In den USA versuchen 20.000 Internetnutzer, Spammern Einhalt zu gebieten: Sie ködern die Sammler digitaler Adressen, um über sie per Gerichtsentscheid an die Hintermänner zu gelangen.
Sie kommen jeden Tag: Elektronische Kriechtiere, die nach Verwertbarem schnüffeln, Spinnen, die ihre virtuellen Netze auslegen, und Roboter, die nur einen einzigen Auftrag haben: sich vollautomatisch durch Webseiten zu klicken auf der Suche nach einem der Rohstoffe des digitalen Zeitalters - E-Mail-Adressen.
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Adressen, an die dann die unverlangten elektronischen Werbesendungen für Potenzpillen, Plagiate und anderen Plunder geschickt werden. Ein paar Hunderttausend Euro pro Monat verdienen die Größen der Branche mit Spam, dem elektronischen Werbemüll.
Einige dieser Spammer aber werden dieser Tage selbst unliebsame Post erhalten. 20000 Internetnutzer haben sich zusammengetan und vor dem U.S. District Court in Alexandria, Virginia, Klage gegen Unbekannt erhoben.
Das Besondere an dem Fall ist nicht nur die ungewöhnlich hohe Zahl der Kläger. Angriffspunkt sind nämlich nicht die Versender der Spam-Mails, sondern diejenigen, die ihnen die Adressen dafür liefern.
Der "Honigtopf" als Leimrute
Um ihnen auf die Schliche zu kommen, hat ein Zusammenschluss von Spam-Gegnern ein Netz sogenannter Honigtöpfe aufgestellt. Das sind Seiten im Internet, die nur einen Zweck verfolgen: Den automatischen E-Mail-Erntemaschinen eine E-Mail-Adresse anzubieten.
Diese aber wird für jeden Aufruf der Seite neu generiert und es wird dabei auch protokolliert, von welchem Computer aus die Anfrage kam. Der Computer meldet sich dabei zwar nicht mit einem Namen an, hinterlässt aber in aller Regel seine Internetadresse, eine Ziffernfolge.
Da jede E-Mail-Adresse im Honigtopf nur ein einziges Mal erzeugt wird, lässt sich zumindestens beweisen, dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen einem Rechner, der sich diese E-Mail-Adresse geholt hat, und einem Spam-Versender, der an genau diese einmalige Adresse unverlangt seinen Werbemüll schickt.
Das Honigtopf-Projekt gibt es bereits seit einigen Jahren. Gegründet von der Anti-Werbemüll-Firma Unspam verschafft es Seitenbetreibern vom Großversender bis zum Privatmann kostenlos die Möglichkeit, eine digitale Leimrute auszulegen.
100 Milliarden Mails pro Tag
Unspam sammelt die Ergebnisse ein, und die Spammer können in den Statistiken auf der Webseite von Unspam selbst nachsehen, von welchen Adressen aus der meiste Werbemüll verschickt wird. Den Überblick zu behalten, mag gar nicht so einfach sein, schließlich werden derzeit einer Studie der Marktforschungsfirma IDC zufolge weltweit fast 100 Milliarden E-Mails gesendet - pro Tag. 40 Milliarden davon sind Spam.
Mit Ärger rechnen müssen hauptsächlich Adress-Sammler und Werbemüll-Versender in den USA. Ihnen hofft man auf dem Umweg über die Adress-Sammler auf die Spur zu kommen, wie Matthew Prince, Geschäftsführer von Unspam, der Zeitung Washington Post sagte: "Wenn wir die Adress-Sammler lokalisieren, könnten wir gute Hinweise darauf bekommen, wer an der Spitze dieser Werbemüll-Aktivitäten steht."
Viele benutzen zur Verbreitung von Spam nicht etwa ihre eigenen Rechner, sondern greifen auf Netze gekaperter privater PC zurück. Diese werden mit präparierten E-Mails attackiert und dann zu Spam-Bots, zu vollautomatischen Werbemüll-Schleudern umgepolt. Die meisten der Adress-Sammler kommen tatsächlich aus den USA, gefolgt von Rumänien, Japan und - gleichauf - Deutschland und China.
