Künstliche Intelligenz Maschine schlägt Mensch - jetzt auch beim Pokern

Mit Poker fällt eine weitere Bastion des Menschen an die Computer.

(Foto: lok)
  • Computer besiegen den Menschen jetzt nicht nur bei den Brettspielen Schach und Go, sondern auch beim Poker.
  • Um den Glücksfaktor auszuschalten, spielten menschliche Profis 120 000 Hände Texas Hold'em gegen eine Software namens Libratus.
  • Nach 18 von 20 Turniertagen liegt die Maschine uneinholbar vorne.
Von Patrick Illinger

Mit Zigarren, Whiskey und bunten Chips-Stapeln hat diese Poker-Runde nichts zu tun. Es geht um harte Arbeit am Computer, zehn Stunden pro Tag, mit Pizza vor dem Bildschirm. Vier der weltbesten Poker-Profis kämpfen derzeit gegen eine neue Poker-Software namens Libratus. Entwickelt haben das Programm Computerwissenschaftler um Tuomas Sandholm von der Carnegie Mellon University im amerikanischen Pittsburgh. Um Geld geht es zwar auch, vor allem aber wird die Ehre der Menschheit verteidigt.

Und es sieht nicht gut aus. Nach 18 von 20 Turniertagen und mehr als 100 000 gespielten Händen liegen die menschlichen Spieler uneinholbar im Rückstand. Somit dominieren Computer nun auch in der Pokerwelt, nachdem Elektronenhirne seit 1997 besser Schach spielen als jedes menschliche Gehirn und im vergangenen Jahr eine selbstlernende Software das Brettspiel Go meisterte. Poker galt lange als uneinnehmbare Bastion der menschlichen Intuition. Die Regeln des Kartenspiels sind zwar simpel. Doch um es zu meistern, genügt es nicht, auf gute Karten zu setzen und mit schlechten zu passen.

Der Faktor Glück wurde ausgeschaltet

Es kommt stets darauf an, den Gegner im Unklaren zu halten und ihn durch das eigene Setzverhalten an der Nase herumzuführen. Glück spielt zwar kurzfristig eine Rolle, weshalb sich Anfänger mitunter für Genies halten. Doch das rächt sich, wenn sie 100, 1000 oder mehr Hände gegen Könner spielen.

Um den Glücksfaktor auszumitteln, spielen die Profis 120 000 Hände gegen Libratus. Gespielt wird die Poker-Variante Texas Hold'em ohne Setz-Limit, und das nicht in großer Runde, sondern knallhart Mann gegen Computer, Heads-Up, wie es in der Pokerwelt heißt. Aus zwei eigenen, dem Gegner unbekannten Karten sowie fünf Gemeinschaftskarten bilden die Spieler die wertvollste Kombination, zum Beispiel Drilling, Flush oder Full House.

Die für den Gegner uneinsehbaren Karten machen den besonderen Reiz aus. Anders als beim Schach oder Go sprechen Mathematiker von einem Spiel mit unvollständiger Information. Weil es auch im echten Leben ständig um Entscheidungen trotz unsicherer Lage geht, in der Medizin, Finanzwelt oder Politik, hoffen die Entwickler von Libratus, ihr Programm kommerziell verwerten zu können.

Das Programm kann sogar bluffen

Eine Stärke guter Poker-Spieler ist es, aus dem Spielverhalten des Gegners viel über dessen Denkweise, Schwächen und idealerweise dessen Karten zu erahnen. Profis achten aus diesem Grund darauf, ihr eigenes Image ständig zu ändern, mal aggressiv, mal zurückhaltend. Ein klassischer Computeralgorithmus sollte dem kaum folgen können. Doch offenbar ist Libratus genau dazu in der Lage.

Besonders der Bluff, also das Vorspiegeln eines vermeintlich guten Blattes, sei eine Stärke des Programms, berichten die Profis fast ehrfürchtig. Zudem sei das Setzverhalten unorthodox: Mit einem eigenen Chips-Stapel von 20 000 Dollar und nur 200 Dollar im Topf vermeiden menschliche Spieler das berüchtigte "All in". Doch Libratus macht solche kaltblütigen Züge.

Unter Pokerspielern gilt jedenfalls der Spruch: Wenn du nach 20 Minuten nicht weißt, wer der Depp am Tisch ist, dann bist du es selbst. Mit diesem Gefühl müssen nun wohl auch die weltbesten Poker-Profis leben.

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