Micro-Tasks Jetzt sollen alle für Google arbeiten

In der App Crowdsource sollen Nutzer für Google auch Handschrift entziffern. Maschinen haben damit oft noch Probleme.

(Foto: Screenshot:Google)

Und zwar auch in der U-Bahn oder auf dem Klo. Der Konzern will für Aufgaben wie Übersetzungen seine Nutzer einspannen. Die machen auch noch mit.

Von Michael Moorstedt

Erstaunlich viele Menschen halten Google ja immer noch vor allem für eine Suchmaschine. Dabei bietet der Konzern mittlerweile mehrere Dutzend unterschiedliche Dienstleistungen an. Da kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Anfang September ist wieder ein neues Produkt hinzugekommen. Crowdsource heißt die App. Sie wurde ganz schlicht ins Netz gestellt, ohne die üblichen Produktvorstellungen. Der Gedanke dahinter ist einfach. Wo immer die Großrechner und Serverfarmen des Konzerns noch Probleme haben, sich die Welt zu erschließen, soll der Mensch nachhelfen. Soll Fotomotive untertiteln, automatisch erstellte Übersetzungen Korrektur lesen, Adressschilder transkribieren oder handgeschriebene Notizen entziffern.

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Wann immer die Nutzer Zeit haben, egal, ob sie gerade in der U-Bahn oder auf der Toilette sitzen, lösen sie also ein paar dieser sogenannten Micro-Tasks und senden sie dann flugs an die Google-Server. Worin der Nutzen für den Nutzer besteht? Für ein weltweit operierendes IT-Konglomerat appelliert Google an erstaunlich altruistische Motive. Dank der neuen App könne jeder einzelne Nutzer "das Internet zu einem besseren Ort machen".

Noch bessere Übersetzungen, noch bessere Orientierung, sei das nicht toll? Alle zehn, 25, 50 abgesandte Aufgaben taucht ein kleiner Comic-Pokal auf dem Bildschirm auf, der den eigenen Fortschritt symbolisiert.

Andere Modelle sind da schon lukrativer. Amazon bezahlt den Crowdsource-Arbeitern in seinem Mechanical-Turk-Service wenigstens Beträge im Mikro-Cent-Bereich. Auch Google selbst hat ein Modell in petto, in dem Nutzer Meinungsumfragen beantworten und dafür Guthaben in der hauseigenen Mediathek erhalten - sie tauschen sozusagen Haltung gegen Unterhaltung.

Trotz allem hat sich schon eine fünfstellige Zahl von Nutzern die App auf ihr Smartphone geladen. Die Erfahrungsberichte sind eher positiv und auch ein bisschen fatalistisch. So gut wie jede Interaktion im Netz helfe ja in der einen oder anderen Art und Weise den IT-Konzernen. Hier könne man doch zumindest für einen halbwegs guten Zweck arbeiten, heißt es. Geschenkt, dass die Crowdsourcing-App mitnichten das gesamte Internet, sondern ausschließlich die Google-Dienste verbessert.

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