Macht der Netzkonzerne Wo im Internet die Freiheit endet

Im Netz gibt es alles für jeden - immer und überall. Und vor allem gibt es Transparenz, Grenzenlosigkeit und Freiheit. So denkt man sich das. Bis uns Google, Apple und Facebook die Grenzen aufzeigen.

Von Miriam Meckel

Google führt uns vermeintlich direkt ins Reich der grenzenlosen Information

(Foto: dpa)

There is someone in my head but not me - Pink Floyd

Sie steht immer offen, die Pforte der Suchmaschine Google. Sie führt uns vermeintlich direkt ins Reich der grenzenlosen Information. Vermeintlich. Tatsächlich gibt es viele Grenzen und Schranken und auch viel Unauffindbares, wenn wir Google ins Netz gehen. Von alledem sehen und wissen wir fast nichts.

Der Google-Weg ins Netz ist ein Gang durch unsichtbare Schlagbäume, die man nur sehr kenntnis- und trickreich überwinden kann, so wie es der Autor Roberto Bolaño in einer Geschichte aus dem "Geheimnis des Bösen" erzählt. Da hat der Junge Laurato eine Methode entwickelt, mit der er sich automatischen Türen nähert, ohne dass sie sich öffnen. "Wenn Gott allgegenwärtig wäre, sollten automatische Türen immer offen sein." Laurato will den Beweis liefern, dass er die Automatik und so auch den allgegenwärtigen, allwissenden Gott überlisten kann. Und das gelingt.

Er nähert sich in Zeitlupenbewegungen einer automatischen Tür, und irgendwann steht er vor dem Glas, außerhalb der Reichweite der Sensoren, die ihn doch längst hätten erfassen sollen, und legt seine Hände an die Scheiben, um zu spüren, dass da etwas ist. Ein Widerstand. Der Beweis, dass offene Türen nicht gottgegeben sind.

Die Freiheitsgrenze im Netz heißt "Default"

Tatsächlich sind auch an der Google-Pforte eine Menge Sensoren angebracht, die im Moment des Übertritts unsere Profile prüfen, sie anhand des erneuten Eintritts erweitern und anpassen, die uns im Netz verfolgen, um uns schließlich die Informationen zu liefern, die zu uns passen. Wir werden also für uns selbst unsichtbar, ungefragt und ohne unser Entscheiden zu einem Informationsreservoir geführt, das die Google-Algorithmen für uns ausgewählt haben. Vielleicht würden wir anders entscheiden, wenn wir könnten. Wir können aber nicht.

Die neue Freiheitsgrenze im Netz heißt "Default". Sie bezeichnet die Standardeinstellung unseres Eintritts ins Internet. Da gibt es den Suchstandard, der sich in einem Marktanteil von knapp 96 Prozent für Google in Deutschland zeigt. Da gibt es Vernetzungsstandards, die im weltweiten Siegeszug von Facebook und dem Verschwinden alternativer Plattformen, wie Myspace oder StudiVZ, liegen.

Wir lassen uns faszinieren von einem proprietären Standard, den Apple uns aufgibt und der es beispielsweise nicht einmal erlaubt, ein iPad und ein anderes Smartphone per Bluetooth zu koppeln. Was nicht dem Standard entspricht, wird schlicht "nicht unterstützt". Es gibt einen Zustimmungsstandard, der sich im Symbol eines hochgereckten Daumens manifestiert: "like". Und es gibt den Personalisierungsstandard: Ich bin meine eigene Grenze bei der Entdeckung von Neuem.