Mitbestimmung bei Facebook Facebook braucht dringend Geld

Zuckerberg hat diese Klaviatur selbst dann noch mit viel Pathos bedient, als er im vergangenen Mai sein Unternehmen an die Börse brachte. Auch Kleinanleger, so betonte er damals, sollten eine Chance haben. Heute haben sie vor allem einen enormen Schaden. Nachdem gierige Investmentbanker den Wert von Facebook enorm aufgepumpt hatten, platzte die Blase: Fast 40 Prozent an Wert hat das Papier seit der Ausgabe verloren.

Dieses Unternehmen braucht Geld. Facebook, vor allem über Werbung finanziert, muss neue Wege finden, wie das Netzwerk die über seine Mitglieder gesammelten Daten so nutzt, dass Werbekunden mehr zahlen - etwa wenn sie ihre Anzeigen noch passgenauer platzieren können. Deshalb will Facebook, ganz ähnlich wie Google dies schon tut, die Daten aus dem eigenen Netzwerk mit jenem in dem kürzlich zugekauften Fotodienst Instagram verknüpfen. Mitglieder, die mitreden wollen, stören da nur.

Erst recht verwerflich ist, dass Zuckerberg alle jene, die er mit falschen Versprechungen gelockt hat, nun nicht einmal ziehen lässt. Noch immer konnte Facebook nicht glaubhaft machen, dass die Daten der Menschen, die sich endgültig abmelden, auch endgültig gelöscht werden. Hinzu kommt, dass sich Facebook längst ein Monopol geschaffen hat: Mag sein, dass es Netzwerke gibt, die besser auf den Datenschutz achten - aber was hilft das demjenigen, der dort keinen einzigen seiner Freunde findet?

Gemessen an der Zahl derer, die sich dort tummeln, ist Facebook das drittgrößte Land der Welt. Und die Frage, wie dort mit Vertrauen umgegangen wird, entscheidet über die Zukunft dieses Landes: Wird jemand noch posten, dass er gerade einen Kater hat, wenn er ahnt, dass sein Arbeitgeber, vielleicht auch seine Krankenkasse mitliest?

Als Herrscher über Facebook müsste Mark Zuckerberg eigentlich ein eigenes Interesse an einem respektvollen Miteinander in seinem Reich haben. Doch er ist offenbar nicht bereit, dafür selbst ein wenig seiner Macht abzutreten.