolle" kann ich so nicht zustimmen: Gerade beim iPhone spielt auch Design eine Rolle - es wurde auch ein "tastenloses" Handy bedienbar gestaltet.
Funktionsvielfalt war es gerade, was die anderen Handy Hersteller auf ihre Fahnen geschrieben hatte: Funktionsvielfalt die nicht brauchbar und vor allem nicht bedienbar ist. Windows Mobile 7 scheint trotz aufgehübschter Oberfläche da weiterzumachen.
"Auf Dauer überleben nur die schnellsten und ideenreichsten Anbieter." Das ist natürlich Grütze, wie Microsoft bewiesen hat. Man überlebt indem man Monopole nutzt und aufbaut und danach mittels Patente die Konkurrenz in Schach hält. Und dadurch die Korruption, Kurzsichtigkeit und totale technische Inkompetenz der sogenannten Eliten zum eigenen Vorankommen zu nutzen.