Medienkompetenz Online-Werbung verwirrt Kinder und Jugendliche

Jugendliche verbringen viel Zeit im Netz, sind aber bei Online-Werbung oft unkritisch.

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  • Kinder und Jugendliche verbringen zwar viel Zeit im Netz. Über die Hintergründe der Online-Inhalte, die sie konsumieren, wissen viele aber nicht Bescheid.
  • Die Studie kommt aus Großbritannien und wurde von der dortigen Medienaufsichtsbehörde Ofcom durchgeführt.
  • Die Ergebnisse zeigen: Den "Digital Native", der das Netz kennt, weil er, damit aufgewachsen ist, gibt es nicht.
Von Angela Gruber

Auch wenn Kinder und Jugendliche das Netz fast rund um die Uhr nutzen: Mit dem Verständnis für das, was im digitalen Raum passiert, ist es bei vielen nicht besonders weit her. Besonders beim Umgang mit Online-Werbung ist der Nachwuchs häufig unkritisch. Das hat eine britische Studie herausgefunden.

Die Studie kommt von der unabhängigen britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom. Die Behörde veröffentlicht seit 2006 wissenschaftliche Studien über die Medienkompetenz und Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Die Autoren haben im Sommer dieses Jahres über 1000 Interviews mit britischen Eltern-Kind-Gespannen durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Nur ein Drittel der Befragten im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren konnte beim Benutzen von Google korrekt zwischen einem tatsächlichen Suchergebnis und Werbung unterscheiden. In der Altersgruppe der Acht- bis Elfjährigen war der Anteil noch geringer: Dort kannte nur ein Fünftel den Unterschied.
  • Wenn es um Produktwerbung von Youtube-Stars oder anderen Bloggern geht, sind viele Jugendliche schlecht informiert. Nur die Hälfte der Zwölf- bis 15-Jährigen ist sich bewusst, dass durch bezahlte Produktplatzierung in Online-Videos Werbung betrieben wird. Dass Nutzer im Netz personalisierte Werbung angezeigt bekommen, wusste ebenfalls weniger als die Hälfte der Jugendlichen.
  • Ein Fünftel der Zwölf- bis 15-Jährigen glaubt, dass Informationen wahr sind, weil Google sie anzeigt. Nur rund die Hälfte der Jugendlichen hinterfragt den Wahrheitsgehalt der Google-Suchergebnisse. Der Rest achtet bei Suchen nicht auf die Vertrauenswürdigkeit der Seiten. Insgesamt hat die Zahl derer zugenommen, die glauben, dass Informationen aus dem Netz "immer wahr" sind.
  • Facebook verliert an Bedeutung. Auf die Frage, was das wichtigste soziale Netzwerk für sie sei, antworteten nur noch 58 Prozent der Zwölf- bis 15-Jährigen mit Facebook. 2014 waren es 75 Prozent. Snapchat hat seine Beliebtheit deutlich gesteigert. Es wird von elf Prozent der Befragten als wichtigstes Social-Media-Konto angegeben, im Vergleich zu drei Prozent im Vorjahr.
  • Tablets legen deutlich an Beliebtheit zu und sind insbesondere für jüngere Kinder im Grundschulalter das meistgenutzte Gerät, um online zu gehen.
  • Im Vergleich zu 2005 hat sich die Online-Zeit mehr als verdoppelt. Schon die Acht- bis Elfjährigen sind elf Stunden pro Woche online, bei Teens zwischen zwölf und 15 Jahren sind es 19 Stunden. Internetzugang gibt es jetzt auch immer häufiger direkt im Kinderzimmer.

Fazit: Das Bild vom "Digital Native" ist irreführend

Die Studie zeigt: Die Vorstellung vom "Digital Native", dem gewieften Ureinwohner des Internets, ist ein Zerrbild. Obwohl Kinder schon früh Zeit online verbringen, wissen sie dadurch über die Mechanismen großer Internetkonzerne nicht unbedingt mehr als die Alten, die mit dem Netz erst in Berührung kamen, als sie schon den Führerschein hatten.

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