Markenrechte "Wikileaks verbietet uns den Shirtverkauf"

Screenshot der Seite "Get Digital"

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Seit März 2010 verkauft die Seite "Get Digital" T-Shirts von Wikileaks und spendet das Geld an die Plattform. 7500 Euro an Spenden kamen zustande. Doch jetzt muss der Verkauf enden - auf Druck von Wikileaks.

Von Hakan Tanriverdi

Nerds bei der Arbeit, unter diesem Motto betreibt die Internet-Seite Get Digital einen Onlineshop. Es ist ein Gemischtwarenladen, in dem es allerlei zu kaufen gibt: USB-Staubsauger, eine "Schere zum perfekten Schneiden von Pizzastücken" und vor allem: T-Shirts. Doch die Betreiber wollen nicht nur Geld verdienen, sie verstehen sich als Teil der Netzgemeinde in Deutschland. Ab und an werden deshalb T-Shirts mit politischen Aufdrücken verkauft und die Gewinne gespendet - im Sinne der Sache.

Doch Unterstützung allein reicht anscheinend nicht aus. Get Digital gab nun bekannt, den Verkauf von T-Shirts einzustellen, die mit Wikileaks zu tun haben - und zwar auf Druk von Wikileaks. Bis vor kurzem wurde der Gewinn aus solchen Verkäufen fast zu 100 Prozent an die Plattform gespendet.

In einem aktuellen Blogbeitrag erklärt Philipp Stern, einer der Gründer, unter der Überschrift "Wikileaks verbietet uns den Shirtverkauf" die Hintergründe und veröffentlicht eine E-Mail. Sie stammt von der Lizenzagentur Bavaria Media GmbH und enthält die Forderung, den Verkauf der T-Shirts zu unterlassen. Die Mail schließt ab mit einer Drohung: "Sollte Ihr Angebot nicht innerhalb von 14 Tagen von Ihrer Plattform, Webseite oder aus Ihrem Katalog entfernt werden oder wird innerhalb dieser Zeit keine Lizenz für die Nutzung erworben, behalten wir uns vor, weitere rechtliche Schritte einzuleiten."

"Wir reden hier nicht von irgendeiner Firma"

Wikileaks ist nicht nur eine Whistleblower-Plattform, die unter anderem geheime Botschaftsdepeschen veröffentlicht hat, sondern auch eine eingetragene Marke, gemeldet beim Markenamt in Alicante*. Die Lizenzierung erfolgt über Wikilicense, die Markenrechte im deutschsprachigen Raum vertritt Bavaria Media. Wer dagegen verstößt, kann verklagt werden, das weiß auch Philipp Stern. "Aber wir reden hier nicht von irgendeiner Firma", sagt er, "sondern von Wikileaks. Da muss man anders mit umgehen und nicht knallhart auf dieser kommerziellen Schiene."

Es ist ein Gefühl, dass von vielen Nutzern im Netz geteilt wird. Wikileaks gilt als Organisation, die in ihrer Ausrichtung radikal auftritt. Keine Geheimnisse, sondern Transparenz wird gefordert. Assange selbst hat Verbindungen zur Filesharing-Szene - Markenrechte und Lizenzierung klingt nach einer anderen Welt, nach Bürokratie. Die Aktion von Wikileaks wurde dementsprechend harsch kritisiert. So dürfe man nicht mit langjährigen Unterstützern umgehen, damit lässt sich der Grundtenor der Kritik zusammenfassen. Immerhin kamen in knapp viereinhalb Jahren 7500 Euro durch den T-Shirt-Verkauf zusammen.

Bavaria Media verteidigt die Aktion. Das, was Get Digital mache, sei zwar durchaus ein "ehrenwertes Anliegen", aber ändere nichts an der Entscheidung: "Wir werden dargestellt wie eine Abmahn-Kanzlei. Dabei wollen wir ein Modell entwickeln, bei dem viel mehr Gewinn zu Julian Assange gelangt", heißt es auf Anfrage von Süddeutsche.de.

Gesucht wird ein exklusiver Deal

Man versuche Firmen zu finden, die T-Shirts mit dem Aufdruck von Wikileaks verkaufen wollen und Lizenzgebühren zahlen. Sieben Prozent vom Verkaufspreis würden am Ende bei Assange ankommen. Verglichen mit den fast 100 Prozent, die Get Digital spendet, ist das wenig. Aber man suche jemanden, der den Verkauf "im großen Stil" übernehme. Die Masse soll es machen und dafür soll ein exklusiver Deal her - ein Problem, wenn Anbieter wie Get Digital ohne Erlaubnis T-Shirts verkaufen.

Erst in der vergangenen Woche berichtete die Tageszeitung Times of India, dass Assange eine eigene Klamottenmarke entwirft. Jeans und T-Shirts (mit dem Aufdruck "Enemy of the State", zu deutsch: Staatsfeind) sollen in Geschäften in Indien verkauft werden, außerdem über Online-Shops.

Mittlerweile hat Bavaria Media sich bei Philipp Stern gemeldet. In einem Telefonanruf hat sich das Unternehmen für den Ton entschuldigt - man wolle nun schauen, ob es Möglichkeiten gebe, zu kooperieren.

*Artikel wurde aktualisiert. Das zuständige Amt hat seinen Sitz nicht in Valencia, sondern in Alicante. Bitte entschuldigen Sie den Fehler.