Kritik an Volumenbeschränkung Telekom will auch nach 2016 echte Flatrates anbieten

Internet-Verträge mit beschränktem Datenvolumen, gedrosselte Geschwindigkeit, Verletzung der Netzneutralität: Jetzt reagiert die Telekom auf die heftige Kritik an ihrem neuen Tarifmodell. Auch in Zukunft soll es Flatrates ohne Beschränkung geben, gibt Konzern-Chef Obermann bekannt.

Von Sarah K. Schmidt

Die Telekom hat ihre Zwischenbilanz für das erste Quartal 2013 vorgelegt. Doch auf deutlich mehr Interesse als die jüngsten Umsatzzahlen dürften die Äußerungen von Telekom-Chef René Obermann zu den neuen Volumengrenzen bei Internet-Angeboten stoßen.

Die Telekom wolle ihre Preise künftig differenzieren, so Obermann: "Durch Angebote für Durchschnittsnutzer, bei denen soviel Datentransport vom Grundpreis abgedeckt sei, wie die große Mehrzahl der Kunden tatsächlich benötigt. Und mit Angeboten für wenige Prozent Intensivnutzer, die ein unbegrenztes Datenvolumen beinhalten, die dann aber auch ein paar Euro teurer sein werden - aus heutiger Sicht zwischen 10 und 20 Euro im Monat." Der Telekom-Chef weiter: "Wir wollen auch in Zukunft Flatrates anbieten."

Damit distanziert sich der Konzern zum Teil von seiner bisher geplanten Änderung des Tarifmodells, künftig Volumengrenzen in allen Neuverträgen für Festnetz-Internettarife vorzusehen. Ein Telekom-Sprecher bestätigte Süddeutsche.de, dass der Konzern auf den deutlich geäußerten Wunsch der Kunden nach Flatrates reagiert. "Ab 2016, sobald die Drosselung bei Volumenüberschreitung greift, werden wir auch Flatrates ohne Datenbeschränkung anbieten."

Seit dem 2. Mai findet sich in allen Neukunden-Verträgen eine Daten-Obergrenze. Ab 2016 könne bei Überschreitung des Datenvolumens die Geschwindigkeit der Internetverbindung deutlich gedrosselt werden, hatte der Konzern Ende April mitgeteilt. Die Telekom war für diese Änderung der Tarifstruktur heftig in die Kritik geraten - zuletzt auf der Digitalkonferenz Re:publica.

Netzexperten haben an den Volumentarifen vor allem bemängelt, dass der Telekom-Fernsehdienst Entertain im Gegensatz zu konkurrierenden Angeboten etwa von Apple oder Amazon von der Volumenbegrenzung befreit werden soll - und sehen darin einen Verstoß gegen die Netzneutralität. Nach diesem Prinzip sollen alle Daten im Netz gleich behandelt werden. Die Bundesnetzagentur forderte von der Telekom bereits Aufklärung über die Pläne. Kritik kam auch aus der Bundesregierung. Von der gesamten Debatte bleibt mit den nun veröffentlichten Tarifen am Ende womöglich vor allem eine Preiserhöhung für Flatrates übrig.

"Dass wir nicht nur mit Lob überschüttet werden, war klar. Wir ignorieren die Kritik nicht", sagte Obermann nun während der Präsentation der Quartalszahlen. "Unsere Angebote, werden auch 2016 marktgerecht und ihren Preis wert sein."