Kubanische Blogger Blogoshäre ist kein Einheitsblock

Ricardo Margolles, 65 und auf Mallorca der älteste exilkubanische Blogger, sagt: "Die kubanische Regierung überwacht ihre Bürger, indem sie sich mit den Bewegungen verbündet, die sie nicht kontrollieren kann, aber bei den Blogs geht das nicht." Die Szene ist grob in drei Gruppen gespalten. Den kritischen "alternativos" stehen die regierungstreuen "oficialistas" gegenüber, und irgendwo dazwischen gibt es noch ein paar Unpolitische.

Subtiler Protest

"Alternativos" klingt nach Alternative; eine gemeinsame Linie verbindet sie aber nicht. Bekannteste Vertreterin der Gruppe ist Yoani Sánchez. Ihr Blog Generación Y erscheint in 17 Sprachen. In Kuba ist der Blog gesperrt, Sánchez selbst wird überwacht. Die Bloggerin betont dabei, keine Dissidentin zu sein. Ihr Protest ist eher subtil: Sie beschreibt einfach den skurrilen Alltag in ihrem Land. Andere, wie Celaya und ihr Blog Sin Evasión, bezeichnen sich offen als regimekritisch.

Die meisten exilkubanischen Blogs werden in den USA geschrieben, wo sich wiederum der Einfluss der konservativen Lobby bemerkbar macht. Als der kolumbianische Sänger Juanes kürzlich ein Konzert in Havanna ankündigte, ging ein Aufschrei durch die kubanische Gemeinde in den USA, die sich von Blogs auf andere Medien ausbreitete. Doch auch hier ist die Blogosphäre kein Einheitsblock mehr. Gerade die Jüngeren wenden sich zunehmend vom radikalen Anticastrismus ihrer Eltern ab und fordern ein besseres Verhältnis zur Heimat.

Leise Hoffnung

Der Blogger Jorge Ignacio Pérez, der in Kuba früher als Journalist beim Paradeblatt der Kommunistischen Partei Granma arbeitete, verkauft heute in Barcelona Elektrogeräte. Er und viele andere erzählen in Palma, dass ihre Veröffentlichungen im Internet auch eine schmerzhafte Selbsttherapie seien. Heimweh, zum Beispiel. "Ein Riesenthema", sagt Aguaya. Auch die Angst vor der Überwachung verfolgt die Blogger bis ins Exil. Jeder hat Angehörige zurückgelassen, die er nicht gefährden will.

Die Hoffnung auf Wandel ist klein, aber es gibt sie. Einige Blogger verweisen darauf, dass private Internetanschlüsse in Kuba nicht mehr illegal seien. Auch wenn die monatlichen Kosten von circa 45 Euro - bei einem Monatslohn von knapp 12 Euro - ohne Auslandshilfe unbezahlbar sind. Die Regierung macht den Bloggern das Leben zwar schwer, aber nicht unmöglich.

Warum? Die Frage kommentierten die Kubaner in Palma mit einem eher ratlosen Achselzucken - und der leisen Hoffnung, dass sich vielleicht doch etwas ändert. "Früher wäre das nicht so gewesen", sagt Pérez. Allerdings sind sich alle Teilnehmer der ersten kubanischen Bloggerkonferenz darin einig, dass ihre Heimat noch einen weiten Weg vor sich hat.