Mobiles Internet Langsamer als bestellt

Doppelt so schnell surfen mit zwei Smartphones? Schön wär's.

Nicht nur in der U-Bahn dauert es manchmal ewig, bis das Smartphone eine Webseite lädt. Telekom, Vodafone und Co. verkaufen zwar superschnelles Internet auch für unterwegs - doch das stimmt nicht wirklich. Für den Trick reichen den Konzernen zwei kleine Worte.

Von Varinia Bernau und Bastian Brinkmann

Mal eben nach dem Weg suchen, eine Rechnung begleichen oder sich auch nur mit einem Video unterwegs die Zeit vertreiben: Das Smartphone ist längst ein Helfer in allen Lebenslagen. Doch jedes Mobiltelefon kann nur so viel, wie das Netz, das es mit dem Internet verbindet. Und da verliert Deutschland im internationalen Vergleich gerade den Anschluss. Ausgerechnet beim Ausbau des mobilen Breitbands hinkt Deutschland weiten Teilen der Welt hinterher.

Dabei ist schnelles Internet nicht nur etwas für diejenigen, die in der U-Bahn daddeln. Es ist auch ein Standortfaktor. Auf dem platten Land gilt der neue Funkstandard LTE als große Hoffnung. Denn über die Antennen kommt das schnelle Internet auch da hin, wo der Ausbau von Glasfasernetzen zu aufwendig ist. Dieses Netz zu bauen, das dauert - und es ist teuer: Bagger müssen Straßen aufreißen und Kabel vergraben.

Derzeit ist noch nicht einmal ein Zehntel aller deutschen Haushalte an das Glasfasernetz mit Übertragungsraten von bis zu 120 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) angeschlossen. Schätzungen zufolge würde es 20 Jahre dauern, alle Haushalte anzuschließen. Und es würde insgesamt etwa 80 Milliarden Euro kosten. Mit LTE könnte es schneller und billiger werden. Deswegen wird derzeit bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin auch darum gerungen, wie die Netze der Zukunft aussehen - und wer dafür letztlich zahlt.

Superschnell surfen? Klappt leider nur selten

In der Werbung der Mobilfunkanbieter hört es sich hingegen heute schon an, als sei alles wunderbar. Die Deutsche Telekom verspricht gerade in einer neuen Kampagne "Highspeed-Surfen" mit 150 Mbit/s. Und Vodafone hat angekündigt, in den nächsten zwei Jahren in fünf Städten das Surfen bei bis zu 225 Mbit/s möglich zu machen. Doch in Wahrheit kann nicht jeder Kunde mit solchen Geschwindigkeiten im Netz surfen. "Die beworbenen Übertragungsraten erreicht man nur selten", sagt Andreas Grebe vom Institut für Nachrichtentechnik der FH Köln.

Die Telekommunikationskonzerne stehen vor einer Grundsatzfrage: Wer hat das Sagen im Konzern - die Marketingabteilung oder die Technik? Geht es nach der reinen Werbelehre, machen die Anbieter gerade alles richtig. Sie preisen hohe Geschwindigkeiten, allerdings stets ergänzt durch zwei Wörtchen, die nicht jeder Kunde auf den ersten Blick sieht: "bis zu".

Bis zu 150 Mbit/s können natürlich auch 70 MBit/s sein. Oder zwei. Für Techniker ist das keine Überraschung, für den Verbraucher zumeist schon. Denn ein Mobilfunknetz ist ähnlich wie ein Straßennetz: Wie schnell man vorankommt, das hängt vor allem davon ab, wie viele Leute sonst noch unterwegs sind - und was sie so machen. Auf der Straße sind es die dicken Laster, die viel Platz wegnehmen. Im Internet diejenigen, die dicke Datenpakete übertragen, sich beispielsweise hochauflösende Videos herunterladen.

Neue App entlarvt Werbeversprechen

Diese App zeigt, wie schnell Ihr Internet auf dem Smartphone ist

Tolles Handy, aber lahmes Netz? Mit einer neuen App können Verbraucher testen, wie hoch ihre Übertragungsrate wirklich ist - und mit den Versprechen der Anbieter vergleichen. mehr ...

Verbraucher können durch kleine Zusatzprogramme für ihr Smartphone den Werbeblendungen auf die Schliche kommen. Die Firma Zafaco, die einen ähnlichen Test im Festnetz auch schon für die Bundesnetzagentur durchgeführt hat, startet dieser Tage eine solche App, Süddeutsche.de ist Medienpartner. (Hier die App names Kyago im iTunes-Store, und hier in Googles Play-Store. Mehr Informationen zur Aktion hier.)

Forscher Grebe kritisiert trotz möglicher Selbstaufklärung die Bis-zu-Sprachregelung, die sich schleichend als Standard durchgesetzt hat. "Das ist eine Formulierung zugunsten der Anbieter", sagt er und appelliert an die Aufsicht, die Bundesnetzagentur, hier genau hinzuschauen.