Wer im Angesicht fremden Leids nicht das korrekte Maß an Mitleid zeigt, kann sich ernsthaft unbeliebt machen. Diese Gefahr sehenden Auges in Kauf nehmend, sei folgendes gesagt: Die Aufregung über die Mydoom-Viren ist maßlos übertrieben.
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Wie kann man ernsthaft einen Computerschädling als wirklich gefährlich beschreiben, der nur dann Rechner infizieren und sich weiterverbreiten kann, wenn eine ganze Menge von Nutzern ihn anklickt? Seit Jahren predigen Sicherheitsexperten, niemand solle die so genannten Attachments öffnen, wenn auch nur der leiseste Verdacht besteht.
Lieber nochmal selbst bei engen Freunden nachfragen, ob die Mail mit dem Anhang mit Absicht verschickt wurde und was der Anhang enthält.
Zweite Regel: Auf die Endung kommt es an - exe, cmd, bat und etliche andere sollten tabu sein; selbst bei komprimierten Dateien (zip) sollte man vorsichtig sein.
Viele dieser Dateitypen hatte Microsoft, das den Ruf seiner Produkte aufgrund von Sicherheitslücken verbessern will, bei aktuellen Versionen seines E-Mail-Programms "Outlook" auf den Index gesetzt.
Nach vielen Protesten kursierten schnell Rezepte, wie man gesperrte Anhänge doch öffnen könne. Daraus lernt man: Vielen Computernutzern ist ein bisschen Bequemlichkeit wichtiger als die eigene Sicherheit.
Da es bei Mydoom aber auch um den Schutz der eigenen Kreditkartennummer und der Passwörter geht, werden hoffentlich viele Nutzer erkennen: Ihr Verhalten ist ein Teil der Gefahr. Der Virenautor konnte es sich ersparen, dafür Programmzeilen zu entwerfen und sie in seinem E-Mail-Anhang zu verschicken. Ein Teil des Virus saß schon vor dem Rechner.
(SZ vom 4.2.2004)
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