Die Luftschnittstelle als Datenautobahn - UMTS-Beschleuniger bringt drahtloses Surfen auf Zack.
Handys sind zum Telefonieren da. Daran hat auch die dritte Mobilfunkgeneration zwei Jahre nach dem kommerziellen Start in Deutschland nichts geändert. Zwar kann Vodafone, die Nummer zwei im Markt, nach eigenen Angaben bereits mehr als 1,4 Millionen UMTS-Kunden vorweisen. Innovative Datendienste, wie Videoclips auf dem Handy, nutzen jedoch die wenigsten. Mehr Geschwindigkeit und günstige Tarife sollen die Wende bringen.
Blitzartig Daten herunterladen: UMTS macht's möglich. (© Foto: dpa)
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Das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest führte jüngst für E-Plus eine Befragung unter knapp 1500 Handynutzern durch. Davon wollen drei Viertel in erster Linie telefonieren und SMS-Nachrichten verschicken. Mobile Datendienste wie E-Mail und Surfen im Internet verwendet nicht einmal jeder zehnte Mobilfunkkunde.
Verdient wird deshalb mit der Datenübertragung wenig. Kaum ein Fünftel der Gesamterlöse kommen durch Datendienste herein, der größte Teil davon aus dem SMS-Versand. Dennoch spricht einiges dafür, dass das Geschäft mit der mobilen Datenübertragung in den kommenden Monaten deutlich an Schwung gewinnt.
Das Beratungsunternehmen Forrester rechnet damit, dass schon 2010 nicht nur 60 Prozent der Mobilfunkkunden in Deutschland ein 3G-Handy besitzen wird, die Hälfte der Deutschen nutzt dann auch mobile Internetdienste.
Den notwendigen Anreiz soll eine deutliche Beschleunigung der dritten Mobilfunkgeneration UMTS schaffen, die T-Mobile und Vodafone bereits für die CeBIT 2006 versprochen haben. Die kleinen Netzbetreiber O2 und E-Plus wollen im Lauf des Jahres nachziehen.
Weiteren Anschubhilfe bekommt das mobile Internet auch durch neue Tarife. Bislang ist die Datenübertragung für Privatnutzer viel zu teuer. Mit einer UMTS-Flatrate hat E-Plus bereits die Richtung vorgegeben, es ist abzusehen, dass die Preise weiter sinken werden.
Mit Hilfe von HSDPA (High Speed Downlink Packet Access), einer Erweiterung für die bestehenden UMTS-Netze, werden wohl schon von März an in deutschen Großstädten Übertragungsraten von bis zu 1,8 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich sein.
Das ist sechsmal so schnell wie bisher und sogar schneller als das, was man aus den meisten DSL-Anschlüssen heraus holen kann. Damit ist der Ausbau von Bandbreite im Mobilfunk jedoch noch lange nicht zu Ende. Ende des Jahres wollen T-Mobile und Vodafone die Netze bereits auf 3,6 Mbit/s beschleunigt haben. Ein Jahr später sind 7,2 Mbit/s geplant.
T-Mobile-Chef René Obermann hat Mitte Februar auf der Mobilfunkmesse 3GSM World in Barcelona versprochen, bis zum Ende des Jahrzehnts die Datenübertragungsgeschwindigkeit im Mobilfunk jedes Jahr zu verdoppeln.
In vier Jahren sollen Musik und Filme mit 20 Mbit/s auf Handys und Notebooks gesendet werden, das ist mehr als genug für flüssige Bilder in guter Qualität und Sound ohne Aussetzer.
Zum Vergleich: DLS im Festnetz bietet zur Zeit maximal 16 Mbit/s, nach dem Ausbau des neuen Glasfasernetzes der Deutschen Telekom - ab Mitte des Jahres in zunächst in zehn Großstädten - bis zu 50 Mbit/s.
Doch Bandbreite allein ist noch kein Verkaufargument. Wollen die Mobilfunkunternehmen nicht nur Geschäftskunden ansprechen, die von HSDPA vor allem eine schnelle Verbindung zum Firmennetz erwarten, dann müssen sie auch neue Inhalte anbieten.
O2 arbeitet deshalb an einem Portal, das dem Nutzer unter anderem Musik, Videos und E-Mail auf das Handy liefert. Bei T-Mobile heißt das Angebot web&walk, im Prinzip mit den gleichen Inhalten.
Zum Massenphänomen wird mobiles Surfen nur, wenn Netzbetreiber und Provider attraktive Tarife anbieten. Analog zum Festnetzinternet dürften sich auch im Mobilfunk Flatrates durchsetzen.
Eine monatliche Pauschale deckt dann die gesamte Datennutzung des Mobilfunkkunden ab. Die erste Flatrate kommt von E-Plus und ist seit Herbst des vergangenen Jahres verfügbar. 40 Euro plus 10 Euro Grundgebühr im Monat kostet mobiles Internet bei dem Düsseldorfer Unternehmen. Die UMTS-Einschubkarte für das Notebook gibt es gratis dazu.
Wer auf die Datenkarte verzichtet, bekommt die Daten-Flatrate - ein Handy mit "Base"-Flatrate vorausgesetzt - für 25 Euro im Monat.
T-Mobile hat bereits nachgezogen. Kunden des größten deutschen Netzbetreibers zahlen 35 Euro pauschal plus 1 Euro für jeden Tag, den sich der Anwender tatsächlich einwählt. Der Tarif ist damit zwar keine echte Flatrate, dennoch sind die Kosten kalkulierbar.
Vodafone und O2 bieten ihren Kunden Zeit- und Volumentarife zu Preisen ab knapp zehn Euro. Dafür kann ein Vodafone-Kunde im Monat zwei Stunden mobil surfen oder 30 Megabyte Daten bewegen. Doch die Preise müssen weiter sinken. Nur dann wird das mobile Internet für den Massenmarkt attraktiv, der sich gegen das Festnetzinternet behaupten kann.
Erstes Indiz für den Aufschwung im mobilen Datengeschäft sind Notebooks mit eingebautem UMTS beziehungsweise HSDPA. Dell, HP und Lenovo haben bereits Laptops mit integriertem Mobilfunkmodul angekündigt. Zwar wenden sie sich mit den Geräten zunächst an Geschäftskunden.
Doch ebenso wie beim drahtlosen Netzwerk per WLAN wird vermutlich auch der Mobilfunk im Notebook seinen Weg schnell in die Privatkundenrechner finden.
(sueddeutsche.de)
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