Von Helmut Martin-Jung

In den USA versuchen 20.000 Internetnutzer, Spammern Einhalt zu gebieten: Sie ködern die Sammler digitaler Adressen, um über sie per Gerichtsentscheid an die Hintermänner zu gelangen.

Sie kommen jeden Tag: Elektronische Kriechtiere, die nach Verwertbarem schnüffeln, Spinnen, die ihre virtuellen Netze auslegen, und Roboter, die nur einen einzigen Auftrag haben: sich vollautomatisch durch Webseiten zu klicken auf der Suche nach einem der Rohstoffe des digitalen Zeitalters - E-Mail-Adressen.

Spam

(© Foto: iStockPhoto)

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Adressen, an die dann die unverlangten elektronischen Werbesendungen für Potenzpillen, Plagiate und anderen Plunder geschickt werden. Ein paar Hunderttausend Euro pro Monat verdienen die Größen der Branche mit Spam, dem elektronischen Werbemüll.

Einige dieser Spammer aber werden dieser Tage selbst unliebsame Post erhalten. 20000 Internetnutzer haben sich zusammengetan und vor dem U.S. District Court in Alexandria, Virginia, Klage gegen Unbekannt erhoben.

Das Besondere an dem Fall ist nicht nur die ungewöhnlich hohe Zahl der Kläger. Angriffspunkt sind nämlich nicht die Versender der Spam-Mails, sondern diejenigen, die ihnen die Adressen dafür liefern.

Der "Honigtopf" als Leimrute

Um ihnen auf die Schliche zu kommen, hat ein Zusammenschluss von Spam-Gegnern ein Netz sogenannter Honigtöpfe aufgestellt. Das sind Seiten im Internet, die nur einen Zweck verfolgen: Den automatischen E-Mail-Erntemaschinen eine E-Mail-Adresse anzubieten.

Diese aber wird für jeden Aufruf der Seite neu generiert und es wird dabei auch protokolliert, von welchem Computer aus die Anfrage kam. Der Computer meldet sich dabei zwar nicht mit einem Namen an, hinterlässt aber in aller Regel seine Internetadresse, eine Ziffernfolge.

Da jede E-Mail-Adresse im Honigtopf nur ein einziges Mal erzeugt wird, lässt sich zumindestens beweisen, dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen einem Rechner, der sich diese E-Mail-Adresse geholt hat, und einem Spam-Versender, der an genau diese einmalige Adresse unverlangt seinen Werbemüll schickt.

Das Honigtopf-Projekt gibt es bereits seit einigen Jahren. Gegründet von der Anti-Werbemüll-Firma Unspam verschafft es Seitenbetreibern vom Großversender bis zum Privatmann kostenlos die Möglichkeit, eine digitale Leimrute auszulegen.

100 Milliarden Mails pro Tag

Unspam sammelt die Ergebnisse ein, und die Spammer können in den Statistiken auf der Webseite von Unspam selbst nachsehen, von welchen Adressen aus der meiste Werbemüll verschickt wird. Den Überblick zu behalten, mag gar nicht so einfach sein, schließlich werden derzeit einer Studie der Marktforschungsfirma IDC zufolge weltweit fast 100 Milliarden E-Mails gesendet - pro Tag. 40 Milliarden davon sind Spam.

Mit Ärger rechnen müssen hauptsächlich Adress-Sammler und Werbemüll-Versender in den USA. Ihnen hofft man auf dem Umweg über die Adress-Sammler auf die Spur zu kommen, wie Matthew Prince, Geschäftsführer von Unspam, der Zeitung Washington Post sagte: "Wenn wir die Adress-Sammler lokalisieren, könnten wir gute Hinweise darauf bekommen, wer an der Spitze dieser Werbemüll-Aktivitäten steht."

Viele benutzen zur Verbreitung von Spam nicht etwa ihre eigenen Rechner, sondern greifen auf Netze gekaperter privater PC zurück. Diese werden mit präparierten E-Mails attackiert und dann zu Spam-Bots, zu vollautomatischen Werbemüll-Schleudern umgepolt. Die meisten der Adress-Sammler kommen tatsächlich aus den USA, gefolgt von Rumänien, Japan und - gleichauf - Deutschland und China.

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(SZ vom 27.04.2007)