(SZ vom 27.04.2007)
Kaum hatte ich meinen Mail-Account bei T-Online eingerichtet, bekam ich auch schon die erste Spam-Mail, kaum 15 Minuten danach. Noch bevor ich die Adresse überhaupt jemandem mitteilen konnte. Meine Freundin hatte sich mit einem nagelneuen Notebook bei T-Online eingeloggt und sich prompt einen Virus eingefangen noch bevor sie ihre Mails überhaupt abrufen konnte!
Ich befürchte, dass die Provider im großen Stil E-Mail Adressen verkaufen und mit den Spammern irgendwie unter einer Decke stecken... Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, jemals eine Einwilligung zur Weitergabe meiner Adresse gegeben zu haben.
... ist die Dummheit der Leute. Solange es Menschen gibt, die sich ihr Geldkonto von PIN-Piraten raeubern lassen, auf Viagra- und Enlargement-Angebote klicken etc., ist auch die Spamflut nicht einzudaemmen. Anstatt viel Energie und Geld in die Verfolgung von Spammern zu investieren, die im weltumspannenden Internet ohnehin nicht zu greifen sind, sollte man lieber ueber Alternativen diskutieren, die teilweise schon realisiert sind:
Z.B. koennte man fuer den Empfang von Email Geld verlangen. Einen Cent sollte es schon Wert sein, wenn eine Email gelesen werden soll. Gleichzeitig ist der Betrag hoch genug, um die Spamflut unrentabel zu machen. Gute Spamfilter sind aeusserst wirksam. Der kommerzielle Filter an meiner Arbeitsstaette holt pro Monat ca. 2000 Spam-Mail aus der Flut und ist dabei so effektiv, dass es auch Tage ohne jeden Spam im Eingangsordner gibt. Gleichzeitig ist mir auch kein Fall bekannt, dass in den letzten drei Jahren eine echte Email versehentlich geloescht worden waere.
Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen, die vom Spam profitieren ist ja eine noble Idee, funktioniert aber nicht. Nigeria-Konnektion, dubiose Viagra-Versender und Aktien-Meldungen sind halt keine Firmen, die greifbar wären. Dazu käme die Gefahr, für eine Firma mehrfach Spam-Aktionen zu fahren um sie zu diskrediteren.
Kommen wir aber zum Problem der Spambots. Das sind Rechner die durch Trojaner gekapert werden und dann massenhaft Spam versenden. DSL tut hier einiges dazu, dass der Spam immer mehr wird. Einer der schlimmsten Kandidaten ist im Moment Alice DSL, da dieses System keinen wirklichen Router beinhaltet sondern den Rechner mit der IP direkt ins Internet einbindet. Damit sind diese Rechner offen für alle Pakete, die von außen kommen. Sitzt man hinter einem richtigen Router, dann ist man relativ sicher und kann sich ohne eigenes Zutun eigentlich nichts einfangen. Ein Bekannter von mir bekam Alice DSL und den entsprechenden Router dazu. Er ist IT-Beschäftigter, kennt sich also bestens aus. Nach 2 Stunden merkte er, dass da hoher Traffic nach draußen geht. Er hatte sich einen Trojaner eingefangen, weil dieses DSL-Modem eben nicht als Router fungiert. Vielleicht wäre eine Regelung angebracht, die DSL-Firmen verpflichtet sichere Zugänge bereit zustellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele neue DSL-Kunden Spam versenden ohne es zu merken.
Leider werden solche Versuche Spam einzudämmen nicht viel bringen. Gehen die Spammer halt auf eine Insel oder in ein Land, dass keine harten Gesetze gegen Spam hat. Trotzdem Spam ist lästig und jeder der Werbemüll verschickt sollte bestraft werden.
Ich finde es gut, das die Süddeutsche die Kommentare moderiert. Man muss aber nicht jede Löschung verstehen oder befürworten.
Dann werde ich es mit anderen Worten ausdrücken:
Eine Belohnung für die Lieferung sachdienlicher Hinweise zur Ergreifung von Spammern, das Recht für den Staat per Spam mehrfach beworbene Unternehmen aufzulösen und die Vermögenswerte einzuziehen sowie empfindliche Sanktionen für die Verursacher erscheinen mit mit Blick auf den weltwirtschaftlichen Schaden durch Spam als erste Maßnahme angemessen.
Ich gehe davon aus, das dies nun nicht ebenfalls einer übersensiblen Moderation zum opfer fällt.
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