Kooperation mit E-Plus Whatsapp will Mobilfunkanbieter werden

Whatsapp-Chef und -Gründer Jan Koum auf dem Mobile World Congress in Barcelona

Konkurrenz für T-Mobile und Vodafone? Whatsapp will in Deutschland in Zukunft auch Mobilfunk-Verträge verkaufen und dafür das Netz von E-Plus nutzen. Auch Sprachanrufe sollen die mehr als 450 Millionen weltweiten Whatsapp-Nutzer bald über die beliebte Smartphone-App tätigen können.

Kurznachrichten, Fotos und kurze Tonaufnahmen kann man bereits verschicken. Aber Whatsapp ist das nicht genug: Der Kurzmitteilungsdienst wird in Deutschland künftig auch als Mobilfunkanbieter auftreten. Der Netzbetreiber E-Plus teilte mit, dass dazu eine Vereinbarung mit dem US-Unternehmen geschlossen worden sei. Bereits im Frühjahr werde unter der Marke Whatsapp ein Mobilfunkangebot auf den Markt kommen - im Netz von E-Plus.

Für den hierzulande drittgrößten Mobilfunkanbieter biete sich mit der Kooperation die Gelegenheit, "eine überaus datenaffine Kundengruppe" zu erschließen. E-Plus richte sein Geschäft schon jetzt verstärkt auf mobiles Internet aus. Den Angaben zufolge nutzen mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland Whatsapp. In der vergangenen Woche hatte das soziale Netzwerk Facebook mitgeteilt, es werde den Kurzmitteilungsdienst für 19 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) kaufen.

Am Montag kündigte Whatsapp-Gründer Jan Koum beim World Mobile Congress in Barcelona an, dass die Anwendung künftig nicht nur wie bislang den Austausch von Kurzmitteilungen anbieten werde, sondern ab dem zweiten Quartal auch eine Telefon-Funktion. Von der Kooperation mit E-Plus sei dieser Plan aber unabhängig, sagte ein E-Plus-Sprecher.

Verdrängung der SMS

Whatsapp gehört zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen (Apps) der Welt. Es ermöglicht Handy-Besitzern, über eine Internetverbindung Kurznachrichten und Fotos an Freunde und Bekannte zu verschicken - und kostet deshalb fast nichts. Schließlich haben die meisten Nutzer eine Internet-Flatrate.

Whatsapp verdrängt zunehmend die herkömmliche Kurznachricht SMS, an der die Netzbetreiber kräftig verdienen. Weltweit setzte die Branche voriges Jahr mit SMS nach Berechnungen der Marktforscher von Ovum 120 Milliarden Dollar um. Durch den Siegeszug von Whatsapp gehen dem Telekom-Konzernen weltweit also Milliarden-Erlöse verloren.

"Unser Ziel ist es, weltweit auf jedem Mobiltelefon vertreten zu sein." Derzeit zählt Whatsappp mehr als 450 Millionen Nutzer, die über ihr Smartphone oder ihren Tablet-Computer Nachrichten verschicken. Nächstes Etappenziel ist Koum zufolge die Marke von einer Milliarde, die nächstes Jahr geknackt werden soll.