SZ: Bei Heimanwendern aber schon?

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Mundie: Es gibt drei Wege, für Software zu zahlen: Kauf, Abonnement und Werbung. Wir haben seit unserer Gründung vor mehr als 30 Jahren nur die ersten beiden Wege genutzt. Wenn wir nun aber anfangen, in Software-Programmen Werbung anzuzeigen, werden die Programme für die Verbraucher billiger - für uns ein neues Geschäftsmodell.

SZ: Sie haben einmal die Programme Word und Excel als Killeranwendungen der ersten Computerwelle bezeichnet. Was sind die wichtigsten Programme von Microsoft für die Zukunft?

Mundie: Wir haben da schon ein paar Ideen, aber man weiß nie, wann neue Killeranwendungen auftauchen, wo sie auftauchen - so war das schon immer im Computergeschäft.

SZ: Wie werden normale Nutzer in einigen Jahren am Computer arbeiten?

Mundie: Ihre Kinder werden vielleicht immer noch ein Textverarbeitungsprogramm verwenden, aber sie werden für ihre Hausaufgaben nicht mehr einfach so ins Internet gehen, eine Suchmaschine starten, hunderttausend Treffer bekommen und sich dann entscheiden müssen, worauf sie klicken sollen. Das wird alles der Computer für sie erledigen.

SZ: Wie soll das funktionieren?

Mundie: Nun, Sie als Journalist könnten dem Computer am Abend vor einem Treffen sagen: Sammle alles, was Craig Mundie in den vergangenen zwei Jahren gesagt und geschrieben hat, fasse es zusammen, ordne es zeitlich ein.

SZ: Was macht Computer so schlau?

Mundie: Computer werden Zusammenhänge verstehen und sich an Dinge erinnern und nicht bloß all unsere Daten daraufhin untersuchen, ob man eher Werbung für einen BMW oder für einen Mercedes einblenden soll.

SZ: Das setzt eine Intelligenz beim Rechner voraus, die er nicht hat.

Mundie: Heute muss man dem Computer Schritt für Schritt vorgeben, was er tun soll. Bei meinem Büroleiter muss ich das nicht, denn er weiß, wie ich arbeite. Warum sollen die extrem leistungsfähigen Computer von morgen nicht die Funktion eines persönlichen Assistenten übernehmen?

SZ: Glauben Sie, dass Computer zu intelligent werden könnten?

Mundie: Nein, überhaupt nicht. Wir müssen mit Bedacht handeln, nicht aus Angst. Bei solchen Super-Technologien ist es wie mit der Kernspaltung. Man kann sie für Kraftwerke nutzen oder um Waffen zu bauen. Man muss die Risiken so klein wie möglich halten, aber die Vorteile überwiegen so stark, dass wir diese Techniken vorantreiben müssen.

SZ: Die jüngsten großen Fortschritte kamen aber eher von anderen, von Apple etwa mit dem iPod oder von Google. Kommt Microsoft noch mit?

Mundie: Technisch gesehen ist doch da nicht viel Revolutionäres. So ist das immer: Zuerst werden viele einzelne Dinge erfunden, manche davon kommen auch schon auf den Markt. Aber am Ende kommt es zu einer Vereinigung all dieser einzelnen Techniken, erst dann verändert sich die technologische Welt von Grund auf. Und genau das wird wieder passieren, und zwar weil es bisher auch immer so passiert ist.

SZ: Irgendwann wird so ein Wechsel einfach fällig?

Mundie: Stellen Sie sich einen Damm vor, hinter dem sich eine Menge Wasser staut. Und irgendwann kommt einer daher mit seiner neuen Anwendung, mit der er das Schleusentor so öffnen kann, dass der Wasserstrom kontrolliert abfließt und man Energie daraus gewinnen kann. Das passiert etwa alle 15 Jahre.

SZ: Was war für Sie die letzte dieser großen Veränderungen?

Mundie: Das waren die graphische Benutzeroberfläche zusammen mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, also Windows, Word und Excel.

SZ: Und das Internet?

Mundie: Das World Wide Web hat dagegen nur ein halben Schritt bedeutet. Hätte es den PC nicht gegeben, hätte es auch das Web nicht gegeben. Aber in den nächsten fünf Jahren wird genügend Wasser hinter dem Damm sein.

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(SZ vom 13.9.2008)