Von Daniel Brössler

Der Abgeordnete Lutz Heilmann ist kein Einzelfall: Über viele Mitglieder der Linkspartei stehen unangenehme Wahrheiten im Internet.

Lutz Heilmann muss man sich dieser Tage als einsamen Menschen vorstellen. Die von ihm veranlasste zeitweilige Sperrung der deutschen Startseite des Online-Lexikons Wikipedia - www.wikipedia.de - hat ihm nicht nur schlechte Presse bis hin zum Neuen Deutschland eingetragen, sondern auch heftige Kritik in der eigenen Fraktion.

Bild vergrößern

Lutz Heilmann: Wikipedia zeigt schonungslos die Lebensläufe vieler Linken-Abgeordneter auf. (© Foto: dpa)

Anzeige

"Ich weiß, dass Wikipedia ein wichtiges Instrument für demokratische Information ist", verkündet etwa Vize-Fraktionschef Bodo Ramelow in einem auf der Internetseite der Bundestags-Linken abrufbaren Audiobeitrag. Parteichef Lothar Bisky ließ mitteilen, er sei "entsetzt".

Heilmann, den Wikipedia als "ersten ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit" im Bundestag vorstellt, hätte sich besser vorher umgehört, wie man mit unerfreulichen Einträgen lebt und umgeht. Viele seiner Kollegen nämlich kennen das Problem.

Inoffizieller Mitarbeiter (IM)

Über den Abgeordneten und früheren FDJ-Bezirkssekretär Roland Claus ist zu lesen, er sei "am 16. September 1977 vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) unter dem Decknamen Peter Arendt geworben" worden.

Und über den Fraktionskollegen Ilja Seifert findet sich der Eintrag: "Von 1980 bis 1983 und von 1986 bis 1987 war er Stasi-Kontaktperson und Inoffizieller Mitarbeiter als IM Ilja und IM Robert." Im Wikipedia-Aufsatz über den Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi nimmt die "mögliche Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi" sieben Absätze ein, in denen es nicht zuletzt um die Klagen Gysis gegen entsprechende Behauptungen geht.

Ein Teil der östlichen Linkspartei-Abgeordneten hat der Diktatur in der DDR treu gedient. Schonungsloser als in den offiziellen Lebensläufen auf den Internetseiten der Fraktion ist das im Online-Lexikon nachzulesen. Interessanterweise aber sind es in der Fraktion gerade die ostdeutschen Abgeordneten, die ihren Frieden mit der bundesrepublikanischen Demokratie gemacht haben und ein allzu radikales Auftreten fürchten.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Die Wikipedia-Falle
  2. Die Wikipedia-Falle
Leser empfehlen