Mieten statt kaufen So will Apple den App Store umkrempeln

Apple macht etwa 75 Prozent seines Umsatzes im App Store mit Spielen, bei der Konkurrenz sieht es ähnlich aus. Eines der beliebtesten ist "Candy Crush Saga".

  • Apple hat grundlegende Änderungen für den App Store angekündigt.
  • Entwickler können Apps künftig auch zur Miete anbieten und sich ihre Arbeit monatlich oder jährlich bezahlen lassen.
  • Außerdem will Apple Werbung anzeigen und Apps schneller in den App Store aufnehmen.
Von Helmut Martin-Jung

Fit bleiben, Rauchen aufhören, öffentlicher Nahverkehr, die Lieblingszeitung: Für alles gibt es heute Apps. Doch bei mittlerweile schon mehr als eineinhalb Millionen der kleinen Programme allein in Apples App Store fällt es immer schwerer, gute Apps zu finden. Und, schlimmer noch, viele Smartphone- und Tabletnutzer laden kaum noch neue Apps herunter. Nach Zahlen der Media-Analyse-Firma Comscore haben 2015 in einem Befragungszeitraum von drei Monaten nur noch gut ein Drittel der deutschen Smartphone-Besitzer überhaupt eine oder höchstens eine Handvoll neuer Apps pro Monat installiert.

Das ist aber nur ein Grund für Apple, wieder Bewegung ins Geschäft mit den Apps zu bringen. Die Änderungen, die der Konzern jetzt angekündigt hat, betreffen die Entwickler der Apps ebenso wie die Kunden. Denn künftig soll es für mehr Apps als bisher möglich sein, sie im kostenpflichtigen Abonnement anzubieten. Die Kunden würden dann die Software nicht mehr kaufen, sondern bloß noch mieten.

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Für die Entwickler ist das durchaus reizvoll. Denn bisher müssen sie die Software nicht nur programmieren, sondern auch Updates liefern und bei Problemen nachbessern. Sie bekamen dafür jedoch nur einmalig 70 Prozent des Kaufpreises, oder - bei werbefinanzierten Apps - 70 Prozent der Werbeeinnahmen. Bei einem Abo-Modell dagegen bekämen sie ständig wieder Geld für ihre Arbeit. Und Apples neue Regeln für den App Store sehen vor, dass sie sogar 85 Prozent der Einnahmen bekommen sollen, wenn sie ihre Kunden länger als ein Jahr an sich binden.

Nicht alle Apps eignen sich für ein Abo-Modell

Dies alles aber nur, wenn die Kunden tatsächlich ein solches Abo abschließen. Wie hoch die Bereitschaft ist, für Programme ständig zu bezahlen, muss sich allerdings erst zeigen. Zwar boomen in den USA gerade Musik- und Video-Apps. Doch damit erhält man auch Zugriff auf ständig neue Inhalte. Bei anderen Apps leuchtet nicht ein, wieso man dafür ein Abo abschließen sollte. Dass Fehler in einer Software korrigiert werden, erwarten die Kunden schließlich als normalen Service des Anbieters.

Im Netz wird das auch schon heiß diskutiert. Was passiert, wenn die 50 Apps, die sich jemand irgendwann gekauft hat, in Abonnements umgewandelt werden? Wie viele Nutzer würden dann monatlich oder jährlich dafür zahlen? Auch bei Spielen könnte das schwierig werden. Zwar wird auch für viele Spiele irgendwann zusätzliches Geld fällig, wenn innerhalb der App etwa Spielgegenstände gekauft werden können oder zusätzliche Levels eines Spiels.

Doch auch hier gilt: Einmal gekauft, besitzt man diese Dinge dann auch. Bräche man dagegen ein Abonnement für eine Software ab, hätte man überhaupt keinen Zugriff mehr auf ein Spiel oder nur auf Basisfunktionen. Mit Spielen macht Apple aber derzeit etwa 75 Prozent seines Umsatzes im App Store.

Apple will die Enwickler bei Laune halten

Letztlich liege es an den App-Entwicklern, ob sie es schaffen, Kunden an sich zu binden, sagte Apples Marketing-Chef Phil Schiller der US-Technologie-Webseite The Verge. Es gehe nicht um eine neue Apple-Steuer, sondern darum, die App-Entwickler besser für ihre Arbeit zu entlohnen. Schiller hat im Herbst die Verantwortung für den App Store übernommen und ist sichtlich bemüht, die Entwickler bei Laune zu halten. Viele, vor allem unabhängige Entwickler, hatten sich bei Apple beschwert, dass sie kaum noch eine Chance hätten, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen.

Für die Betreiber der Plattformen sind die App Stores dagegen ein blendendes Geschäft, vor allem für Apple. Allein 2015 hat der Konzern damit mehr als sechs Milliarden Dollar vom Gesamtumsatz mit Apps kassiert. Das ist etwa das Doppelte von Googles Umsatz auf diesem Gebiet - die Käufer teurer Handys geben offenbar auch mehr Geld für Apps aus. Apple hat sich zudem von Google inspirieren lassen und bietet künftig auch Werbeplätze im App Store an, die in Form einer Auktion vergeben werden sollen. Die Anzeigen sollen allerdings nicht in den Suchergebnissen angezeigt werden.

Apple kündigte auch an, das Einstellen neuer Apps in den Stores zu beschleunigen. Bisher dauert es mitunter eine Woche oder mehr, bis eine App den Segen von Apple bekam. Insgesamt erkennt man Schillers Bemühung, wieder Schwung ins App-Geschäft zu bringen und vor allem, die Entwickler nicht zu vergrätzen. Ohne die wäre der Store schließlich ziemlich leer.

Sollte sich das Abo-Modell auf breiter Front durchsetzen, wäre dies eine tief greifende Änderung der App-Ökonomie. Es könnte aber auch zum Bumerang für die Hersteller werden. Denn wenn Apps monatlich bezahlt werden, hält einen nur noch wenig davon ab, von Google zu Apple und umgekehrt zu wechseln, bisher scheuten viele vor diesem Schritt zurück, weil sie ihre ganzen Apps nicht noch einmal kaufen wollen.

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