Kryptowährung "Bitcoin ist gescheitert"

Folgt auf den großen Bitcoin-Hype die große Ernüchterung?

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Ein langjähriger Bitcoin-Entwickler glaubt, dass die Kryptowährung dem Untergang geweiht ist. Schuld sei der Streit innerhalb der Community.

Der ehemalige Bitcoin-Entwickler Mike Hearn hat die Kryptowährung in einem Blogpost als gescheitert bezeichnet. Der Grund seien aber nicht technische Probleme, sondern Unstimmigkeiten innerhalb der Entwicklercommunity.

Bitcoin sei immer ein Experiment gewesen, schreibt Hearn, und wie alle Experimente könne es scheitern. Das sei auch kein Problem, wenn Informationen transparent an Nutzer und Investoren weitergegeben würden. Niemand solle mehr Geld in Bitcoin investieren, als er problemlos verlieren könne.

Doch im vergangenen Jahr sei der Informationsfluss fast vollständig zum Erliegen gekommen - viele Investoren seien über relevante Entwicklungen von Bitcoin nicht mehr informiert gewesen. "Innerhalb von nur acht Monaten ist Bitcoin von einem transparenten, Community-getriebenen Projekt zu einem Projekt geworden, das von Zensur und Angriffen auf Bitcoiner geprägt ist."

Unklare Zuständigkeiten in der Entwickler-Community

Ein Teil des Problems seien unklare Zuständigkeiten innerhalb des Führungsteams. Nachdem der geheimnisvolle Bitcoin-Gründer mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto das Projekt verlassen hat, habe er dem erfahrenen Entwickler Gavin Andresen die Leitung übertragen. Weil dieser die Leitung aber nicht allein übernehmen wollte, holte er weitere Entwickler ins Bitcoin-Kernteam - eine Entscheidung, die er später vermutlich bereute.

Denn obwohl die Strukturen und die Bedeutung von Bitcoin über die Jahre hinweg größer wurden, habe es keine klaren Zuständigkeiten und keinen klaren Führungsauftrag mehr gegeben, schreibt Hearn. Deswegen sei die Entscheidung über die Anhebung der Blockgröße innerhalb der Bitcoin-Community immer wieder vertagt worden. Doch diese Unfähigkeit zur Entscheidung habe das Netzwerk an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

Einzelne Transaktionen hätten immer wieder nicht zuverlässig oder nur mit großem Zeitverzug ausgeführt werden können, weil die Blöcke innerhalb der Blockchain schlicht zu klein wurden. Das reale Limit für Transaktionen habe 700 Kbyte pro Sekunde betragen - das würde weniger als 3 Transaktionen pro Sekunde ermöglichen. Eine langfristige Skalierung werde so nicht möglich sein.

Höhere Gebühren als für Kreditkarten

Eigentlich sollten entsprechende Nachfragespitzen durch automatisch steigende Gebühren abgefangen werden. Doch auch dieser Mechanismus würde nicht helfen, das Netzwerk zuverlässig genug zu gestalten, schreibt Hearn. Tatsächlich müssen für Bitcoin-Transaktionen mittlerweile teilweise höhere Preise gezahlt werden, als für die Nutzung von Kreditkarten.

Ein Grund, der die Umstellung behindere, sei der große Einfluss einzelner Miner. 50 Prozent der Blockchain seien unter der Kontrolle nur zweier Miner aus China. Diese würden eine Umstellung auf ein vermeintlich konkurrierendes System behindern, um Investoren nicht zu verunsichern.