Legendäre Tauschbörse Napster geht in den USA vom Netz

Sie galt als Mutter aller Online-Tauschbörsen, zuletzt hingegen war Napster nur noch ein mäßig erfolgreicher Streamingdienst: Nach dem Kauf durch einen Konkurrenten geht die Marke nun in den USA vom Netz.

Die Mutter aller Online-Tauschbörsen verschwindet aus dem Internet - zumindest in den USA: Nach mehr als elf Jahren geht die Marke Napster dort offline. Vor wenigen Wochen hatte der Streamingdienst Rhapsody die Marke übernommen, nun verschwindet diese in den USA und die 500.000 verbliebenen Abonnenten werden von Rhapsody übernommen. Einzig in den Deutschland, Großbritannien und Kanada bleibt Napster als eigene Marke erthalten.

Napster war 1999 von Shawn Fanning gegründet worden: Über die dezentrale Peer-to-Peer-Technologie ermöglichte es Napster seinen Nutzern, Musikdateien ohne großen Aufwand über das Internet zu tauschen. Schnell wurde die Musiktauschbörse zum Inbegriff für die Technik des Filesharing - und damit Ziel von Klagen der Musikindustrie und von Bands wie Metallica.

Auf dem Höhepunk Anfang 2001 sollen 80 Millionen Menschen bei Napster angemeldet gewesen sein - zu diesem Zeitpunkt lief allerdings bereits die Klagewelle. Im Februar jenes Jahres zwang die Musikindustrie die Plattform zum Filtern urheberrechtlich geschützten Materials, bereits im Sommer ordnete ein Richter an, den Dienst komplett vom Netz zu nehmen. 2002 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Seither existierte die Marke Napster zwar weiter, die Plattform fungierte jedoch als legaler Streamingdienst für Musik, mal im Abo, mal als werbefinanzierte Plattform. Die Besitzer wechselten häufig, unter anderem gehörte das Unternehmen zwischendurch sogar einmal Bertelsmann. Vor dem Verkauf an Rhapsody besaß die US-Elektronikkette Best Buy die Markenrechte.

Napster brachte niemandem Glück

Napster-Kopf Fanning war nach dem Ende der ursprünglichen Plattform 2002 ebenfalls nicht vom Glück verfolgt: Seine Versuche, eine legale Tauschbörse und ein soziales Netzwerk für Spiele populär zu machen, scheiterten. Besser erging es seinem Mitgründer Sean Parker, der an einem Risikokapitalunternehmen beteiligt ist und Anteile an Facebook besitzt.

Allerdings konnte auch die Musikindustrie nicht vom Erfolg über Napster profitieren: Die Verkaufszahlen für Musik sind trotz legaler Download-Portale rückläufig; der "Napster-Effekt", schnell und kostenlos Zugriff auf Musik erhalten zu wollen, hat zu zahlreichen neuen Filesharing-Diensten geführt.