Illegale Musik- und Filmdownloads im Internet bedrohen die Unterhaltungsindustrie - der Schwarzmarkt mit raubkopiertem digitalen Diebesgut wächst weiter.
Stellen Sie sich bitte mal einen dieser schicken MP3-Player vor, wie sie derzeit überall verkauft werden. Darauf kann man digitalisierte Musik abspeichern, auf den größten Playern an die 20.000 Songs. Wenn wir annehmen, dass ein Song etwa einen Euro kostet, dann tragen Besitzer der speicherstärksten Geräte Musik bis zu einem Wert von Luxusuhren oder Mittelklassewagen in der Hosentasche. Glaubt das jemand?
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Glaubt jemand ernsthaft, dass Musikfans für ihr Faible 20000 Euro investieren? Dass ihre Geräte ausschließlich mit gekaufter Musik gefüllt werden? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man über die Herkunft der Songs schweigt, weil sie mutmaßlich immer aus ,,Musiktauschbörsen im Internet'' stammen?
Damit das aber ein für allemal klar ist: Es gibt im Internet keine Musiktauschbörsen. Auch keine Filmtauschbörsen. Denn getauscht wird dort nicht. Sobald etwas über solche Börsen wandert, wird es vervielfältigt. Auch die englische Entsprechung, ,,Filesharing'', ist irreführend. Was nach St. Martin und fürsorglich geteiltem Mantel klingen will, meint nichts anderes als verlustfreies Klonen: Zwei Mäntel also, wo zuvor nur einer war. Klar, so teilt jeder gerne.
MP3 war der Auslöser
Angefangen hat dieser ganz spezielle Börsenboom im Jahr 1998. Damals kam der gerade 18-jährige Shawn Fanning an der Northeastern University in Boston auf die Idee, Klassenkameraden über das Internet an seiner Musiksammlung teilhaben zu lassen.
Das erschien jetzt möglich, weil am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen sowie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein Format entwickelt worden war, das bei annähernd gleicher Klangqualität die Dateigrößen digitalisierter Musik deutlich minimierte: das MP3-Format. Denn 1998 ächzten die Nutzer noch über langsame und instabile Modem-Verbindungen, an Downloads von unkomprimierter Musik wäre nicht zu denken gewesen.
So fügte Fanning Zweierlei zusammen: Musik nach dem MP3-Standard konnten selbst Modems verkraften. Und zur Verteilung dieser Dateien setzte Fanning ein revolutionäres Verfahren ein: Napster, das berühmteste ,,Zentralisierte Peer-to-Peer-Netzwerk'' in der Internetgeschichte.
Fannings eigener Rechner fungierte darin als eine Art Adressenliste seiner Musikfreunde. Darauf war verzeichnet, wer welche Lieder auf seinem Rechner gespeichert hat und wo dieser Rechner im Netz zu finden war.
Suchte einer aus dem Kreis einen bestimmten Song, so richtete er zuerst eine elektronische Anfrage an Fannings Suchzentrum, das daraufhin in den Registern stöberte und den Suchenden bei Erfolg gleich mit dem Rechner verband, auf dem das gesuchte Stück gespeichert war.
Und weil auch im Internet eine Hand die andere wäscht, wurde jeder Suchende aufgefordert, seine eigene Musik-Sammlung auf Fannings Rechnerliste eintragen zu lassen. So wurde aus demjenigen, der nach Songs fragte, zugleich auch ein neuer Anbieter von Songs.
Digitale Epidemie
Und genau das bedeutet - nach dem englischen Begriff für ,,ebenbürtig'' - ,,Peer to Peer'' (Abkürzung: ,,P2P''): Ein Netzwerk von Computern, die zum Download anbieten (Server) wie um Downloads bitten (Clients). Man kann sich leicht vorstellen, welche exorbitanten Wachstumskurven ein solcher Musikschwarzmarkt aufweist, wenn dort mit jedem neuen Interessenten zugleich das Angebot an Musikstücken für alle wächst.
Dieses Netz aus Gebern und Nehmern wuchs denn auch rasch - und es wuchs immer schneller, denn Napster konnte ja umso mehr Suchende ins Ziel leiten, je mehr Rechner mit Musikfracht sich dem Netzwerk anschlossen. Nicht einmal zwei Jahre nach dem Start von Napster hatten sich weltweit fast 30 Millionen Nutzer in diesem P2P-Netz verfangen. Napster war der Auslöser einer digitalen Epidemie.
Schon bald wurde alles, was in Digitalien von Interesse ist, Playboy-Fotos wie teure Software-Pakete, in den Rachen dieses Vervielfältigungs-Molochs geworfen. Und jetzt erwachten die Rechte-Inhaber. Denn natürlich musste das Treiben der Raubkopierer die Urheber und Produzenten der Inhalte auf den Plan rufen, die den viralen Karrieren ihrer Titel und dem Kostenlos-Rausch nicht tatenlos zusehen konnten.
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Debatte über Urheberrecht
@ Dr. Sorglos:
Sie schrieben:
"Wie kann es sein, dass es einer Industrie gelingt schon einmal prophylaktisch für leere Datenträger abzukassieren, ohne zu wissen was mit diesen später geschieht. Wären sie bereit für ihre neuen Autoreifen schon einmal vorsorglich einen Mautzuschlag für Frankreich zu zahlen? Ein Rechtssystem ist kein starres System und sollte immer dem Rechtsempfinden der Bevölkerung angeglichen werden."
