Mark Zuckerberg Facebook bin ich

Mark Zuckerberg sieht sich nach den Enthüllungen über schlechten Datenschutz auf Facebook gezwungen, sich zu erklären.

(Foto: AP)

Ein Interview mit Mark Zuckerberg zeigt die Hybris, mit der er auf die Welt blickt: als Monarch mit Super-Aktien, der Demokratie predigt und tut, als hätte er mit Kapitalismus nichts zu tun. Sein Unternehmen agiert wie ein Staat.

Analyse von Jannis Brühl

Die Naivität ist im Rückblick erschreckend. "Die ersten zehn Jahre des Unternehmens war jeder nur auf das Positive fokussiert", sagt Mark Zuckerberg. Kein Facebook-Mitarbeiter kam demnach auf die Idee, dass mit der Macht als wichtigste globale Kommunikationsplattform auch Verantwortung einhergeht. Kritiker warnten vor mangelndem Datenschutz, Propaganda und verbaler Aggression - und wurden ignoriert. Jetzt ist der Sturm da, und der Fokus der Öffentlichkeit liegt auf dem Negativen, auf dem, was bei Facebook schief läuft.

Dass ein Wissenschaftler Daten von fast 50 Millionen Menschen absaugen und an die zwielichtige Firma Cambridge Analytica weitergeben konnte, hat Facebooks Image schwer geschadet. In einem ausführlichen Interview mit Ezra Klein vom US-Portal Vox hat Konzernchef Zuckerberg nun noch einmal Stellung bezogen. Das Gespräch enthüllt, wie er die Welt sieht, und wie er seine eigene und Facebooks Rolle in ihr begreift. Zuckerbergs Antworten offenbaren seine Hybris, in der die Grenzen zwischen Unternehmer und Staatsmann verschwimmen.

Da ist als erstes der Mythos von der "Gemeinschaft": Über diese zwei Milliarden Facebook-Mitglieder spricht Zuckerberg immer wieder, ihre Wünsche seien das Wichtigste. "Gemeinschaft" (community) ist ein PR-Wort aus dem Valley, das den Anschein dörflicher Harmonie erweckt - und so viel besser klingt als das kalte Wort "Nutzer" oder "Leute, denen wir Werbung ausspielen, für die wir pro Jahr 40 Milliarden US-Dollar kassieren".

Ist Facebook zu groß, um "regiert" zu werden?

Der Unternehmer Zuckerberg klingt, als baue er für seine "Gemeinschaft" an einem eigenen Staat. "Governance" sei jetzt wichtig - ein Wort, das man hier im politischen Sinne verstehen muss, als "kluges Regieren". Interviewer Klein weist ihn darauf hin, dass er als CEO ja nicht alle vier Jahre zur Wahl stehe, so ein Konzern sei nicht demokratisch. Zuckerberg bringt dann eine Art "Obersten Gerichtshof" ins Spiel, an dem unabhängige Personen entscheiden sollten, welche Beiträge von Facebook gelöscht werden. So eine Instanz, bei der Menschen im Notfall Einspruch gegen Entscheidungen einlegen könnten, sei nötig für jedes "gut funktionierende demokratische System".

Der Unternehmer Zuckerberg muss Aktionäre zufrieden stellen, und rutscht der Kurs ab, schlägt das auf sein eigenes Vermögen durch. Zugleich ist er Verantwortlicher für eine globale "Gemeinschaft". Der Widerspruch zwischen den zwei Rollen führt zur zentralen Frage, die Zuckerberg nicht beantworten kann: Ist Facebook zu groß, um "regiert" zu werden? Zu seiner Verteidigung kann man ihm zugutehalten, dass ihn auch Regierungen in die Rolle des Staatenbauers gedrängt haben. Sie machen zwar Druck, haben aber selbst keinen durchdachten Plan, wie sie die großen Plattformen regulieren sollen. Das zeigt auch das deutsche Netzwerkduchsetzungsgesetz.