Gerade Google verfolgt eine ähnliche Strategie wie Microsoft - und ist dem Rivalen dabei im Moment voraus: Die Philosophie der Kalifornier war von Anfang an darauf ausgelegt, im Internet zu agieren und dort Dienstleistungen anzubieten.

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Microsoft arbeitet erst seit kurzem an einer abgespeckten Online-Version seiner Büro-Software Office, Google bietet mit Google Docs solche Programme schon lange im Internet an, wo Nutzer kollaborativ an Dokumenten arbeiten können.

Auch das Entwicklungssystem Google AppEngine ähnelt vom Prinzip her Microsofts Azure - nur ist es bereits seit einem Jahr auf dem Markt. Gerüchten zufolge will Google zudem bereits in naher Zukunft sein kostenloses Computerbetriebssystem Chrome OS auf den Markt bringen.

Die Bedienoberfläche des Computers könnte dann direkt in Googles Browser Chrome wandern - dies wäre eine Revolution und der direkte Versuch, Systeme wie Windows überflüssig zu machen. Mit Firmen wie Acer, HP oder Toshiba haben bereits einige prominente Notebookhersteller angekündigt, ihre kleineren Geräte mit Chrome OS auszurüsten.

Auch mobil wird es schwierig

Anders als Konkurrent Apple fertigt Microsoft außer der Spielekonsole Xbox keine nennenswerten Endgeräte. Einen Teil vom Kuchen erhält Microsoft also bislang nur durch die Bereitstellung seines Betriebssytems.

Doch auch im größten Wachstumsmarkt, dem der mobilen Geräte ist Google gut im Geschäft: Während Microsoft-Chef Steve Ballmer für 2010 ein "Killer-Betriebssystem" für Multimedia-Handys angekündigt hat, weil der Vorgänger Windows Mobile 6.5 bei Kritikern durchfiel, baut ein Handyhersteller nach dem anderen das auf freie Software basierende Konkurrenzsystem Google Android in seine Geräte ein. 2012, so rechnet die Marktforschungsagentur Gartner vor, wird Android nach Nokia das verbreitetste mobile Betriebssystem der Welt sein.

Die Hoffnungen auf Cloud-Systeme sind deshalb entsprechend groß und nähren sich aus der Erkenntnis, dass der wachsende Markt hier noch ohne klaren Vorherrscher ist. Ob Google, IBM, Amazon, Microsoft oder gar Apple, das gerade in North Carolina für eine Milliarde Dollar ein gigantisches Rechenzentrum baut, den Markt aufrollt, ist völlig ungewiss.

In der Sparte warten allerdings auch zahlreiche Fallstricke wie Sicherheitslücken, Kundenskepsis, geringe Gewinnmargen oder fehlende Standards, die dazu führen, dass Nutzer ihre Daten nicht von einem Anbieter zum anderen transferieren können.

Dennoch ist Ray Ozzie, als leitender Softwarearchitekt immerhin der Nachfolger von Bill Gates, überzeugt von der neuen Microsoft-Strategie. Bereits bei der Azure-Vorstellung im Herbst vergangenen Jahres sprach er von einem "Wendepunkt für Microsoft".

Um auf die Datenmassen vorbereitet zu sein, hat das Unternehmen jüngst zwei neue Rechenzentren in Chicago und Dublin in Betrieb genommen. Allein Chicago bietet Platz für 56 mit Servern gefüllte Container. Ein Windows-7-Exemplar aus der Pappbox wirkt bei solchen Dimensionen wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

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(sueddeutsche.de/joku)