Vielleicht hat es Ihnen mittlerweile jemand erklärt: Nicht die Industrie kassiert prophylaktisch ab. Es ist seit vierzig Jahren Gesetz, dass Sie als Privatmensch Zeitungsartikel fotokopieren und Rundfunksendungen mitschneiden dürfen, ohne die Inhaber der Urheberrechte (Autoren, Komponisten) fragen zu müssen, die Ihnen das sonst eigentich verbieten dürften. Schon wenn Sie in Ihrer Jugend Leerkassetten gekauft haben (eine einzige kostete früher fünf Mark, heute bekommen Sie für das gleiche Geld 20 CD-ROMs), haben Sie immer ein paar Pfennige für die Urheber bezahlen müssen. Die Industrie würde dieses Geld aber nicht Ihnen beim Kaufpreis nachlassen, sie will es selber behalten. Darum prozessiert sie gegen diese Abgaben. Die Alternative, die von der Industrie seit Jahren gefordert wird, ist die Zahlungspflicht pro Nutzung - bei der Sie als Verbraucher eine von diesen Firmen errichtete, aufwändige Infrastruktur mitbezahlen müssten, die zudem akribisch registrieren würde, wer sich wann für was interessiert hat. Auch finanziell würde es bei diesem System für den Konsumenten unersprießlich. Ihr Vergleich mit der Maut ist also grotesk.
Und was die krude Idee angeht, das Rechtssystem dem "gesunden" Volksempfinden - also der Inkompetenz und geistigen Kurzsichtigkeit typischer Stammtischhintersassen - anzupassen: Dann haben wir bald wieder Folter und Todesstrafe.
=160bps gesampleten Titeln werden wohl nicht mehr als 5000 Titel auf dem ggst. Gerät speicherbar sein. Was der Autor unter seinem offensichtlichen Kriminalisierungsdruck vornehm unter den Tisch fallen lässt, ist dass diese Geräte selbstverständlich auch zur Speicherung und Wiedergabe von Videos geeignet sind ...
der autor scheint alle lügen der musikindustrie zu glauben.
ja es gibt sie, die menschen, die einen player mit großer festplatte völlig legal voll kriegen, ohne das man den "wert eines mittelklassewagen" investiert. wie das geht?
in dem man seine alten platten und cds digitalisiert. und hoppla, sobald man das in anständiger qualität tut, kann man die prognosen der playerhersteller, wie viele songs auf die platte passen getrost durch den Faktor 3-4 teilen. Die Zahlen sind nämlich in aller Regel reines Marketinggeschwätz.
Ach ja, und apropos "Songs": Dieses Rechnen in Liedern ist auch eher etwas für Schulkinder unf Fans von Castingshows. Ich rechne in Alben. Und auf meinen 30 GByte fassenden Player passt nicht mal ein Bruchteil dessen, was hier auf (Original)CDs rumsteht. Von den ganzen (legalen) Radiomitschnitten, gekauften MP3s und Alben, die mir Freunde in Form von legalen Privatkopien weitergereicht haben ganz zu schweigen.
Wie sie sehen, man kann einen großen Player ganz legal betanken, ohne sich in Tauschbörsen oder den grottenschlechten Downloadangeboten der Majors bedienen zu müssen. Das können sie mir getrost glauben, Herr Graff.
Gruß, Marinelli
PS: Die SZ verliert mit praktisch jedem Artikel, in dem das Wort "Internet" vorkommt meinen Respekt ein Stückchen mehr. Was ist los, habt ihr Angst?
Ja genau, die arme Musikindustrie, welche ja nur die Rechte des kleinen Künstlers schützen will. So kleine Künstler wie Madonna, Britney, Christina usw.
Aus der leidvollen Erfahrung meiner besten Freunde, von denen einer ein kleines Record-Label betreibt, weiß ich das es für den kleinen Künstler in Deutschland nix zu holen gibt, dafür sorgt allein die GEMA. Durch erzwungene Mitgliedschaft werden Gebühren eingefordert, aber wenn es um "Auszahlungen" geht kommen patzige antworten. "Du mit deiner Plattenauflage von 200 Stk.? Sei froh das du uns nicht noch was Zahlen must!"
Der kleine Künstler wird schon intensiv unterst... äh... geschröpft.
Die Musikindustrie hat das Internet verpennt, jetzt soll der Endabnehmer bluten.
Wenn ich z.B. einen Trend an der Börse (wie Energiemarkt) verschlafe, kann ich doch auch nicht zu meinem Depotanbieter gehen und mich beschweren das ich dadurch "Geld verloren" habe. Der Realist nennt es übrigens statt "Geld verlieren", "Gewinn nicht erzielen". Denn Geld das garnicht eingenommen wurde, kann man doch garnicht als "Verlust" rechnen? Oder bin ich nur Engstirnig?
http://www.cuxtech.de/index.php?option=com_content&task=view&id=40&Itemid=46
wers schon gesehn hat, okay. wers noch nicht gesehn hat, dem wünsch ich viel spass :D
"am anfang stand gott, und gott war das wort".... ähnlich zu übertragen auf das fraunhofer institut und auf jenen, der p2p erst möglich gemacht hat. zudem hat es die industrie schlichtweg verschlafen (wie immer übrigens) sich dagegen zu schützen. aber es wird, trotz noch solch grosser bemühungen nie den perfekten schutz geben. das beweist schlichtweg die neueste umgehung von dvd-hd und blueray kopierschutzmechanismen (tipp: "muslix64").
wenns nach den musikindustrie geht, dürften wir keine tonträger haben, keinen einzigen. denn dieser unterbindet deren geschäfte und deren profitgier.#
grüsse.
Paging