Künstliche Intelligenz Forscher fordern Ächtung von autonomen Waffensystemen

  • Führende Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz fordern eine Ächtung von Waffen, die in Eigenregie über Leben und Tod entscheiden können.
  • In ein paar Jahren sei die Forschung an einem Punkt angelangt, an dem diese Systeme einsatzbereit wären. Darum müsse nun gehandelt werden.

Autonome Waffen, die dritte Revolution in der Kriegsführung

Mehr als 1000 Wissenschaftler für Robotik und Experten für Künstliche Intelligenz (KI) haben davor gewarnt, die Erkenntnisse ihrer Forschung für Waffen und in Kriegen einzusetzen. Autonome Waffen seien nach Schießpulver und Nuklearwaffen die dritte Revolution in der Kriegsführung. Die Welt stehe unmittelbar vor einem globalen Wettrüsten mit autonomen Waffensystemen, die zu den "Kalaschnikows von morgen" zu werden drohen. Der Brief wurde vom Future of Life Institute (FLI) veröffentlicht. Das ist eine Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Risiken von KI für die Gesellschaft zu untersuchen.

Wer den Brief unterzeichnet hat

Zu den Initiatoren gehören etliche Prominente wie Tesla-Gründer Elon Musk, der Astrophysiker Stephen Hawking (beide im Beirat des Instituts), der US-Intellektuelle Noam Chomsky und Apple-Mitgründer Steve Wozniak. Sie wollen den offenen Brief am morgigen Dienstag auf der International Joint Conference on Artificial Intelligence (IJCAI) in Buenos Aires vorstellen. Neben der Prominenz finden sich auch Hunderte führende Forscher im Bereich der KI unter den Unterzeichnern, etwa Demis Hassabis, Chef der kürzlich von Google aufgekauften Firma Deepmind.

Einsatz sei binnen Jahren möglich

"KI-Technologie ist an einem Punkt angekommen, an dem der Einsatz solcher (Waffen-)Systeme bereits in einigen Jahren, nicht etwa Jahrzehnten, möglich ist", heißt es in dem Brief. Die Wissenschaftler definieren autonome Waffen als Technologie, die selbstständig Ziele auswählen und diese angreifen kann. Als Beispiele genannt werden Drohnen ("Quadcopter"), die nach Menschen mit bestimmten Kriterien suchen und diese dann umbringen. Die Kriterien müssen vorher festgelegt werden, die Suche erfolgt dann in Eigenregie.

Kosten seien vergleichsweise gering

Die Forscher betonen, dass die Kosten für solche Systeme, anders als zum Beispiel für Nuklearwaffen, in einem überschaubaren Bereich liegen. Es sei dadurch ungleich leichter, diese Systeme gegen die Bevölkerung einzusetzen - sei es von Diktatoren oder aber Terroristen. Autonome Waffen seien "ideal", um Attentate auszuführen.

Den Forschern zufolge gebe es viele Möglichkeiten, künstliche Intelligenz in Kriegssituationen einzusetzen - allerdings um die Menschen zu schützen und nicht, um diese zu töten.

Das sagt die Bundesregierung zu autonomen Waffen

Experten haben bereits mehrfach betont, dass es ein Wettrüsten im Bereich von autonomen Waffen gebe. Einrichtungen wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderten die Vereinten Nationen bereits dazu auf, autonome Waffensysteme zu verbieten.

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung (hier das PDF) heißt es: "Deutschland wird sich für eine völkerrechtliche Ächtung vollautomatisierter Waffensysteme einsetzen, die dem Menschen die Entscheidung über den Waffeneinsatz entziehen."