Von Hans-Jürgen Jakobs

Die Video-Plattform Youtube zeigt Serien, Filmsequenzen und Werbefilme - und verletzt dabei Urheber- und Lizenzrechte.

Das wahre Leben kann so aufregend sein. Da versucht jemand minutenlang, sein Auto in einer italienischen Stadt in eine kleine Parklücke zu manövrieren und stellt sich dabei dilettantisch an. Ein anderer baut sich Treibsätze an seinen Tretroller und bringt das Vehikel tatsächlich für ein paar Sekunden zum Fliegen.

(© Screenshot: sde)

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Oder zwei Wale werden bei sexuellen Handlungen im Meeres-Aquarium gefilmt. Oder ein amerikanischer Junge politisiert in seinem Video Dylan's Couch über die Geschichte des Landes und turnt dazu auf einem Sofa.

Von solcher eher unschuldigen Machart sind viele Filmchen auf der Internet-Plattform YouTube, dessen Name bei Eingeweihten für größtes Entzücken und Entrücken sorgt. Aber in diesem Sammelsurium elektronischer Besonderheiten finden sich immer wieder mal auch Werke, die offenbar einfach so von anderen Bildschirmen genommen und in die YouTube-Bildschauen eingestellt wurden. Das finden die Nutzer spaßig - die Urheber der Werke jedoch nicht.

Google soll Lizenzgebühren zahlen

So meldeten sich im vorigen Oktober finanzkräftige Medienkonzerne bei YouTube, nachdem die beliebte Online-Plattform (mehr als 100 Millionen Abrufe pro Tag) vom Börsenliebling Google für 1,65 Milliarden Dollar gekauft worden war.

Sie kündigten juristische Schritte an, um ihre Rechte zu schützen. Unter den Beschwerdeführern sind zum Beispiel der Medientycoon Rupert Murdoch (Fox TV), der sich selbst mit MySpace eine riesengroße Internet-Spielwiese gekauft hat, sowie zum Beispiel NBC Universal und Viacom (CBS, MTV).

Das Big Business will nicht länger akzeptieren, dass die Macher des Aufsteigers YouTube mit Ausschnitten aus konventionellen TV-Shows das eigene Online-Angebot fördern und dafür keinen Cent zahlen. Die Forderung: 150000 Dollar sollen für einen widerrechtlich eingesetzten Film fällig sein.

Einige Wochen später schrieb die deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte den neuen YouTube-Eigentümer Google an und verlangte Lizenzgebühren. Google wurde aufgefordert, Videos mit nichtlizenzierter Musik zu entfernen.

Mancher fühlt sich schon an das Debakel rund um die Musiktauschbörse Napster erinnert, die Ende der neunziger Jahre ein Riesenerfolg war, dann aber nach Urheberrechtsklagen großer Musikfirmen in die Knie ging und die Erver abschalten musste (siehe Text links). Deshalb versuchen die Beteiligten offenbar, in Verhandlungen die Zahlungsmodalitäten zu regeln.

Schutz durch maximale Länge

Das Angebot von YouTube ist voll mit TV-Bildern. So wird gezeigt, wie die in den USA bekannte Rosie O'Donnell in einer ABC-Talkshow gegen Präsident George W. Bush wettert und ein Amtsenthebungsverfahren (,,Impeachment'') fordert.

Immer wieder gibt es Ärger wegen Rechten: Die Kollegen von NBC forderten YouTube etwa erfolgreich auf, eine Folge der TV-Show Saturday Night Live zu entfernen. Auch die deutschen Sender schauen genau zu. Freilich war das ZDF erfreut, dass hier der in der eigenen Kultursendung Aspekte vorgestellte Kurzfilm Der Bonker von Walter Moers auf YouTube lief - das sei eine gute PR.

Seit einigen Tagen gibt es auch eine erste Klage. Der Journalist Robert Tur hatte vor 14 Jahren die Unruhen in Los Angeles von einem Hubschrauber aus gefilmt und dokumentiert, wie ein Lkw-Fahrer geschlagen wurde. Ohne seine Zustimmung gelangte das Video auf YouTube.com. Der Reporter klagt nun 150.000 US-Dollar von dem Unternehmen ein.

Aus Furcht vor solchen Urheberrechtsprozessen hat sich YouTube zu Jahresanfang etwas einfallen lassen: Nun werden nur noch Videos hochgeladen, die maximal zehn Minuten dauern. Eine eigene Untersuchung hatte ergeben, dass längere Filme meist urheberrechtlich geschützt sind. Vielleicht haben sie bei YouTube ja einfach ,,gegoogelt''.

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(SZ vom 27.01.2007)