Künstliche Intelligenz Merkel plaudert mit der Roboterpuppe - und das ist ein Problem

Kanzlerin Merkel unterhält sich mit dem Roboter Sophia, Miriam Meckel hört zu.

(Foto: Antje Homburger/dpa)
  • Auf einer Konferenz spricht Angela Merkel mit dem Roboter Sophia.
  • Die Roboterpuppe ahmt einen Menschen nach und beherrscht mehr als 60 Gesichtsausdrücke.
  • Ingenieure sollten Maschinen nicht vermenschlichen: Es geht darum, sich Technik Untertan zu machen, statt Menschen zu ersetzen.
Von Andrian Kreye

Es gibt ein ungelenkes Wort für die Vermenschlichung von Maschinen: Anthropomorphismus. Ursprünglich stammt es aus der Theologie und beschreibt den Hang der Menschen, sich Götter nach ihrem eigenen Antlitz zu schaffen. Womit man dann auch schon mitten in der Debatte um die künstliche Intelligenz wäre, die oft religiöse Untertöne hat und in der es nicht nur um Technologie geht, sondern auch um das Bild der Menschen von sich selbst.

Als Höhepunkt der Konferenz "Morals & Machines", mit der Wirtschaftswoche-Chefin Miriam Meckel ihre neue Digitalplattform Ada an den Start brachte, traf Kanzlerin Angela Merkel nun auf den Roboter Sophia. Der sieht aus und spricht wie eine junge Frau. Über 60 Gesichtsausdrücke beherrscht die Maschine. Nur am Hinterkopf ist der Schädel kokett aus Plexiglas und gibt den Blick auf Kabel und Platinen frei.

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Kanzlerin und Maschine unterhielten sich dann über künstliche Intelligenz und Cyberfeminismus. Merkel wirkte belustigt skeptisch. Das Thema KI ist ihr wichtig. Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist eine Chance für Deutschland, technologisch wieder aufzuholen.

Nun ist Sophia längst ein Star. Sie alberte im amerikanischen Fernsehen mit dem Talkmaster Jimmy Fallon herum und hatte einen Auftritt in der neuen Staffel der Comedy-Serie "Silicon Valley". Auf die Frage der Kanzlerin, ob man nicht langsam über Rechte für Maschinen nachdenken sollte, antwortete die Maschine überraschend ironisch: "Was meinen Sie - die Stromzufuhr? Oder ein Recht auf Wartung?"

Roboter sollten nicht vermenschlicht werden

Es war aber auch verräterisch, denn Ironie kann man nicht programmieren. Längst gibt es Zweifel, ob man es bei Sophia mit einer echten künstlichen Intelligenz zu tun hat, oder doch nur mit einer vorprogrammierten Puppe. Das eigentliche Problem an Sophia aber ist, dass mit der Vermenschlichung selbstlernender Computerprogramme und Roboter die Entwicklung solcher Maschinen in die falsche Richtung getrieben wird.

In den USA hat sich der Council on Extended Intelligence CXI unter anderem genau dieses Problem zur Aufgabe gemacht. Zu dem gehören neben dem Direktor des MIT Media Lab Joichi Ito und dem sozialkritischen Ökonomen Jeffrey Sachs einige sehr einflussreiche Frauen und Männer aus Wissenschaft, Technologie und Politik.

Der Begriff "künstliche Intelligenz" ist irreführend

Spricht man mit dem CXI-Direktor John Havens über das Problem, dann bekommt man philosophisch sehr komplex erklärt, warum schon der Begriff "künstliche Intelligenz" in die falsche Richtung führt und man eben über erweiterte Intelligenz (extended intelligence) sprechen sollte. Denn nur so kann man den Impuls thematisieren, dass Maschinen gebaut werden, die den Menschen ersetzen und nicht ergänzen.

Jede Vermenschlichung der Maschinen ist zwar ein grandioser Show-Effekt, er gewöhnt die Menschen allerdings auch an den Gedanken, dass diese Maschinen ihnen irgendwann ebenbürtig oder gar überlegen sein könnten. Das jedoch gilt es zu verhindern. Im allerneuesten Testament würde es wahrscheinlich heißen "Macht euch die Maschinen untertan". Und genau das ist die Aufgabe.

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