Die Video-Plattform Youtube zeigt Serien, Filmsequenzen und Werbefilme - und verletzt dabei Urheber- und Lizenzrechte.
Das wahre Leben kann so aufregend sein. Da versucht jemand minutenlang, sein Auto in einer italienischen Stadt in eine kleine Parklücke zu manövrieren und stellt sich dabei dilettantisch an. Ein anderer baut sich Treibsätze an seinen Tretroller und bringt das Vehikel tatsächlich für ein paar Sekunden zum Fliegen.
(© Screenshot: sde)
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Oder zwei Wale werden bei sexuellen Handlungen im Meeres-Aquarium gefilmt. Oder ein amerikanischer Junge politisiert in seinem Video Dylan's Couch über die Geschichte des Landes und turnt dazu auf einem Sofa.
Von solcher eher unschuldigen Machart sind viele Filmchen auf der Internet-Plattform YouTube, dessen Name bei Eingeweihten für größtes Entzücken und Entrücken sorgt. Aber in diesem Sammelsurium elektronischer Besonderheiten finden sich immer wieder mal auch Werke, die offenbar einfach so von anderen Bildschirmen genommen und in die YouTube-Bildschauen eingestellt wurden. Das finden die Nutzer spaßig - die Urheber der Werke jedoch nicht.
Google soll Lizenzgebühren zahlen
So meldeten sich im vorigen Oktober finanzkräftige Medienkonzerne bei YouTube, nachdem die beliebte Online-Plattform (mehr als 100 Millionen Abrufe pro Tag) vom Börsenliebling Google für 1,65 Milliarden Dollar gekauft worden war.
Sie kündigten juristische Schritte an, um ihre Rechte zu schützen. Unter den Beschwerdeführern sind zum Beispiel der Medientycoon Rupert Murdoch (Fox TV), der sich selbst mit MySpace eine riesengroße Internet-Spielwiese gekauft hat, sowie zum Beispiel NBC Universal und Viacom (CBS, MTV).
Das Big Business will nicht länger akzeptieren, dass die Macher des Aufsteigers YouTube mit Ausschnitten aus konventionellen TV-Shows das eigene Online-Angebot fördern und dafür keinen Cent zahlen. Die Forderung: 150000 Dollar sollen für einen widerrechtlich eingesetzten Film fällig sein.
Einige Wochen später schrieb die deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte den neuen YouTube-Eigentümer Google an und verlangte Lizenzgebühren. Google wurde aufgefordert, Videos mit nichtlizenzierter Musik zu entfernen.
Mancher fühlt sich schon an das Debakel rund um die Musiktauschbörse Napster erinnert, die Ende der neunziger Jahre ein Riesenerfolg war, dann aber nach Urheberrechtsklagen großer Musikfirmen in die Knie ging und die Erver abschalten musste (siehe Text links). Deshalb versuchen die Beteiligten offenbar, in Verhandlungen die Zahlungsmodalitäten zu regeln.
Schutz durch maximale Länge
Das Angebot von YouTube ist voll mit TV-Bildern. So wird gezeigt, wie die in den USA bekannte Rosie O'Donnell in einer ABC-Talkshow gegen Präsident George W. Bush wettert und ein Amtsenthebungsverfahren (,,Impeachment'') fordert.
Immer wieder gibt es Ärger wegen Rechten: Die Kollegen von NBC forderten YouTube etwa erfolgreich auf, eine Folge der TV-Show Saturday Night Live zu entfernen. Auch die deutschen Sender schauen genau zu. Freilich war das ZDF erfreut, dass hier der in der eigenen Kultursendung Aspekte vorgestellte Kurzfilm Der Bonker von Walter Moers auf YouTube lief - das sei eine gute PR.
Seit einigen Tagen gibt es auch eine erste Klage. Der Journalist Robert Tur hatte vor 14 Jahren die Unruhen in Los Angeles von einem Hubschrauber aus gefilmt und dokumentiert, wie ein Lkw-Fahrer geschlagen wurde. Ohne seine Zustimmung gelangte das Video auf YouTube.com. Der Reporter klagt nun 150.000 US-Dollar von dem Unternehmen ein.
Aus Furcht vor solchen Urheberrechtsprozessen hat sich YouTube zu Jahresanfang etwas einfallen lassen: Nun werden nur noch Videos hochgeladen, die maximal zehn Minuten dauern. Eine eigene Untersuchung hatte ergeben, dass längere Filme meist urheberrechtlich geschützt sind. Vielleicht haben sie bei YouTube ja einfach ,,gegoogelt''.
(SZ vom 27.01.2007)
"die deutsche Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte"
was soll das denn?
Vielleicht probieren wir es mal mit "GEMA", Herr Jakobs?
Ganz falsch? Nicht ganz.
YouTube ist doch voll mit Filmchen deren Copyright weder bei den Einsendern liegen noch bei YouTube. Die Einsender scheren sich natürlich überhaupt nicht um sowas wie "Coypright", und YouTube lebt zum Teil vom Bruch des Gesetzes (nicht schlecht: 1.650.000.000).
Vieles wird vom heimischen TV kopiert, oder von ganz offiziellen DVDs. Zum Beispiel die vielen Ausschnitte und Mitschnitte von TV und von offiziellen DVDs. Oder die Beispiele die der Artikel nennt.
Beschwert man sich, also weist YouTube nett und sachlich auf die Verletzung des Copyrights hin (weil man, wie ich in einigen Fällen), der Geschädigte ist, bekommt man eine Antwort, die die Lust am weiteren Vorgehen gegen YouTube einschlafen läßt; was wohl beabsichtigt ist :-) ...denn wenn all die Copyright-Verletzungen draussen wären, würde YouTube nur noch den privaten Schwachsinn zeigen, der übrig bleibt. Viele Leute, gerade die Popmusik-Liebhaber, wollen aber die Filmchen und Mitschnitte ihrer Stars sehen. Und denen sind Copyright-Fragen egal. Hauptsache: umsonst.
Klaus
oberflaechlich und teilweise ganz falsch. Naja, Hans Leyendecker entruestet sich auch gerne